Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1840)
- Article
- Frankfurt a. d. O.: Todtenfeier für den verstorbenen König
- Date
- 1840-07-18
- Page
- 224 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2360092-2360093-2360123-2363036--0690-2363067- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
224 menschlichen Verlangen keine Gewährung geschieht Daher ist uns jetzt, in unserer gegenwärtigen Lage und Stellung/ da wir alle Gaben der Gesittung in uns ausgenommen/ der religiöse Gedanke in edler Verjüngung in uns aufgelebt, der Bürgersinn in uns freudig erwacht, die Liebe und Anhänglichkeit an Fürst und Vaterland in uns aufgeblüht, jeglicher Haß, jegliches Vorurtheil langst geschwunden, die Brust erweitert, das Herz erwärmt, die Arme geöffnet, mit denen wie unsere Brüder des gemeinsamen Vaterlandes umfassen möchten, nichts wünschenswerther, als uns völlig und rückhaltlos ausgenommen zu sehen in den Schoos des theuern Vaterlandes als seine treuen Söhne, uns von ihm erkannt zu sehen als seine natürlichen Kinder z uns ausgenommen zu sehen in den innigen Verband des gemeinsamen Vaterlandes, dessen Wohl und Wehe wir mitsühlen, dessen Lust und Schmerz, Hoffnung und Trauer wir redlich theilen; nichts ist wünschenswerther, als uns geöffnet zu sehen einen ausgedehntem Kreis vvn Pflicht und Recht, eine erweiterte Bahn der Ehre und des Ruhmes. Denn nicht die Theilnahme am größern Recht ist es allein, wonach wir streben, wiewohl auch dieses für den Menschen keiner Rechtfertigung bedarf, sondern auch und vorzüglich: die Theilnahme an größern Pflichten, die aus dem Recht uns erwachst, die unbeschrankte Theilnahme an des Vaterlandes Ehre und Ruhm, des Vaterlandes, dem wir nicht nur mit unserm Gut und Vermögen, mit unserm Blut und Leben in den Tagen der Gefahr, sondern auch mit unserm Geist und Herzen dienen wollen in den Tagen des Friedens, daß wir lieben, rückhaltlos lieben wollen als seine leiblichen Kinder, mit unsers Geistes besten Kräften, mit unsers Herzens edelsten Trieben. Gleich Moses, nach der sinnigen Darstellung unserer Alten, sehnen auch wir uns nach dem gepriesenen Lande der Verheißung eines unverkümmertm Rechts, nicht sowol um dessen Früchte mit Behaglichkeit zu genießen, als vielmehr um der Pflichten theilhastig zu werden, die in jenem Land auf dem Baume des Rechts für uns wachsen, um die Gaben der Gesittung, die wir dem Vaterlande verdanken, seinem eignen Gedeihen zu widmen, um so zu beweisen, daß unsere Sehnsucht nach erweitertem. Recht in edler Gesinnung, in dem Verlangen eines, verhaltnißmaßig erweiterten Kreises der Pflichterfüllung wurzelt. So ist unser Streben, das unser Hoffen, unser Ziel!" Es wäre zu wünschen, daß die mit warmer Liebe für seine Glaubensgenossen gesprochenen Worte in die Kreise Derer dringen möchten, wo die Beachtung derselben von heilsamem Erfolge für die Bekenner, des jüdischen Glaubens wäre! Von dev Leine, 20 Jun. Auch wir sind urplötzlich mit frohen Hoffnungen auf die bessere Gestattung unsers bürgerlichen Loses erfüllt worden. Es ist gewiß, daß nach den gegenwärtig versammelten Standen ein Gesetzentwurf über unsre künftige bürgerliche Stellung zur Berathung vorgclegt werden wird, und daß, wenn auch kerne weitere Erwartung verwirklicht werden dürfte, so doch das bestehende drückende Schutzverhaltniß aufhören und den Juden der Eintritt in den Bund bürgerlicher Gewerbe und Handthierungen gestattet werden soll. Genug, um uns wenigstens für den Augenblick zufrieden zustellen, denn unser Loos war bisher von dem der Knechte wenig verschieden. Die folgenreiche Änderung unsers Geschickes aber werden wir zuvörderst unserm Landrabbinen, dem Dr. Adler zu danken haben, der selbst zum Könige ging, und durch die Schilderung unsers drückenden Schicksals das Herz Sr. Majestät rührte. Der thätige königliche Greis traf auch alsbald die geeigneten Schritte zur Verbesserung unsers Zustandes und leitete Allerhöchst selbst die Cabinetsberathungen über dm betreffenden Gesetzentwurf. Pevsonalchronik und Miseellem Moses Mendelssohn hat nun auch sein Denkmal erhalten. Es ist ein gar bescheidenes, anspruchloscs, aber nicht desto weniger rührendes. Die Haude- und Spenersche Zeitung erzählt nämlich, daß der Besitzer des Grundstücks des kleinen Häuschens auf der Spandauer Straße (Nr. 68) in Berlin, in dem Mendelsohn den größten Theil seines Lebens geweilt habe und worin er gestorben sei, daran seit kurzem folgende Inschrift angebracht habe: „In diesem Hause lebte und wirkte Unsterbliches Moses Mendelssohn-, geb° in Dessau 1729, gest, in Berlin 1786. Den 15. Juni fand die Versammlung des Vereins der brkttischen Juden in der Vorhalle der Synagoge great St, Helens statt, von der Nr. 27 des Orients gesprochen wurde, und an 23. Juni in der Synagoge Duckspiace eine zweite. Ob die Abreise M. Montefione's und Cremieux's schonerfolgt, ist ungewiß. * Den 19. Juni fand in Wien nach dem Gottesdienst, wie in jedem Jahre, eine feierliche Consirmation statt, und zwar 11 Knaben und 8 Mädchen wurden confirmirt. Den 13. fand eine solche in Magdeburg statt mir 3 Knaben und 4 Mädchen; in Wien war es die sechste, in Magdeburg die fünfte. Da Predigt und Anordnung allenthalben ungefähr dieselben sind, und da überhaupt solches nun sich allgemein verbreitet hat, so scheint es unnöthkg darüber speciell zu berichten. Verlag von C. L. F ritz sch e. Druck von I. H. Nage!.