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Der Orient · 1840-07-11 · Heft 28 (11.7.1840) · p. 214

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 28 (11.7.1840)
Article
Leipzig: das Gutenbergfest
Date
1840-07-11
Page
214 (sequence 2)
Language
German
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214 Buchhandlungen wetteiferten mit einander in Opfern, das erhebende Fest glanzend auszustatten, Schriftgießer, Buchbinder, viele andere Innungen, die Frauen sogar neben Künsten und Wiffenschaften strengten alle ihre Kräfte an, um durch ihre Talente, ihre Geschicklichkeit, oder durch materielle Leistungen den Glanz und die Bedeudung der Jubeltage zu heben und daß dies gelang, das Einklang und Harmonie, .Liebe und Begeisterung in die Tage der Feier kam, dies bewirkte nicht allein der gute Geist des Volkes, das durch die Art und Weise seiner Theilnahme bewies, daß es den Charakter des Festes erfaßt hatte, dies bewirkte auch die Umsicht, das Geschick, das Talent der Festordner, wtlche sich durch die Art 'und der vorgezeichneten Feier eben so vielen Dank, als Ruhm erworben haben. „Das Fest soll ein harmloses sein, bei dem Jeder sich der Segnungen erfreut, die Gutenbergs unsterbliche Erfindung über die Welt ergossen.^ Dies war die Aufgabe, welche sich der Festcomitö zu verwirklichen vorgefetzt hatte, und dies gelang in dem ganzen Umfange des Wortes. Das Fest war ein wahrhaftiges Volksfest, es war ein Fest, an dem auch der Geringste Theil nahm und Theil nehmen konnte, weil es auch für ihn geschaffen worden war. Es war wirklich ein harmloses Fest! Frankfurt a. M., 23. Jun. Dr. Rießer aus Hamburg weilte die letzten Jahre hindurch in unserer Mitte, geschätzt wegen seines reichen Geistes und geliebt wegen feines reichen Gemüths. Er verläßt uns jetzt, um einem Ruse nach seiner Vaterstadt zu folgen, wo er, der erste Jude, dem dort solche Auszeichnung gestattet werden mochte, von jetzt an den Functionen des Notariats in praktischer Thatigkeit. obliegen wird. *) Nahe an 200 der angesehensten Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde, denen jedoch auch eine Anzahl christlicher Freunde des Scheidenden sich zu diesem Zweck augeschloffen, vereinigten sich vorgestern in den schönen Sälen der Freimaurerloge zum Frankfurter Adler zu einem festlichen Mahle, welches dankbare Anerkennung zu Ehren des edeln Streiters für Licht und Recht veranstaltete. Reden, Toaste und Gesänge, von dem Geiste einer echten Humanität durchweht, wechselten erhebend und begeisternd mit einander. Deputationen hatten sich zu dem schönen Fest eingefunden aus Karlsruhe, Heidelberg und Mannheim. Sinnvoll waren die prächtigen Säle ausgeschmückt mit Blumen und Laubgewinden und mit-Namen von Männern, die für die Sache des Lichtes und der leidenden Israeliten gewirkt und gestritten) neun Namen waren dazu ausgewähltJoseph II., Dohm, *) Dr. Rießer hat in öffentlichen Blättern mit Recht dieses selbst widerrufen, da er erstens nicht der roste Jude ist, der solches dort bekleidet, indem schon immer dort ein Jude als Notar angesteltt war, und zweitens er diese Anstellung noch gar nicht bekommen, sondern bis jetzt nur sich darum beworben hat. R e d. Mendelssohn, Lessi'ng, Börne, Jacobson, Herder, Grant, Manaffe den Israel; ihnen beigefügt wneir die Namen dreier Länder, wo in unfern neuesten Zeiten herrlich und mit Erfolg gewirkt worden war für die Abtragung, einer großen Schuld der Vergangenheit, die Namen Kurhessens, Württembergs, Ungarns. Wohl kann mit Nechr gesagt werden: dieses Fest hatte eine allgemeine Bedeut» samkeit; denn es war die öffentliche Kundgebung des Dankes und der Anerkennung, welche im Namen der Humanität in verdienter Weise einem ihrer edelsten Kämpfer dargebracht wurden. B ö h m e n. Lichtensierdt bei Karlsbad, 24 Juni. In dem Brockhausischen Conversations - Lexikon (achte Auflage) wird bei der Biographie des berühmten Jchtyographen Dr. M. Bloch, Berlin als der Todesort deffelben angegeben. Da es sich nun hier um die Biographie eines Mannes handelt, welcher der Begründer einer srüherhin unbekannten und völlig unbearbeiteten Wissenschaft ist, die sich daher durch vollkommne Präzision auszeichnen muß und durch keinen Zug die Gewissenhaftigkeit verdächtigen darf, mit der mandie Lebens- und Sterbensmomente desselben^ erforscht, und da es überhaupt keinem Freund der Wissenschaft unwichtig sein, kann, den Verwandten und allfälligen Descendenten dieses Gelehrten aber, unerläßlich sein muß, zu wissen, wo dieser thätige Geist seine ruhmvolle Wirksamkeit auf Erden geendet, und wo die Hülle, in der er gelebt und gewirkt, verwahrt liege; so dürste eine Berichtigung dieses Artikels in dem hellleuchtenden und erwärmenden Oriente nicht auf einem umechten Platze stehen, die von hier uns um so dringender verlangt werden muß, als uns mit der Angabe in jenem Artikel ein Schatz abgeleugnet wird, den wir nicht so leicht (wie es bereits hier schon einmal geschehen, sieh Orient Nr. 15, L. 235) wieder hergeben würden. Denn Dr. M. Bloch ist nicht in Berlin sondern in Karlsbad gestorben am 6ten August 1799, und feine irdischen Ueberreste fanden aus dem hiesigen alten und ehrwürdigen Friedhose unter andern ehrbaren und frommen Brüdern seines Glaubens eine würdige Ruhestätte. — Der gelehrte Campe meldet in Einer seiner Jugendschriften, den Tod dieses berühmten Naturforschers, und äußert sich tadelnd über das lieblose Verfahren, der damaligen Israeliten mit der Leiche, dieses Gelehrten, wovon er selbst> dazumal in Karlsbad anwesend, Augenzeuge gewesen: sein, will. Wahrscheinlich hat das Benehmen gegen, den. entseelten-Leib, das überhaupt unter unserrr Glaubensgenossenallzurigoristisch. und. bei weitem nichtso splendid, wenn auch schonender und vorsichtiger unter den. christlichen, beobachtet wird, und das besonders in Beziehung auf diese theuere-Leiche zu entwürdigend, erschien,, diesen unangenehmen EindruckaufHerrn Campe

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