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Der Orient · 1840-07-25 · 30 (25.7.1840) · p. 469

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
30 (25.7.1840)
Article
Bemerkungen über die in letztverflossenen Jahren erschienenen deutschen Bibelübersetzungen
Date
1840-07-25
Page
469 (sequence 2)
Language
German
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469 Ueber die in den letztvenfloffenen Jahren Beginnen von theilweiser Reaetion und theilweiser Neuerung, in der vereinten Macht des Herkommens, der Gewifsensstrupel und des methodist'erenden Systemes unfehlbar begegnen muß. Der Aberglaube ist nur das bunte Farbenspiel, mit welchem sich der reine Strahl höherer Wahrheit im durstigen Auge des Beschauers bricht. Vorurtheil und Uiberzeugung sind die Außenseiten am großen Schwungrade der Realitäten, deren eine um die andere nach oben zur Erscheinung kommt. Doch die Bedenklichkeit unserer Alten wegen cnj? min ied im an oder na cnno mil&D 2in2D mag nicht so leicht als Vorurtheil und Aberglauben abzuweisen sein. Am wenigsten mag sie hier außer aller Rücksicht bleiben, wo eine eben so zarte als heilige Pflanze aus der Milde ihres heimathlichen Südosten in die 'Fröstelep des fremdartigen Nordwest versetzt werden soll. Entweder Acclimatisation durch Annahme einer angemessenen Gestaltung, oder Verkrüpplung und redlicher Untergang ist ihr Loos. Was auch Hamilton, Jacotot und ihre sich täglich mehr aufschwingenden Schulen durch die Wörtlichkeit der Uebersetzung Großartiges und überrvschendes leisten mögen — bei ihnen ist der linguistische Fortgang der vorgewogene Zweck; unser Gegenstand betrifft den Material- Gehalt — die Idee. Wir studieren nicht die Bibel, um in den Resten.der heiligen Sprache conversiren zu können; wir lernen Hebräisch, wegen der unvergleichlichen Schatze, die in den Urkunden dieser Sprache niedergelegt sind. Ueberdieß geht es uns mit dieser, der nichtjüdischen Weltalls neu erscheinenden, Lehrmethode wie jenem guten Polen, der, als er die Bedeutung des Wortes Prosa erklären hörte, erstaunt ausrief: Also sprech' ich, schon vierzig Jahee Prosa, und wußte kein Wort davon! Bei uns hat ja die ungrammatische, wörtliche Lehrweise kaum erst aufgehört, und die prößere Mehrheit der noch lebenden Individuen, welche in dieser Schule heraugrreift, kann für sie das Zeugniß geben, daß sie das Schicksal der Homeopathie und aller andern Originalansichten theilt, die immerwahrend und allenthalben nach einer Weise durchgreifen wollen. So erstaunlich ihre Wirkung ist, wenn sie mit Genialität und gründlicher Sachkenntniß gehandhabt wird, so nutzlos und verderblich wird sie, sobald die nachaffende Menge sich mit Flachheit und Unkenntniß ihrer zu ermächtigen wagt. Denn mehr noch als die offenbare Unverständlichkeit des fremdartigen Ausdruckes mit einheimischem Laute ist ,bie scheinbare ' Verständlichkeit zu besuchten, wo durch die gangbare Bedeutung des vertretenden Wortes und seines Zusammen- : Hanges der eigentliche Originalsinn erst gänzlich mißver- standen wird. Wenn schon das Unternehmen einer Bedenklichkeit unterliegt, der wenigstens vocgebeugt werden sollte, so; erschienenen deutschen Bibelübersetzungen. 47V kann eine Beurtheilung wie die des Randeggec Rabbinen Schott, wo sie auf die Ausführung eingehet, so" absprechend und lieblos, sie immer sein mag, dennoch -nicht unerwartet sein. Unerwartet aber und auch verletzend mag für Manchen die Reizbarkeit und die gänzlich abfertigende Weise des Dr. Salomon sein. Unerwartet, weil man an den würdigen Vertheidiger Israels gegen Hartmanns Eisenmengerei, bei dem Kampf um seine persönliche Tüchtigkeit eine gleich edle, und noch ruhigere Haltung voraussetzen mochte; verletzend, weil man sich in dieser Voraussetzung bei einem der gefeierten Gelehrten Israels getäuscht sieht. Rabbiner Schott ist offenbar zu absprechend; Dr. Salomon hingegen ist zu ansprechend, indem er manche Ansicht, die nicht anspricht, als Kanon für Volk und Schule niederlegt. Der Beurtheiler dienet oft dem Kleinheitsgeist, der Sylbensängerri; der Beurtheilte aber scheint auch manche Eigenthümlichkeit des Hebräers viel geringer geachtet zu haben, als zur Ergründung des Originales nöthig ist. Wohl kann auch Abfasser dieses Aufsatzes, eben wegen dieser Abfassung, mit dem Vorwurf kühnen Anspruches abgefertigt werden, und dieses um so leichter, als für ihn, wie für den Randegger an die meisten Leser die geographische Notiz geliefert werden kann, in welchem Lande und Welttheile sein Wohnort liegt, und daß er, ihn mit.gerechnet, gegen 100 0 jüdische Seelen zählet) Allein einerseits glaube ich, daß unter 1000 jüdisch erzogenen Menschen kaum Einer eine Zurückweisung dieser Art jüdisch finden werde; und nur die aufgeregte Stimmung "konnte unseren beliebten National-Prediger der erhebenden' Deutung des PiC^Tl jH&E HEN vergessen machen. An-, derseits erkläre ich hiermit feierlich, daß ich mich von all der Tüchtigkeit., Namhaftigkeit und Rühmlichkeit weit entfernt weiß, welche Dr. Salomon am Schluffe seiner Entgegnung als bedingende Eigenheiten eines Beurtheilers vorgezeichnet Hab — ich erkläre hiermit feierlich, daß ich mich sogar viel zu ungeschickt fühle, um nur den heut zu Tag gangbaren apodictischen Ton nachahmen zu können. Allein als Vorgesetzter und Selbstlehrer an einer Schule, in welcher der Bibelunterricht einen wesentlichen Theil ausmacht, bin ich bei der Benützung der zu diesem Zwecke herausgegebenen Arbeiten axuf gewisse Schwierigkeiten und Zweifel gestoßen, die ich mit der entschuldigenden Anfrage auszusprecheu wage: mir. wn.; (Fortsetzung folgt.) 1) Vergl. 2C, Z. des Judenthums 3. Jahrgang. Nr. 80, Seite 342, Note. 30 *

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