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Der Orient · 1840-08-01 · Heft 31 (1.8.1840) · p. 238

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 31 (1.8.1840)
Article
Trier: die erste deutsche Predigt
Date
1840-08-01
Page
238 (sequence 2)
Language
German
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238 Hr. Mos es Heß die erste deutsche Predigt. Außer einem zahlreichen israelitischen Auditorium waren auch mehre Beamte unserer Stadt, an ihrer Spitze der Regierungspräsident, Hr. v. Schaper, und eine Anzahl christlicher Damen zugegen. Keinen der Anwesenden wird die. Stunde, die er daselbst zugebracht, gereut haben. Bei all der unfreundlichen Beschaffenheit der hiesigen Synagoge, bei der Menge Zuhörer, die das enge Zimmer in sich schloß, war die Feierlichkeit dennoch ansprechend, ja herzerhebend. Hr. Heß sprach seine Worte mit festem, eindringlichem Tone: zum Text diente ihm das Gebot der Nächstenliebe. Er erklärte, nach dem Talmud sei sie der Inbegriff aller Tugenden. Das folgende: Wie die Nächstenliebe ausgeübt werden müsse, —- brachte den Satz, daß in Bezug auf Menschenliebe die Religion keinen Unterschied mache. Rührend waren die Stellen, worauf der Prediger hier wie von selbst geführt wurde, die Stellen, die sich auf die neuerdings wieder mit so vielem Racheeifer angeregte Blutbeschuidigung der Juden bezogen. Die Nächstenliebe fodert, hieß es im Vorträge, daß ihr euren Nebenmenschen Nichts zue Last legt, woran ihr nur im Geringsten zweifeln könnt; bewahrt euch vor dieser Sünde, zumal wenn ihr euren Nächsten dadurch der Schande, der Schmach, dem Verderben Preis gebet; aber sollte auch Verlaumdung das Aeußerste über euch bringen, nährt deswegen kein Rachegefühl: der Allmächtige, der alle unsere Herzen und alles Irdische durchschaut, ist auch ein höchst gerechter Gott; ihm gehört das Richtecamt, nicht uns. Nach dieser Ausführung legte der Prediger, damit er es, nach seinem Ausdrucke, nicht beim bloßen Worte bewenden lasse, seinen Glaubensbrüdern unter Andern die Stiftung einer israelitischen Handwerksschule an's Herz. Dies führte den Sprecher auf den Staat und Se. Majestät den König: wo denn ungefähr die Worte so lauteten: ,,Wen von euch ergreift nicht bei diesem Worte eine wehmüthige Trauer wegen des Hintritts unseres geliebten Landesvaters? Wem sollten seine Heldentugenden unbekannt sein? Unter seiner Negierung und seinem wohlthatigen Einfluß genossen wir einen fünsundzwanzigjährigen Frieden. Unter seiner Regierung haben wir die Freiheiten genossen, um die man in andern Ländern noch lange streiten wird. Und so wie der Höchstselige es war, der überhaupt für Künste und Wissenschaften Vieles that, so ward auch uns jede Gelegenheit, uns darin hervorzuthun, gewährt; und blieben uns auch noch manche Wünsche übrig, so haben wir die Hoffnung, daß sein erhabener Sohn, der Erbe seiner Tugenden, uns das Fehlende auch noch ertheilen wird. Es wird nur auf unsere Treue und Anhänglichkeit ankommen." Das Ganze schloß ein andächtig-erhabenes Gebet für Se. Maj. unfern jetzt regierenden König. —- Möchten die ausgesprochenen Wahrheiten des jungen Predigers überall recht tiefe Wurzel schlagen, möchten seine wohlthätigen Vorschläge bei uns recht bald in Erfüllung gehn! Diesem letztem Wunsche, dem gewiß jeder Menschenfreund gern beipflichtet, könnte nicht besser gesteuert werden, als wenn Hr. Heß diejenige Stelle bekleidete, die ihn allein in den Stand setzen kann, seinen edlen Absichten Nachdruck zu geben. Die Notabeln der verschiedenen israelitischen Gemeinden im hiesigen Regierungsbezirke könnten sich wirklich kein schöneres Verdienst um dieselben erwerben, als wenn sie, da jetzt grade die Stelle des hiesigen Oberrabbiners zu besetzen ist, Hrn. Heß zu ihrem geistlichen Vorsteher wählten. Hr. Heß hat nicht nur, wie es hier allgemein bekannt ist, während eines doppelten Tcienniums auf der Rhein-Universität mit allenu Fleiße sich den orientalischen Sprachen und den klassischen Studien gewidmet, sondern er wohnte auch früher den Vortragen der Rabbinen bei, und ist als ein rechtlicher und eingezogener Mann bei allen denjenigen bekannt, die die Gelegenheit nicht verschmähten, ihn kennen zu lernen. Er ist dazu ein geborener Trierer und aufgewachsen in jenen Verhältnissen, die der Träger jener Stelle kennen muß. Wo solche Eigenschaften hecvorstrahlen, da sollten billiger Weise kleinliche Rücksichten schwinden. Wir machen alle erleuchteten Israeliten um so mehr aus unfern wackern Landsmann aufmerksam, je inniger wir überzeugt sind, daß dessen Wahl der hiesigen israelitischen Gemeinde nur zum Frommen sein wird. Die Errichtung einer israelitischen Handwerksschule aber ist auch für die übügen Einwohner hiesiger Stadt von solchem Belange, daß wir nicht zweifeln, auch Manche von uns werden durch Unterstützung dieser Angelegenheit ihren weltfreundlichen Sinn mit Freuden bewahren. Trier'fche Zeitung. Galizien. Lemb evH, 6. Juni. „Strafe dich zuvor selbst, ehe du andere verurtheilest", dieses gewichtige Wort sollte bei uns jeder mit goldnen Buchstaben in sein Herz schreiben. Wie Moses die alten Unverbesserlichen, an Sclaverei, Götzendienst und Aberglauben gewöhnten und darin großgezogenen Väter in der Wüste aussterben ließ, ehe er das Volk in das gelobte Land der Erz-Vater führte, so muß auch bei uns das mit dem Aberglauben, der Versinsterungswnth und dem fanatischen Chastdaismus behaftete Geschlecht aussterben, ehe an eine durchgreifende und radikale Reform und Besserung zu denken ist. Wenn in uns die Sehnsucht nach etwas bessern aus der Brust heraufseufzt, so müssen wir zuvörderst unablässig bemüht sein, uns selbst zu bessern; denn wahrhaftig, noch gar zu oft ist es der Fall, daß die stärkere Partei diejenige ist, welche sich den Verbesserungsplanen der Vorgesetzten und Behörden mit starrer und blinder Anhänglichkeit an dem Alten wider-setzt.. Gegentheils aber haben wir eine" durch die neuere Zeit

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