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Der Orient · 1840-08-01 · Heft 31 (1.8.1840) · p. 239

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 31 (1.8.1840)
Article
Lemberg
Date
1840-08-01
Page
239 (sequence 2)
Language
German
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239 heraufgebildete und vollblütig stürmende Generation, welche die zu wünschenden Reformen mit einem Schlage heraufgezaubert und verwirklicht sehen möchte, ohne in ihrer Hitze zu bedenken, was dies für Folgen haben, was daraus für Zerwürfnisse entstehen könnten, und so l befinden wir uns denn recht eigentlich in den Zustand jener Übergangsperioden, wo keiner weiß, wie der andere heißt; wo keinem recht gemacht werden kann, und wo niemand zu bedauern ist, als die Leiter der Gemeinde, wenn sie so beschaffen sind, wie die unsrigen, d. h. mit ruhiger Besonnenheit weiter schreiten aus der Bahn der Reform, ohne stocken zu bleiben / aber auch ohne unbesonnen einzureißen, bevor sie neu aufzubauen und zufrieden zu stellen vermögen. In solcher Zeit ist eine solche Stellung ein höchst undankbares Amt, und glücklich wenn diese Männer in ihrer eignen Brust den Lohn finden, der ihnen von Außen her höchstens durch die Nachwelt werden kann. Von der einen Seite beständige Klage über die Männer und ewiges Gefasel über die ungeheure Verantwortlichkeit, die sie sich von einem höhern Richter zuzögen, darum daß sie den Glauben der Vater gering achteten, die Sitte der Altvordern j verletzten, den Völkscharakter untergrüben; auf der andern Seite Vorwürfe, daß auch sie zu den Klebenbleibenden gehörten, daß ihre Humanität, ihr reformatorisches Bestreben nur Schaugebung, nur Simulation sei, sich einen Namen zu erwerben, es mit keiner Partei zu verderben, die Massen in die Hände zu bekommen j u. s. w. Wahrlich unter solchen Umständen gehört Geduld und Selbstverläugnung dazu, um nicht den Muth zu verlieren, um nicht zu ermüden in dem Wirken für L das Wohl derer, die mit Undankbarkeit lohnen. Aber; ihr Lohn wird wenigstens ins künftige groß sein, und man muß es sagen, sie wirken rastlos und unbekümmert um das widersprechende Urtheil der Menge fort, bis sie endlich doch triumphiren werden. Dazu haben i sie bereits mehrere wirksame Mittel ergriffen. <Das l eine, was sie in der Gunst der Menge wesentlich heben und mit der Zeit bei der Masse Hochstetten muß, ist die rastlose Sorge und Pflege für das Hospital, daß bereits mit jedem Jahre an Ausdehnung seiner wohlthätigen Kraft und Bedeutung für Nothleidende gewonnen hat.;• Die Pflege dieses Instituts muß ihnen nothwendig eine! große Zahl Freunde erwerben. Jeder, den die Gebrechen \ der Menschheit drückten, der hier Linderung seiner Leiden fand, er kennt die Männer seiner Verwaltung für seine Wohlthater an und schließt, das eine solche menschen- - freundliche Gesinnung in einer religiösen und für das! wahre Wohl der Brüder treu besorgten Brust genährt sein müßte. Ein zweites Mittel, das schon in einem halben Menschenalter seine heilsamen Wirkungen auf die Gestaltung unsers Gemeindelebens äußern wird, ist die Einführung eines wohlgeordneten Schulunterrichts, gegenüber den kläglichen Talmudschulen, die zur Zeit noch in allen Städten Galiziens existiren und so beschaffen sind, daß sie den Geist des Kindes vollends tobten müssen, anstatt ihn zu wecken, zu bilden, zu beleben. Doch, Gott sei Dank, seit Anfang dieses Jahres hat wenigstens Lemberg eine ihrer Schulen nach deutschem Begriffe und Maßstabe, und wir hoffen es nicht ohne Grund, sie wie gar bald auch andern Städten des Königreichs ein Vorbild und ein Muster werden. In 25 Jahren aber wird Lemberg den Männern, die sie ins Leben riefen nicht genug danken können. — Bekanntlich steht uns die Wahl eines neuen Rabbiners bevor. Er wird einen schweren Stand bekommen, zu welcher Partei ec sich auch bekennt, doch gebe Gott, daß er den Fortschritten huldigt. Und allerdings steht dies wohl zu erwarten, da ja diejenigen ihn zu wählen haben, denen bis jetzt die Leitung der Gemeinde vertraut ist. Wenn erst das kais. kön. Edict ins Leben getreten sein wird, daß nämlich von 1846 an nur philosophisch gebildete und studirte Rabbinen angestellt werden sollen, so wird auch für Galizien eine neue Aera anbrechen. Licht- und Schsttenvilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Historische Entwickelung der jüdischen Bevölkerung und deren Ausbildung in Pommer n. (Schluß.) In jeder andern Provinz Preußens giebt es einzelne Städte mit größern jüdischen Gemeinden, in welchen zum Theil schon philosophisch-gebildete Rabbinen, oder wenn auch nur Prediger und Religionslehrer, leben und wirken, und selbst das Großherzogthum Posen, das, baar aller Aufklärung und Bildung, so schnell zu der Wahl eines solchen Rabbinen in ihrer Mitte nicht schreiten wird, hat dennoch vielleicht vor allen andern Provinzen den Vorzug, daß die Schulen unter Aufsicht der Regierung ziemlich gut constituirc sind, und daß dort von dem künftigen Geschlechte Viel des Guten und des Heils für Israel sich erwarten läßt. Pommern hingegen hat in keiner Stadt einen Rabbinen, weit nirgends eine recht große Gemeinde sich befindet. Dennoch zeigt sich in neuerer Zeit ein reger Geist unter ihnen, talmudisch-gelehrte Rabbinen, aber allerdings nur studirte, anzustetten. So geht man in Stettin, dessen jüdische Einwohner, friedlich beisammen lebend, wohl unter die Gebildetsten in Pommern zu zählen sind, mit dem Plane um, einen philosophisch-gebildeten Rabbinen aufzunehmen, wenn mehrere Städte dieser Provinz dazu beitragen sollten. So will die jüdische Gemeinde in Stolpe wie in Stargard unter derselben Bedingung

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