Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 31 (1.8.1840)
- Article
- Bemerkungen über die in letztverflossenen Jahren erschienenen deutschen Bibelübersetzungen
- Date
- 1840-08-01
- Page
- 492 (sequence 2)
- Language
- German
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483 491 Fortschreitende Entwickelung der Cultur der Juden in Deutschland. haben (denn er wird im höheren Sprachsinn sogleich zum Adjectiv). Wie man daher übersetzt C3 Nin; auch ih m, so soll man fortfahreu: dem Vater der Söhne Ebers, dem Bruder des I e p h e t. Aren he im giebt es auch so. Allein in £'^*1 Hü fttW CH C3 jUSOa übersetzt auch Arnheim das DH G) mit der scheinbaren Wörtlichkeit auch sie. Doch dieses sie, welches Accusativ ist, kann keine Wörtlichkeit des Nominativs EH - abgeben. (Fortsetzung folgt.) Die fortsehreitende Entwickelung der Grrltur der Juden irr Deutschland von Mendelssohn bis aus unsere Zeit. (Fortsetzung.) In: Zusammenfassen aber seiner Begriffe vom Judenthmne spricht sich Mendelssohn am Schluffe seines Jerusalems also aus: „Das Iudenthum bestand, oder sollte der Absicht des Stifters nach bestehen in 1) Religionslehren und Sätzen oder ewigen Wahrheiten von Gott und seiner Negierung und Vorsehung, ohne welche der Mensch nicht aufgeklärt und glücklich sein kann. Diese sind nicht dem Glauben der Nation, unter Androhung ewiger oder zeitlicher Strafen aufgedrungen, sondern der Natur und Evidenz ewiger Wahrheit gemäß zur vernünftigen Erkenntniß anempfohlen worden. Sie dursten nicht durch unmittelbare Offenbarung eingegeben, durch Wort und Schrift, die nur jetzt, nur hier verständlich sind, bekannt gemacht werden. — 2) Geschichtswahrheiten oder Nachrichten von dem Schicksale der Vorwelt, hauptsächlich von den Lebensumständen der Stammväter der Nation ...... Diese historischen Nachrichten enthalten den Grund der Nationalverbindung, und als Geschichtswahrheiten können sie ihrer Natur nach nicht anders als auf Glauben angenommen werden. — 3) Gesetze, Vorschriften, Gebote, Lebensregeln, die dieser Nation eigen sein, und durch deren Befolgung sie sowohl zur Nationalglückseligkeit, als jedes Glied derselben zur persönlichen Glückseligkeit gelangen sollte. Der Gesetzgeber war Gott, und zwar Gott als Sch u 'tz h e r r Und Bunde sfreund ihrer Vorfahren, als Befreier, Stifter und A n f ü h v e r , als K ö n i g und Oberhaupt dieses Volkes .... Diese wurden ge offenbart, d. t. von Gott durch Worte und Schrift bekannt gemacht (pag^ 282 dieser Ausgabe)." Wie nun aber Mendelssohn-auf der einen-Seite das Judenthum so auf die Spitze' einer auf geschichtlicher Unterlage beruhenden Vernunftreligwn trieb, so suchte er wiederum andererseits aus weiser Vorsicht, das Credo, das bestehende Zermonialgesetz und dergl. in Schutz zu nehmen, indem er alles Vorgefundene als Sitte, religiösen Brauch, als bedingte oder unbedingte Nothwendigkeit zu rechtfertigen suchte, und Aeußerungen, wie: „Es ist uns erlaubt, über das Gesetz nachzudenken, seinen Geist zu erforschen; allein unsere Vernünstelei kann uns nicht von dem strengen Gehorsam befreien, den wir dem Gesetze schuldig sind" muffen uns bei diesem jüdischen Luther gar nicht so sehr befremden. — Auf diese Weise brachte nun Mendelssohn den durch religiöse Satzungen und politischen Druck niedergehaltenen Geist seines Volkes zur Prüfung, zum Bewußtsein seiner selbst. —- Er ward der Moses seiner Nation, deren Geist er vom Joche fremder Meinungen und Gesinnungen besreiete; er offenbarte gleichsam ihr wiederum das himmlische Gesetz in reiner, verständlicher Sprache, er lehrte in (Hinblick auf) Jerusalem das Wort, die Bedeutung und die Macht der Religion, und begründete für sich die Unsterblichkeit durch die Lehre von der Unsterblichkeit. — Die Meudelssohn'schen Prinzipien riefen bald einen Wendepunkt im Leben der deutschen Juden hervor, sie erwachten zur Erkenntniß ihrer selbst und bestrebten sich, denAutoritätsglauben allmalig von sich zu werfen; die Vernunft wurde als das Göttliche erkannt, und somit der menschlichen Freiheit ihr Recht wieder gegeben. Gewerbe, Sprache und häusliche Bildung bekamen eine neue Gestalt und bessere Nahrung-.- Mit der Veredlung der Sprache lauterten sich auch die Begriffe, und man kann mit Recht sagen, von nun an traten die Juden ins Germanenthum ein: denn der bisher vorherrschende jüdischdeutsche Dialekt brach gleichsam die erste, einfachste Formier Produktion, zu welcher die Juden in ihrem Bewußtsein gekommen waren und entfremdete sie nicht von ihren christlichen Mitbrüdern. — Nunmehr aber gewann auch die bürgerliche Stellung der Juden durch die menschenfreundliche Bestrebung eines Dohm eine bessere Richtung, und der Morgen der bürgerlichen Gleichstellung brach über die deutschen Israeliten ein, und wenn sie auch von der Hellen Mittagssonne der bürgerlichen Freimachung nicht erwärmt und belebt wurden, so begrüßten sie doch freundlich den angebrochenen Morgen. —- Sie strebten, ganz im Geiste Mendelssohn's, nicht sowohl das Iudenthum-zeitgemäß zu reformiren, als vielmehr bessere, gesundere Begriffe von demselben im Allgemeinen und von den pradominirenden Zeremonien im Besondern zu verbreiten, und hierin verdienen gewiß die Leistungen des begeisterten Wessely die größte Anerkennung und den ersten Rang. Das Charakteristische dieser Periode war also, die Verbreitung der Verstandesbildung unter Juden, das verständige Denken wurde so G r u n d p r i n zi p der jüdischen Leistungen, und so lange Mendelssohn in lebendiger, klarer Regsamkeit, in seinem heiligen Muthe unter seinen Glaubensbrüdcrn wandelte, stützte er das-jugendliche Werk, daß es in und nach seinen Prinzipien geräuschlos wohlthätig und heilbringend wirke. — Inmitten