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Der Orient · 1840-08-01 · Heft 31 (1.8.1840) · p. 237

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 31 (1.8.1840)
Article
Kassel: eine Replik
Date
1840-08-01
Page
237 (sequence 2)
Language
German
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237 seinen Protector verleitete, einem Systeme zu huldigen, das nicht in seiner Natur wurzelt; fahrt er aber auf dem betretenen Wege fort, so wird die Jsolirtheit, die wir jetzt in Bezug auf ihn &u: dem regen Treiben der Gemeinde, der Welt, der Literatur bemerken, nur stets mehr überhand nehmen, und ihn vollkommen abnutzen. Seine Thaten werden dann nur noch von seiner Unbrauchbarkeit in der ihm überwiesenen Stellung sprechen. Spricht sich doch schon jetzt die Sehnsucht aller Gebildeten in der Gemeinde, und ihre Iah! ist nicht gering, ganz entschieden für eine freimüthige, offne und feste Wirksamkeit der obersten geistlichen Behörde etwa im Sinne und Charakter des Dr. Geiger aus! Lassen doch schon jetzt die mystischen, oder kalt berechnenden, dogmatisirenden geistlichen Vortrage des Herrn Dr. Romann bei aller rhetorischen Ausbildung leer und kalt, eben weil ihnen das Gemürh, das innere Leben mangelt, weil eine gewisse Frömmelei und Bigotterie die Kraft der Wahrheit, das Ergreifende der in dem göttlichen.heimischen Vernunft nie ersetzen kann. Und Dr. Romann, dessen sind wir gewiß, wird die Gemeinde nicht zu seiner Ansicht bekehren, nicht an die Art seiner religiösen Auffassung gewöhnen. Nur mehr und mehr isoliren wird er sich, wird höchstens nicht blos sich selbst, sondern auch die moralische Kraft der Gemeinde abnutzen und erfchlaffen. Und dies; muß von Jahr zu Jahr sichtbarer werden. Denn von außen her strömt die Freiheit des Wortes und der That auf die Gemeinden Hessens ein, die ja ihr Ohr und Herz solcher Mahnung nicht verschließen; von innen wirkt der Geist des Schulunterrichts auf die kommenden Geschlechter, und Herr Dr. Romann wird^ recht eigentlich erfahren, was es heißt, sich der Zeit entgegengestellt zu haben. Die Casseler Schulen wenigstens geben der Hoffnung Raum, ein Geschlecht zu erziehen, selbstständig und kräftig. Der Oberlehrer der Schulanstalt, Hc. Dr. BüdNiger*), ist ein ebenso uneigennütziger, als kenntnißceichec Mann, -der seinen Lehrerberuf, welchen er ohne alle Entgeltung übt, gewissenhaft aussüllt und durch seine literarische Wirksamkeit zur Genüge bewiesen hat, daß er die Zeichen der Zeit richtig zu verstehen und zu beuctheilen gelernt hat. Seine ihm ähnliche Gattin, welcher die Direction einer durch milde Beiträge des hiesigen Madchenvereins entstandenen *) Der Redacteur fleht sich hier zu erklären veranlaßt, daß div Orient als unparteiisches Blatt für jede Meinung und Farbe geöffnet ist, und daß daher die Mittheilungen mit den persönlichen Sympathieen und Antipathieen des Reb. nichts zu thuu haben. Wir kennen Hrn. Nomann zu wenig, um ihn abgeneigt zu sein, aber mit Vergnügen nehmen wir Mittheilungen über Unbekannte auf. Wir erklären auch ferner, daß Hr. Dr. Büdinger, den wir sehr schätzen, dessen neuestes Schristchen Eben Bochan kn dieser Nummer besprochen wird, nicht den geringsten Antheil an dieser Mittheitung hat, wie er selbst öffentlich erklärt hat. Red. Anstalt bisher anvertraur war, hat sich gleich ihm den Dank schon vieler armen Familien verdient, und wird stets von dem Bewußtsein begleitet werden, an dem Gebäude der Humanität recht vieles gewirkt zu haben. —'* Neben dieser Anstalt sehen wir auch die durch die Gesellschaft der Humanität begründete Schulanstalt fürarme Knaben immer segensreicher sich entfalten und ohne der andern Bildungs- und Wohlthatigkeitsanstalten hier weiter zu gedenken, dürfen wir schon von den angeführten eine schöne Hoffnung nähren und erwarten, daß durch die erstere in dem Kreise gar vieler Familien ein Geist werde eingebürgert werden, welcher der Aufklärung und wahren Frömmigkeit huldigt, während die zweite der Gemeinde, dem Leben, dem Bürgerthume eine nicht geringe Anzahl Mitglieder zuführen wird, die als biedere Männer, als thacige Geschäftsleute, als umsichtige Staatsbürger sich heimisch fühlen werden auf der deutschen Erde, die sie jüngst adoptirte, ohne sich um Bestrebungen zu kümmern, die diesem Ziele direct entgegen laufen. Karlsruhe, 18. Juli. In der gestrigen Sitzung der zweitenKammer, der bekanntlich heute der Schluß des Landtags folgte, beschäftigte sich dieselbe noch bis tief in die Nacht mit Erledigung der noch rückständigen Petitionen. Unter diesen Petitionen hatte nur eine ein allgemeines Interesse, nämlich das Gesuch über die Emancipation der Juden. Die Kammer ging jedoch diesmal auf eine Discusston des schon so oft besprochenen Gegenstandes nicht ein, sondern schritt alsbald zur Abstimmung. Nur ein Umstand war diesmal neu, daß nämlich die Commission, die darüber Bericht zu erstatten hatte, der Mehrheit nach auf die Emancipation wirklich antrug, was früher noch nie der Fall war. Berichterstatter war der Abg. Kuenzer, welcher also auf Emancipation der Juden antrug, allein die Kammer verwarf mit 31 Stimmen gegen 17 den Antrag. Der Präsident Mittermaier hielt hierauf Abends 9 Uhr eine Abschiedsrede, worin er auf die Thatigkeit der Kammer aufmerksam machte, welche während der neunmonatlichen Dauer des Landtages 130 Sitzungen hielt, 34 Gesetze, 6 Motionen und 586 Petitionen erledigte. Unter diese Gesetze gehöre der Entwurf des Strafrechts, dessen völliges Zustandekommen nicht möglich gewesen ' sei und daher dem nächsten Landtage Vorbehalten werden müsse, bis wohin sich wol manche Dorurtheile und Mißverständnisse, die über den Entwurf obwalten, gehoben, haben werden. (Bad. Bl.) Triev, 4. Juli. Ein nicht nur für die hiesige israelitische Gemeinde wichtiger, sondern auch für unsere Stadtgeschichte überhaupt höchst interessanter Akt fand heute bei uns statt, ein Akt, der jedenfalls den Fortschritt der Zeit auf eine sehr erfreuliche Weise darthut. In hiesiger^ Synagoge hielt heute der Rabbinatseandidat

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