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Der Orient · 1840-07-25 · 30 (25.7.1840) · p. 471

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
30 (25.7.1840)
Article
Eäwas über Karäer in der Krim
Date
1840-07-25
Page
471 (sequence 1)
Language
German
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471 Lit. Ztnalekten. Etwas üb. Karäer in der Krim. Prof. v. Lengerke's wissensch. Notiz. 472 Literarische Analekten. I Eäwas über Karäer in der Krim, von I. B. in Lemberg. (Schluß.) Diese Gesetzreolle (Sefer Lora), welche der in der Literatur bekannte Elija Hadassi 9) gekauft, ist, wenn die Inschrist überhaupt beglaubigt ist, noch in Bezug uuf die Lebenszeit dieses gelehrten Karaers wichtig, nur kann ich die Stadt nicht finden, wodurch die Deutlichkeit der Nachricht etwas gestört wird. In Kassa oder Feodosia am einem weiten Busen des schwarzen Meeres, wo -jetzt noch eine karäische Gemeinde ist, fanden sie auf dem Söllerder rabbanitischen 'Synagoge einzelne vergilbte Blätter eines Codex, worauf das Onkelos Largum aus Deuteronomium mit Bocalen und den sonderbaren oben bereits' erwähnten Accenten versehen war, die den zu Lschufutr-Kale ähnlich sahen. Auch fanden sie daselbst Gesetzrollen, die.'auf schwarzem (?) Pergament geschrieben waren, und die Buchstaben hatten eine andere Farbe, aber durch die Lange der Zeit war kaum mehr etwas leserlich. Außer denn genannten Gegenständen fanden die weisenden noch so manches höchst Interessantes, das ich hier aber deshalb nicht erwähne, da Herr Stern gewiß darüber später berichten wird. Der Oirector, Herr Bezalel Stern, beschäftigt sich seit seinem Hiersein, fast zwölf Jahre lang, mit der Erforschung der Geschichte der Juden in diesen Gegenden, namentlich mit der Geschichte der Gemeinden um das schwarze Meer und über die Karäer und Chasaren daselbst, und er muß über diesen wichtigen Theil der Geschichte treffliche Aufsätze haben, da alle Karäer ihm ihre sämmtlichen Hand- und Druckschriften zugesandt und eine fortwährende Correspondenz mit ihm unterhalten. Auch diesen Fund haben sie ihm zugeschickt, mit der Bitte, diese uralten Denemaler zum Gegenstände seiner Forschung zu machen, um über die Karäer und ihren Ursprung berichten zu können, da e i n e Aufklärung die andere nach sich ziehen wird. Möge Hr. Stern recht bald den Beweis liefern, daß er nicht zu den fruchtlos - thätigen Gelehrten gehört, die Iahrzehende sich abmühen, um dann ein Nichts in die Welt zu schicken, möge er recht bald die Wolke verscheuchen, welche unsere Blicke für Erkenntniß unserer Gechichte umdunkelt und sein großes Werk über diese Parthie der 9) Erhieß nicht blos D'IH/ Hadaß, sondern auch iftTV Hadassi, vielleicht weil er aus Swmos oder Chios war, die man Sussaw-Ada ssi, Saki-Adassi nennt, sonst schrieb er sich auch Da er nun diese Gesetzrolle 1110 gekauft, so muß er noch sehr jung gewesen sein, da er erst 38 Jahre spater, nämlich 1148sein Werk Eschkol Ha-Kofer geschrieben. Er lebte auch später immer in Constantinopel und nicht in einer Stadt fcS'lCDD/ wie es hier heißt. Red. jüdischen .Geschichte recht bald durch den Druck veröffentlichen, denn wie er. mir sagte hat er auch das Räthsel der eigenthümlichen Accentuation gelöst, was er mir aber nicht mittheilte." *°) II. Wissenschaftliche Notiz. Um eine genauere Kenntniß der biblischen Geographie zu gewinnen, begnügten sich die christlichen Gelehrten fast bis zur neuesten Zeit mit dem Apparate, den aus den Vorarbeiten von Hieronymus Zelt an und aus dem Gewinne eigener Studien Bochart, Michaelis und Andere aufgespeichrrt hatten. Freilich verdanken wir treffliche Erläuterungen im Einzelnen auch einigen neueren Gelehrten, wie Rosenmüller, Gesenius und Winer, welche namentlich die Berichte der Reisenden fleißig benutzten. Bedeutendes wurde in neuerer Zeit geleistet; eben darum bedeutend, weil uns nun ein klareres Bild der Erd- und Völkeranschauung der alten Hebräer überhaupt und eine bestimmtere Vorstellung des Allgemeinen gewährt wurde. In dieser Beziehung sind von Einsichtigen, die das Kind nicht gleich mit dem Bade verschütten, unseres theuem von Bohlen's feine Combinationen als wahre Fortschritte auf dem dunkeln Gebiete dieser Wissenschaft, freudig begrüßt worden. Der nun verewigte Freund har zur Urgeschichte der Genesis die überraschendsten Resultate mit dem ihm eigen-m Scharfsinne, der ihn so oft mühlos auf das Nichtige leitete, gewonnen. Es sei hier nur daran erinnert, wie Don Bohlen aus wenigen dürftigen Namen die Verwandschaft der jafetischen und semitischen Völker und ihre Abzweigung, als auch in der Genesis anerkannt, nachgewiesen hat; ein Resultat, aus welches um wenig früher bereits die Entwickelung der' Sprachengeschichte geführt hatte. Es sei hier auch der Untersuchungen über die indischen Factoreien in Arabien gedacht, wodurch vielem irrigen Gerede, z. B. über das bekannte Ophir, nun auf einmal ein Ende gemacht worden ist. Umfassenderen Gewinn für das Studium der biblischen Erdkunde brachte noch F- 10) Da man bis jetzt Stern's Meinung über diese Accente noch nicht erfahren konnte, so erlaube ich mir eine eigene Erklärung dem Leser vorzulegen. Bekannt ist bei uns Rabbaniten die Sitte, am Psingftfeste die zehn Gebote mit dem sogenannten Qberaccent Cytt) zu recitiren, während am Sabbat I e t r o nur mit dem Unteraccent (pnnrin DJJEO) gelesen wird, und der Unterschied zwischen beiden ist jedem Rabbaniten bekannt. In den Decisionen des Beer Hetib fl. §. 494) heißt es, daß der Oberaccent nur bei öffentlicher Vorlesung gebraucht werden darf. Es ist möglich, daß auch die Karäer früher zwischen öffentlicher und privater Vorlesung unterschieden haben (N'N'N nxnp, dLNnttnp), oder daß sie zu bestimmten Zeiten oder an bestimmten Festtagen den Oberaccent DJ7L3) bloß gelesen. - Einsender.

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