Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 30 (25.7.1840)
- Article
- Wissenschaftliche Notiz
- Date
- 1840-07-25
- Page
- 473 (sequence 2)
- Language
- German
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Literarische Zlnalekten. Wissenschaftliche Notiz von Pros.-von Lengerke. 474! 473 ) Tuch in seiner Bearbeitung" der Genesis. Er hat zum ersten- I male nachgewiesen, in welche Lheile oder Gruppen die Erde? und ihre Völker in der althebräischen Anschauung zerlegt wurj den. Dieses Ergebnkß hat hoffentlich vielfache Irrthümer für immer beseitigt. Oder wird nun noch jemand die Assyrier und Chaldäer zu den Semiten ^rechnen wollen? — Es scheint; nun allerdings gewagt, wenn'ein Gelehrter, der Jahrelang in einem entlegenen Winkel des russischen Polens über die heutigen Schriften und die Tradition seines Volkes nachgegrübelt und bis jetzt keine, oder doch nur eine fragmentarische Anschauung f jener gelehrten Leistungen gewonnen hat, in unserer Zeit mit einem eigenen und ausführlichen Werke über die biblische Erdbeschreibung hervortritt. Es weilt jetzt ein jüdischer Gelehrter unter uns, welcher einen solchen Schritt in die Oeffentlichkeit I gewagt hat. Herr I. Kaplan aus Minsk gab bereits im Jahre 1839 ein alfabetisch geordnetes Werk in zwei Banden und in hebräischer Sprache zu Wilna heraus. Eben jetzt ist : er mit einer neuen Bearbeitung beschäftigt; daher der Unterzeichnete gerne freundlicher Aufforderung folgt, einige Worte über diese gelehrten Leistungen zu veröffentlichen. In der That wird in dem „Lande des Alterthums", wie der Herr Verfasser sein Werk benannt hat, eine gewisse Formlosigkeit und ein Mangel.an gründlicher Orientirung in anderweitigen alten Quellen, durch das vielfach überraschende Resultat ausgewogen, da hier namentlich durch Vergleichung von Parallelstellen und glückliche Combinationen im Bereiche des Kanons selbst, theils durch das mühsame Studium des Talmud, zu Tage liegt. Schriftliche jüdische Quellen wurden bis jetzt von christlichen £ Gelehrten zur Aufhellung geographischer Probleme gar nicht l benutzt; ja der Reichthum genauer Resultate, der sich au§ ihnen gewinnen laßt, wohl gar nicht gekannt. Selbst Hieronymus, wenn er auch das heilige Land aus eigner Anschauung - kannte, benutzte bei den Nachrichten, die wir ihm verdanken, *? nur den mündlichen Unterricht jüdischer Gelehrten. Herrn Kaplans unermüdeter Fleiß, der durch eine wahre und schöne Liebe zur Wissenschaft selbst angeregt ist, hat es nicht gescheut, oft viele tausend Seiten des Talnmd's zn lesen, um endlich ein Goldkörnchen zu ermitteln; aber erfreulicher ist noch der richtige Tact und die scharfsinnige Combinationsgabe, welche 1 aus der Behandlung des biblischen Textes selbst ersichtlich sind. So ist es dem Herrn Verfasser gelungen, nicht allein über schon gekannte Völker und Städte viel des Neuen zu sagen, sondern auch-durch scharfe Prüfung des Textes selbst über 100 neue Namen zu ermitteln, welche nun die Erdkunde bereichern; andere Volksbenennungen zu combiniren -u. s. w. Freilich geht bei der alfabetischen Form die Uebersichtlichkeit verloren. Als Beigabe wäre wenigstens ein allgemeines Bild des Landes und seiner Grenzen, wie wir es zur Zeit der weitesten Ausdehnung unter David zu denken haben, wünschenswert!); auch würde hierhin eine Schilderung der geographischen Gesammtvorstellungen der Hebräer gehören. Doch vielleicht sind diese Wünsche ihrer Erfüllung nahe. Zwei hiesige junge Gelehrte wollen sich der Verdeutschung des Werkes, mit Benutzung neuer Materialien, welche der Herr Verfasser liefern wird, unterziehen. *) Das Einzelne soll hier berichtigt, erläutert und vervollständigt; die Charte, in welche Herr Kaplan bereits alle seine Resultate ausgenommen hat, soll von einem geschickten Zeichner in größerem Verhältnisse ausgeführt werden; und so haben wir ein Werk zu erwarten, welches der Wissenschaft wahrhaft Noth thut. Keine Karte über das heilige Land, selbst die beste nicht, konnte bis jetzt den strengeren Anforderungen genügen; der Grund war eben darin zu suchen, daß wir bis jetzt keine nach wahrhaft kritischen Grundsätzen gearbeitete .Gesammtdarstellung der Geographie Palastina's besaßen. Kann es doch gesagt werden, daß weder die Arbeit von Röhr noch die von Carl von Raumer genügen kann. Des ersterm Buch ist aller eigenen Prüfung und jeder gelehrten Prüfung baar; dem letzteren fehlt es an aller Kenntniß des Originaltextes; auch ist er so sehr in dogmatischen Vorurtheilen befangen, daß er sogar das Salem Melchisedeks noch für Jerusalem ausgeben möchte. Wie gefährlich aber und wie vom richtigen Fahrwasser ableitend eine dogmatische Klippe sei, hat andrerseits in neuerer Zeit das unkritische Gerede über den Zug durch die Wüste, das selbst ein Fremdling in Israel, Göthe, anstimmte, leidet zur, Genüge bewiesen. Der Herr Verfasser und seine künftigen Mitarbeiter werden diese gefährliche Klippe auch bei der neuen Bearbeitung des gedachten Werkes gewiß glücklich umschiffen. Wir aber wünschen dem erfreulichen Unternehmen den gedeihlichsten Fortgang und die Theilnahme aller derer, welche dasselbe zu fördern vermögen. Königsberg. - Professor von Lengerke. Die forrschreitende Eutwickelung der Cultur der Juden in Deutschland von Mendelssohn bis auf unsere Zeit. (Fortsetzung.) Diese summarischen Umrisse der Cultur der deutschen Juden und der wissenschaftlichen Ausbildung des Judenthums seit Mendelssohn zeugen zu deutlich, wie dieselben mit der Umänderung und Fortbildung der deutschen Wissenschaft (Philosophie) Hand in Hand und Schritt vor Schritt fortgingen, und wir müssen daher die verschiedenen Epochen der fortschreitenden Cultur der Juden in Rückblick auf die jedesmalige philosophische Denkweise Deutschlands bestimmen. Wenn nun aber, wie oben *) Von diesen ist Einer Herr Dr. Freystadt, der nun, nachdem der andere ganz zurückgetreten, allem die Bearbeitung übernommen. Red.