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Der Orient · 1840-07-25 · Heft 30 (25.7.1840) · p. 226

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 30 (25.7.1840)
Article
Aus dem Elsaß: Bestrebungen der Juden daselbst
Date
1840-07-25
Page
226 (sequence 2)
Language
German
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226 Elsaß verstauet. Es verlautet darin über die von dem israelitischen Consistorium zu Colmar niedergesetzte Centralcommisston, welche die Wohlfahrt der verschiedenen israelitischen Gemeinden des Obet-Rheins im Auge haben sott, folgendes: Den Zweck ihrer Arbeiten hat diese Commission klar ausgesprochen in Beseitigung der Wucherei und Abstellung der Bettelei unter der israelitischen Bevölkerung des Ober-Rheins. Die Commission will/ nach dem Beispiele Straßburgs, eine G'ewerbsschule für arme, hülssbedürftige Israeliten gründen. Die Namen der Unterzeichner der desfalsigen Adresse verbürgen die Hoffnung auf einen glücklichen Erfolg dieses Instituts. Aber ein Unglück ist es, daß, .iach Briefen zu urtheilen, die uns vom Ober-Rhein zügekdMmen Md, diese Anstrengungen denn doch der' gehörige Erfolg nicht krönen dürfte, wenigstens nicht für den Augenblick, weil die Muffe in gänzlicher Theilnahmlosigkeit verharrt, und die Lauheit anderer nicht einmal den guten Willen des Consistoriums von Colmar bewiesen hat. Man darf sich nicht wundern, daß man in den meisten Ortschaften so wenig Rücksicht auf den Inhalt des Rundschreibens genommen hat/ das die Eentraleommission am 25. Der. vor. Jahres umhersandte, und worin sie zur Errichtung von Localcommissionen aufförderte, ihre Thätigkeit zu unterstützen. Wem wäre das traurige Ecgebniß dieser Maßregel nicht bekannt? Allein wenn es wahr ist, daß das Consistorium zu Colmar gar wenig Eifer bewiesen hat, diese edeln Absichten zu unterstützen, so hat es seinen Einfluß verkannt, den es natürlicher Weise auf die untergeordneten Commissarien üben mußte, deren große Masse die unverzeihlichste Nachlässigkeit, die vollkommenste Gleichgültigkeit für die ganze Idee der Cultivirung an den Tag legte. Wenn endlich das Consistorium dadurch, daß es der Centralcömmission die Schuld auf den Hals wälzte, seine eigene Sorglosigkeit beschönigen will, so übernimmt es, falls diese Vorwürfe Grund haben, eine große Verantwortlichkeit. Nur die Arbeit kam: aus dem Boden des israelitischen Elsaß den schimpflichen Wucher, die erniedrigende Bettelei herausjäten. Wohl erkennen wir es, es ist ein schweres Tagewerk, es ist hier gegen Vorurtheile, dort gegen Habsucht anzukämpfen; es verlangt pecuniare Opfer, unbedingte Selbstverläugnung. Aber der Preis ist die Wiedergeburt der israelitischen Bevölkerung des Elsaß. Nimmt man die Ehre eines Sitzes im Consistorium an, so verpflichtet man sich dadurch schon im Allgemeiner», den Impuls zur Wohlfahrt zu geben, durch jenen glühenden Eifer, der alle Gemüther entzündet, die ganze israelitische Bevölkerung des Sprengels zu beleben. Da gilt es jetzt mehr als jemals zu mahnen: TiD Di&jtän b]} DTID’D DOK (1 Kön. 18, 21.) *) Wir theilen diese Add reffe in 'einer der nächsten Nunickern Mit. „Wie lange schwankt ihr nach zwei Seiten hin?" Wenn, wie man ja doch von einer auserwählten Administration glauben sollte, da sie durch Religionsverwandte erfolgt und da sie das königliche Vertrauen beehrt, wenn — sagen wir — das Consistorium des Ober.Rheins beseelt ist von dem Verlangen, die seiner Obhut Anver-- trauten zu regeneriren, wenn die ihm gemachten Vorwürfe grundlos sind, so wird es dies erklären, oder besser, durch die That widerlegen. — Herr Achill Ratisbonne, Vorsteher der Gesellschaft zur Beförderung des Kunst- und Gewerbfleißes unter den Israeliten des Nieder-Rheins, berichtet uns den Entwurf eines Schreibens von Herrn I. Berc, Präsidenten einer ähnlichen Gesellschaft zu Metz. — Man fühlt sich glücklich, die Leute iü dem Eifer für das Wohl unserer Glaubensgenossen sich überbieten zu sehen. Herr Ratisbonne erntet den Dank für seine edeln Anstrengungen zu Metz und setzt sehr trefflich die zahllosen Schwierigkeiten auseinander, die die Gesellschaft zu Straßburg besiegen muß, wenn sie die Resultate erzielen will, die sie sich gesteckt hat, er giebt die Unterschiede dieser Resultate selbst aus den Jahren 1828—1832 und von 1832—1838 an. — Er schließt darauf seinen Brief folgender Gestalt: „Der ehrwürdige Präsident kann sich dabei beruhigen. Straßburg hat nie angestanden, der Gesellschaft zu Metz, ihrer altern Schwester in dieser Rücksicht, die gebührende Achtung zu erweisen. Wir erkennen das Einmüthige der Anstrengungen und Absichten in unfern Bestrebungen; es ist unser eigenes Ziel. Wer unter uns konnte eine andere Rivalität, als die der beständigen Hingebung an das Werk der Civilisation, das Ziel unsrer gegenseitigen Sympathien?" Deutschland. BvM Neckar'. Juli. Der „Orient", welcher nicht müde wird, uns Nachrichten zu bringen, die seinem Namen und seiner Aufgabe entsprechen, enthält in Nr. 26, von Constanz aus eine „Herzensergießung eines Juden an seine Brüder, bei Gelegenheit der jüdischen Blutfrage," die mehr als irgend eine Nachricht die Aufmerksamkeit des jüdischen Lesers anregt, indem sie eine Lebensfrage der Gegenwart berührt, um so mehr, als sie die Form eines „seltsamen" Aufrufs an sich trägt, dem kein denkender oder fühlender Jude sein Ohr ganz verschließen kann. Und zweifeln wir auch nicht, daß von allen Seiten her Stimmen über diesen Gegenstand verlauten werden, so sehen wir doch in den besondern Verhältnissen unsrer nächsten Umgebung eine besondere Veranlassung, und vernehmen auch von hier aus eine eigene Forderung, diesen Gegenstand von dem uns eigenthümlichen Standpunkt zu beleuchten. — Wohl kann man es jedem Ausdrucke des erwähnten Artikels ansehen, daß er einem für das Wohl unserer Brüder tief füh-

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