Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1840)
- Article
- Rhodus: Reibungen zwischen den verschiedenen Confessionen daselbst
- Date
- 1840-07-25
- Page
- 225 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
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Berichte, Studien und Kvitiken Das Abonnement für ein Jahr ist 6 Thlr. Man abonm'rt bei allen löbl. Postämtern und allen soliden Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das LiteraturLlatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. 30. Leipzig, den 25. Juli 1840. Orient. Rhodus (Reibungen zwischen den verschiedenen Confessionen daselbst.). — Frankreich (A u s dem Elsaß, Bestrebungen der Juden daselbst.). —' Deutschland (Vom Neckar, Besprechung des Artikels von Constanz, die Colonisirung Palastina's betreffend. Leipzig, üb. d. Cahen'sche Journal. Berlin, Audienz der Deputation der berliner Judengemeinde beim König. Nikols bürg). — Licht- und Schattenbilder aus d. jüdischen Geschichte der Gegenwart. Die jüdische Bevölkerung in Pommern. — Personalchronik u. Miscellen. — L. B. des Orients. Orient. Rhodus. Nach dem allbekannten Ecfahrungssatze, daß nie ein Unglück eitlem daherfchreitet, hat sich die Damasker Beschuldigung auch an gar manchen Orten wiederholt und hat bekannter Maßen auch zu Rhodus ihr Echo gefunden, Leidenschaften aufgeregt, Gemüther entflammt. Die dortigen Juden werden bekanntlich beschuldigt, einen Christenknaben, der, wie Zeugen aussagen, im Judenquartier verschwunden sein soll, ermordet zu haben. Die mit der Untersuchung dieses Facrums beauftragte Commission wird hoffentlich mit mehr Parteilosigkeit und Menschlichkeit an ihr Werk gehen, als die Untersuchungsrichter in Damaskus, aber aus den einmal aufgeregten Leidenschaften dürste leicht noch weit Schlimmeres entsprießen. Ein Artikel des Journal de Smyrne wenigstens laßt uns einen trüben Blick in die Zukunft werfen. Es wird in demselben geschrieben: „Unter den Türken läuft das Gerücht, daß die hier wohnenden Griechen und Europäer sich waffnen wollten, um des Kastells sich zu bemächtigen und die Moslems zu vertreiben. Zwei förmlich schuldlose Griechen wurden von der Behörde eingezogen, doch bald darauf wieder freigegeben. Den Bemühungen mehrerer Europäer ist es gelungen, zu entdecken, daß dies absurde Gerücht von -einem seit Kurzem hier wohnenden Egyptier ausgesprengt worden ist, der bei seiner Ankunft zu Rhodus mit Empfehlungsbriefen von Voghos Bei versehen war, in dessen Diensten er zu Alexandrien sich befand. Auch die Reibungen zwischen Juden und Christen leben wieder auf und zwar bilden die Erstem, ermuthigt durch ihre Anhänger, . fite den Augenblick die Angreifer. Es ist vorgekommen, daß sie in Masse über Personen Hersielen, die durch ihren Bazar gingen. So sah sich neulich der Dragoman des russischen Vice-Consulats plötzlich von fast 50 Juden umringt, als er mit einem jüdischen Kaufmanne in Wortwechsel gerieth, und er wäre vielleicht todtgeschlagen worden., wenn nicht mehrere Ionier dazwischen gekommen wären, welche die Juden zum Weichen brachten. Den Tag darnach begab sich der russ. Vice-Consul zum Pascha, Genugthuung verlangend für die seinem Dragoman angethane Beleidigung, die ihm auch alsbald zu Theil wurde. Uebelwoltende benutzten diese Aufregungen, um die Türken gegen die Christen zu Hetzen. Die hiesigen Moslims sind zwar im Ganzen friedlicher Gesinnung, allein es giebt denn doch auch unter ihnen Leute, die noch mit alten Vorurtheilen behaftet sind und einige derselben gingen zum Muhaßil, um die Europäer und Griechen anzuklagen, daß sie beabsichtigten die öffentliche Ruhe zu untergraben. Der Muhaßil wurde durch dergleichen Berichte sehr aufstützig gemacht, verbürgte sich jedoch, auf die Vorstellungen des bcittischen Biee-Consuls, für das gute Betragen der Moslems und Juden, während der Vice-Consul andrerseits dieselbe Bürgschaft für die unter seinem Schutze stehenden Christen übernahm." — Das sind betrübende Zeichen der Zeit, solche Vorgänge reißen oft in wenig Tagen einen Jahre langen Bau über den Haufen. Frankreich. Aus SaS Arcliives israelites de France enthalt im Maihefte d. I. (S. 283 ff.) einen Artikel aus Aix vom 12. Mai, der uns einen weiten Blick des innem Lebens unter den Juden im 30