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Der Orient · 1840-07-11 · Heft 28 (11.7.1840) · p. 213

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 28 (11.7.1840)
Article
Wien: die jüdische Literatur in Oesterreich
Date
1840-07-11
Page
213 (sequence 2)
Language
German
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213 und Bedürfnisse der Neuzeit zugänglich, anpassend, brauchbar und erquicklich zu machen. Au viel hatte Benseeb, als. der erste, mit der Anordnung, Sichtung und Ocganistrung seiner rohen Materie zu thun, um sein kolossales Gebilde daraus zu formen und zu wenig der Ausbeute früherer geregelter Vorarbeiten lagen in seinem kargbedachten Laboratorium lhm vor, als daß er sich auf die gedehntere oft nothwendige Vervollständigung des Ganzen hatte einlassen können. Ec mußte sozusagen sich erst den Farbenstoff aus dem Labyrinthe verworrener Antiquitäten ergrübeln und sondiren und konnte weniger Zeit und Aufmerksamkeit auf die Ausschmückung des Kolorits, auf das bunte Farbengepränge der zierlichen Vollendung verwenden. Seiner noch antiken Zeit konnte und mußte sein schönes Werk genügen, ja als Erstling lexicographischer Meisterschaft gelten und nur willkommen sein. Man begrüßte es mit. einem freudig herzlichen Willkommen, wie einen Langersehnten, ohne zu bemerken, daß er, bei so vielen Radicalen das bei einem hebräischen Wörterbuche insonders so nothwendige Angeben und Anzeichnen aller Conjugationen, mindestens eines Musters, in welchem es im alten Testamente fungirt, so oft vergessen u. s. w. Wozu auch den Leser mit Aufzahlung von Mängeln behelligen, die für . die alte. Zeit nicht da zu sein schienen und die für die Neuzeit, deren Ansprüche und Anforderungen umfassender, durch die Thätigkeit des Umarbeiters, Herrn Lettens, in der That nicht mehr existiren! Man sieht, der tüchtige und seinem Fache gewachsene Umarbeiter, welcher der Lesewelt zur Genüge aufs Vortheilhafteste bekannt, hat es an keiner Mühe und keinem Fleiße fehlen lassen, um seinen Gegenstand dem verfeinerten Leckergaumen der neuesten Zeit schmackhaft zu machen. Und fast auf jeder Seite merkt man es, daß er den Trank seiner Verbesserungen aus der linguistischen Quintessenz neuester Forschungen mit erfolgreicher und dankbarer Mühe gebraut. Jeder nur bedeutende Hülfsquell ward benutzt, um seiner Arbeit die möglichste Politur der Vollkommenheit zu geben und der Ozar Hascharaschim (Radikalschatz) hat nun eine radikale, entsprechende und nichts zu wünschen übrig lassende Renovirung und Umgestaltung erhalten. — Die typographische Ausstattung ist die eleganteste sowohl in Bezug auf das Papier als auf den Druck. (Schluß folgt.) Leipzig, 29. Juni. Die drei Festtage, welche hier am 24., 25., 26. dieses unter dem Zuströmen einer ungeheuren Menschenmasse zum Theil aus nicht unbeträchtlicher Ferne, als Gedachtnißtage an die vor vier Jahrhunderten erfundene Vuchdruckerkunst gefeiert wurden, gehören unstreitig zu den glänzendsten Tagen, die Leipzig in neuester Zeit festlich begangen hat. Der Orient hat bereits dadurch, daß er in Nr. 26. seines Literaturblattes auf die hohe Bedeutsamkeit der Vuchdruckerkunst auch für das Judenthum hinwies, eine nähere Anführung dieser begangenen Feierlichkeiten gerechtfertigt und so dürfen wir uns wohl der Mühe für überhoben halten, des folgenden Artikels willen erst eine Entschuldigung zu versuchen. Wahrhaftig, und dies ist wenigstens unsre innerste Ueberzeugung, ohne die Buchdruckerkunst wäre das Schicksal der Juden im 19. Jahrhunderte wohl kaum das, was es ist und zu werden verspricht. Denn die Buchdruckerkunst hat das Volk veredelt, hat den Geist der Humanität über die Masse ausgegossen und gerade die Masse war es ja von jeher, von welcher die Juden die größte Feindschaft zu erfahren hatten; die Masse war es, welche sogar hier und dort das bessere Bewußtsein der Behörden bewältigte und dieselben zwang, die Juden der bürgerlichen Ruhe zum Opfer zu bringen. Der Enthusiasmus also, die großen Summen, welche man der Feier der Erfindung dieser segensreichen Kunst zum Opfer brachte, muß auch uns erfreuen, die vielseitige, die fast allgemein rege Theilnahme an diesem Humanitätsakte auch uns mit großen Hoffnungen erfüllen. Wenn wir darum den Oberrabbinen Sachsens, den Herrn Dr. Frankel, in den Reihen des schonen, pompösen Festzuges erblickten, wenn wir ihn in Mitten der Geistlichkeit aller christlichen Confessionen dahinwandeln sahen; wenn wir den Herausgeber dieser Blatter, den Herrn Dr. Julius Fürst unter den Gliedern der Universität, zu welcher er gehört, bemerkten: so reizt uns diese Theilnahme einiger unsrer Brüder nicht allein noch mehr, nähere Kunde von dem Ganzen zu erhalten, sondern es bemächtigt sich unsrer ganz unwillkürlich das süße Gefühl, daß auch wir im Reiche der Wissenschaft unsre von den Corporationen derselben anerkannten Vertreter zahlen, daß man auch uns umfaßt als Glieder des großen Bundes der Menschenverbrüderung, daß uns die Humanität und die Wissenschaft wenigstens schon langst anerkannt haben und uns als ihres Gleichen, als Menschen, als Brüder ehren. Die Feier des Festes in Leipzig gehörte nicht allein zu den glanzvollsten öffentlichen Festen, die Leipzig je ins Leben rief, sondern sie hat gewiß auch die Feier aller andern Orte an Glanz, Charakter und Theilnahme weit überboten. Wir können natürlich nicht bis in da§ Einzelnste eingehen, denn dann müßten wir ganze Bogen füllen, auch ist der ganze Gang desselben von dem Festcomite so weit und so ins Detail veröffentlicht worden, daß dies nicht nöthig erscheint, noch dazu, da ganze Bande darüber erscheinen werden, aber demohnerachter können wir uns nicht entbrechen, das Charakteristische desselben hier hervorzuheben, zumal da wir durch Aufregung des Interesses gern für die schon mehrfach der Oeffentlichkeit übergebene Rede des Hrn. Dr. Frankel begeistern möchten. — Mit Liebe und Begeisterung hatte man schon seit Jahren für diese festlichen Junitage gesammelt, gespart, gewirkt. Die Gehilfen und Prinzipale der Vuchdruckerinnung und die des Gremiums der hiesigen

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