Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1840)
- Article
- Avignon : Geschichte der Juden daselbst [Nachricht]
- Date
- 1840-08-01
- Page
- 236 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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236 zu erhalten, weil ihre Stellung sehr kläglich sei. Ihre gerechten Klagen aber sind stets unbeantwortet geblieben, weil die Zahl der Israeliten so groß wäre, daß sie ihre Geistlichen aus dem eignen Seckel besolden könnten. Man schreibt aus Avignon unter dem 11. Juni: Ungefahr vor 10 Tagen brach in unserm Tempel in der Nahe der Lade (Aron H a-Kodesch) Feuer aus; die heiligen Bücher (die Pergamenrollen, worauf der Pentateuch geschrieben ist) unsers heiligen Gesetzes drohten ein Raub dieses unglücklichen Verhängnisses zu werden. Eine junge Israelitin, Mademoiselle Blanquette Valabregue, eine Nähterin, stürzte sich mitten hinein in die Flammen, um die Sefarim (Gesetzrollen) zu retten. Solch' ein Muth und solch' eine fromme Hingebung darf nicht unerwähnt bleiben. ArcL Isr. Deutschland. Königsberg, 9. Juli. Der biblische Geograph, Herr Zakob Kaplan aus Russisch Minsk, durch den unstreitig jede bisherige biblische Erdbeschreibung eine Berichtigung, neue Erläuterung und Ortsbereicherung erfährt, befindet sich feit einigen Tagen hier in Königsberg, um die Resultate seiner Forschungen, die er mit Berücksichtigung der neuesten jüdischen und christlichen Schriftsteller meist aus den zahlreichen rabbinischen Alterthumsquellen geschöpft und in einem zweitheiligen, alfabetisch geordneten hebräischen Werke (Ecez Kedumin, Wilna 1839) nebst einer ganz neuen Karte von Palästina niedergelegt hat, in weitern Kreisen bekannt zu machen und für die Folge neue literarische Verbindungen anzuknüpfen. Herr Kaplan schließt sich würdig den slavifchen Gelehrten an, welche die wissenschaftliche Eultur durch musterhafte neuhebräische Prosa zu vermitteln streben. Wie Ginzbucg, der Uebersetzer des Pölitz, die Geschichte, Slonimski die Astronomie, Lewinsohn die.Exegese und Apologik, so hat sich Herr Kaplan die biblische Geographie zum besondern Gegenstände seines Studiums erwählt. Seine außerordentliche Belesenheit in der rabbinischen Literatur und sein kritischer Scharfsinn machen das Werk nicht blos für seine Glaubensgenossen, sondern für jeden Historiker, Theologen und Orientalisten äußerst brauchbar, wovon sich Jeder schon durch den bloßen Vergleich dieser verbesserten und mit vielen neuen, selbst von einem Gesenius nicht erwähnten Ortschaften vermehrten Karte mit den ältern überzeugen kann. Natürlich giebt erst das Buch selbst den größten Theit der neuen Forschungen, wobei sich zugleich herausstellt, welch eine neue Fundgrube der Talmud und die Midraschim auch für diesen Zweig der Altecthumskunde in sich enthalten. — Mögen diese, lediglich im Interesse der Wissenschaft geschriebenen Zeilen dazu beitragen, dem nun zum ersten Mal den deutschen Boden betretenden Herrn Kaplan die Theilnahme der Gelehrten und Beförderer der biblischen Literatur freundfchaftlichff zuzuwenden. Dr. Fceystadt. Kassel, 3. Juli. Die Nr. 26 der israelitischen Annalen theilt eine Entgegnung meines in Nr. 17 und 18 dieses Blattes enthaltenen Aufsatzes über Cassel mit, welche mehr ein Ausfall auf die Person des Referenten und dessen in Frage gezogene Intelligenz, als eine Widerlegung des Gerügten genannt zu werden verdient. Mit derlei Dingen aber ist der Wahrheit eben so wenig geholfen, wie mit dem bloßen Hinwegleugnen der von mir aufgestellten Behauptungen. Eben so abgenutzt sind die Kunstgriffe, murhig und ohne Scheu gemachte Angriffe dadurch zu vernichten, daß man ihnen den Charakter der Animosität, der leidenschaftlichen Parteilichkeit, des Egoismus beilegt, um solchen Angriffen, welche die Sache nicht bemänteln, die Organe der Oeffentlichkeit zu verschließen. Widerlegung durch That und Wahrheit wäre die beste Entgegnung auf meine Ausstellungen gewesen, aber diese ist nicht erfolgt, und die kleinen und kleinlichen Beweismittel in der oben angezogenen Nummer der Annalen beweisen nur gar zu gut, daß die Waffen fehlen, meine Behauptungen in Nr. 17 und 18 des Orient aus dem Felde zu schlagen. — Ich wiederhole es noch einmal, was ich dort nicht ohne Eifer für die Sache der Humanität und des Fortschritts ausgesprochen habe: die Wahl des Landrabbimn ist eine unglückliche, namentlich für ein Land wie das Kurfürstenthum Hessen, das schon seit Jahren berufen war, den übrigen secundären Gemeinden Deutschlands als Muster voranzuleuchten. Ich bin fest überzeugt, daß Seitens der Vorsteher nicht gewählt worden wäre, da einmal Männer wie Zunz, Rapaport zurückgewiesen worden waren, wenn die Wahl des Herrn Dr. Romann nicht durch Empfehlung von Seiten des altgläubigen Herrn v. R. ihr Glück gemacht hatte; denn so leid uns dies auch thut, über Persönlichkeiten aburtheilen zu müssen, so muß es zur Steuer der Wahrheit dennoch gesagt werden, und Jeder der es wagt, sich in die Oeffents lichkeit zu begeben, muß sich auch ein öffentliches Urtheil gefallen lassen. Herr Dr. Romann mag sonst ein ganz liebenswürdiger, achtungswerther, ja kenntnißreicher Mann sein; ich gebe auch zu, daß vielleicht meine Ausdrücke nicht die gewähltesten waren, aber er ist kein Rabbiner, am allerwenigsten für Hessen. Er füllt keinesweges seine Stellung ganz aus, ihm geht die Kenntniß der Bedürfnisse, die Kenntniß der Verhältnisse und der Stellung der Gemeinde ab, ihm fehlt die gelehrte Rabbinatsbitdung, nuri) das alles will er ersetzen durch das Kokettiren mit einer Orthodoxie, die er gewiß bannen würde, wenn der gewaltige Geist der Wissenschaftlichkeit des 19. Jahrhunderts ihn umleuchtete, wenn er den Geist ahndete, der jetzt durch das Judenthum schreitet. Herr Romann könnte nützen, wenn ihn nicht die Dankbarkeit gegen