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Der Orient · 1840-07-25 · Heft 30 (25.7.1840) · p. 230

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 30 (25.7.1840)
Article
Berlin: Audienz der Deputation der berliner Judengemeinde beim König
Date
1840-07-25
Page
230 (sequence 2)
Language
German
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230 das er begonnen, nicht vollendete, wenn in einzelnen Provinzen die bürgerlichen Verhältnisse der jüdischen Unrerthanen, wie z. V. in Posen, noch zurückstehen, so lag dies in Umständen, die man, ohne ungerecht zu sein, nicht beseitigen konnte. Doch freut es mich, daß, -wie ich höre, auch dort die Juden sich immer mehr der -bürgerlichen Gleichstellung würdig machen. Meine Herren, -ich bin, glauben Sie mir, kein Auhanger der blinden Vorurtheile früherer Jahrhunderte." Es versteht sich von selbst, daß diese Worte, aus dem Gedächtnisse mitge- -theilt, nicht ganz genau die der königlichen Rede sind, über der Sinn und Inhalt, wie ec sich unverlöschlich -den Zuhörern eingeprägt, ist treu wiederholt) nur ist moch Vieles ausgelassen, was der Monarch huldreich chinzusügte. Er ließ sich die Namen der Deputaten nennen, fragte, ob die beiden Herren Meyer mit einander, und ob Hr. Veit mit den Malern verwandt sei, wie viel Mitglieder die berliner jüdische Gemeinde zahle, -ob es wahr sei, daß die Synagoge einer baulichen 'Erweiterung bedürfe, kurz es sprach ein königlicher Vater mit seinen Kindern. Zum Schlüsse fügte er noch hinzu: „Meine Herren, es.war mir sehr scheichelhnfr, -daß Sie wich persönlich zu sprechen gewünscht haben, obwohl Sie als Würger bereits vollkommen durch bieDepuration des Magistrats repräsentirt worden sind." Als hierauf Dc. Weit eine Eingabe der hiesigen Judenschaft aus den Tisch niederlegen wollte, forderte sie der König huldreichst mit den Worten: „Es ist wol besser, wenn Sie mir sie selbst geben." So endigte die Audienz. Die Kunde über den Erfolg dieser -Audienz verbreitete sich;mit reißender Schnelligkeit unter den Mitgliedern der hiesigen jüdischen Gemeinde; Dank, Freude und Hoffnung erfüllt die Gemüryer; und die in diesem Augenblicke nach dem Tempel zum Sabbatgottesdieuste -zahlreicher als .gewöhnlich wallenden Juden werden ihr Dankgebet zum Herrn emporsteigen lassen, daß er die gerechte Trauer, in die uns der-Verlust unsers zur Ruhe und Seligkeit eingegangenen Königs versetzt hat, durch die nicht minder gerechtfertigte freudige Zuversicht zu dessen geliebtem Nachfolger mildert. Sein allweiser Wille hat uns einen guten König genommen, seine allgüuge Liebe hat uns wieder einen guten König gegeben. Nikolsburg. (Fortsetz.) Werfen wir nur auch einen flüchtigen Blick auf die Functionen des Landrabbinen und seinen Einfluß auf die Gemeinden, bedenken wir, daß seines Amtes ist, die Einigkeit und -Einheit der verschiedenen Gemeinden zu überwachen, Religionsstreitigkeiten beizulegen, die Religiosität rein von 'aller Befleckung zu erhallen, die Schulen zu controllirm, und 'ihre angehenden Lehrer zu prüfen, so muß uns erklärlich werden, daß von Nikolsburg aus, sobald es der Rabbiner versteht, als Ortsrabbinerder dortigen Gemeinde sich-zu bemächtigen, ein beträchtlicher Einfluß, von wel-! eher Beschaffenheit auch, auf das ganze Land sich erstrecken muß. Beginnen wir mit dem Materiellen, so ist Nikolsbürg geeignet, ein sehr ehrenwerthes Beispiel aufzustellen. Künste und Handwerke werden hier auf das schwunghafteste in der Gemeinde betrieben und es gibt namentlich unter den Jüngern gar tüchtige und geschickte Arbeitec, die die Fremde gebildet hat. Dieses sichtbare Vorschreiten des Technischen, hat auch die Liebe zu demselben vermehrt und Kunst und Gewerbe erfreuen sich der Theilnahme aller, denen das Wohl der Gemeinde und ihre Hebung am Herzen liegt, sogar von 'Außen. Diese Liebe ist es, die auch eine Gewerbsschule ins Leben rief, die freilich noch mancher Hoffnung, wie manchem Wunsche Raum gibt, vorzüglich insofern sie sich noch nicht über verschiedene Arbeirszweige erstreckt. Aber alle, die bereits ihren großen Nutzen, vorzüglich für den armern Theil der Gemeinde, kennen gelernt haben, wenden sich ihr mit Theilnahme zu und unterstützen ihr Emporkommen, wenn nicht aus andern Wegen, so doch durch die Abnahme ihrer guten, beifallswürdigen Erzeugnisse. — Sehen wir aus den geistigen Umschwung der Stadt, auf die Mittel und Vehikel des physischen und moralischen Lebens, so begegnen wir auch hier manchem Erfreulichen, obwohl nicht zu leugnen ist, daß sich hier noch vieles Ungewisse und Schwankende, viele Werdende und Unausgebildete vorst'ndet. 5jteu wird es uns erklärlich werden, wie so viele, zum großen Theile sich wiedecsprcchender Berichte und Zeitungsartikel über die jüdischen Verhältnisse in Mähren in die Welt ausgehen konnten, hier wird es sich Herausstellen, warum zum Theil mit so vieler Leidenschaftlichkeit und Hitze für und gegen diese Zustände gekämpft werden konnte. (Schi, ft) Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Historische Entwickelung der jüdischen Bevölkerung und dercu Ausbildung in Pommern. Der schönklingende Name Correspondent hat in neuerer Zeit, nachdem über Städte und Provinzen mit zahlreicher jüdischer Bevölkerung genug und vergebens raifonnirt wurde, so manchen Unberufenen -verlockt, über Zustände und Angelegenheiten der Juden -zu schreiben, in dem Wahne, ein Schärflein .zur Verbesserung des Judenthums 'beitragen zu können. Solche Unberufene,., die entweder die Zustande ganzallgemein und oberflächlich schildern, so daß ihre Schilderung auf jede Stadr und jede Provinz paßt; oder die vom ihrem engen Kreise ausgehen, und eine ganze Provinz, mitunter einen ganzen Staat, nach ihrer Umgebung beurtheilen, solche

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