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Der Orient · 1840-06-27 · Heft 26 (27.6.1840) · p. 201

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 26 (27.6.1840)
Article
Constanz: seltsamer Aufruf
Date
1840-06-27
Page
201 (sequence 2)
Language
German
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201 wohn er verbreitend«. Ein . herrliches Land! Am tiefsten Busen, .des. Meeresdas drei Welttheite verbindet; — über das schon die Phönizier, unsere Brüder,/ihre zahlreichen. Flotten bis an die Gestaden Albions und die reichen Küsten der Litthauer sandten; nahe dem rothen sowohlals dem persischen Meere, den ewigen Bahnen des. Weltverkehrs; auf dem Wege von Persien, Indien, an's. kaspische und ■ schwarze Meer, das CentralhLNdelsland zwischen Orient und Occident. Jedes Land hat seine Eigenthümlichkeit, jedes Volk seine ihm inwohnende Natur. Syrien und die cs umgebenden weiten Flachen, einem geregelten Ackerbau ungünstig, sind ein Land des Durchzugs, der Vermittlung, der Handelskarawanen. Kein Volk der Erde hat seinem Berufe vom ersten Entstehen an so treu gelebt, als wir; wir sind ein Handelsvolk,, geboren für das Land, wo wenig Nahrung nöthig, diese dem nüchternen Bewohner fast freiwillig von der Natur geliefert wird , nicht aber für die schwerscholligen Fluren des rauhen Nordens. In keinem Lande der Erde sind unsere Brüder so zahlreich, als in Syrien, in keinem leben sie als geschlossene Masse so unabhängig von den Umwohnern, in keinem bewahren sie so treu den Glauben an die Verheißungen der Väter, als an den schönen. Usern des Orontes. -In Damaskus allein wohnen an 60,000. Der Araber hat seine Sprache und sein Stammland behauptet; am Nil, in den Wüsten bis zum Sinai, und jenseits des Jordans weidet er seine Heerden. Auf dm Hochebenen Kleinasiens hat sich, der Turkomane ein zweites Varerland erfochten, das Stammland der Osmanen; aber Syrien mit Palästina sind ledig. Seit Jahrhunderten das Schlachtfeld zwischen den Söhnen des Altai und der arabischen Wüste, den zur See hecanwogenden Abendländern und dem halbnomadlfchen Perser, har noch keines sich darin festzufetzen und seine Nationalität aufrecht zu erhalten gewußt; es giebt kein Volk, das den Namen „Syrer" in Anspruch nehen könnte. Ein chaotisches Gemisch aller Stämme und Jungen, Ueberbleibsel der Manderungen aus Nord und Süd, stören sich im Besitz des herrlichen Landes, worin.unsere Väter so manches Jahrhundert den Becher der Freude und des Jammers geleert, wo jede Scholle mit dem Blute unserer Helden getränkt ist, wo ihre Leiber unter den Trümmern von Jerusalem begraben liegen. Die Macht unserer Feinde ist dahin, längst schon hat der Würgengel der Zwietracht ihre gewaltigen Schaaren niedergemäht, und immer noch regst du dich nicht, Volk Jehova's! — Was steht im Wege? Nichts, alsunsere eigene Unthätigkeir! Kein Pharao wird unsere Wallfahrt hindern, keine Legionen uns den Durchgang sperren. Haben' doch einst die Christen mitten durch feindliche kriegsgeübte Völker den Weg über die Dardanellen sich zu bahnen gewußt; warum nicht wir, die wir nirgends Feinde habend Glaubt ihr, MehemedAli, oder der Sultan in Stambul, werde sich nicht überzeugen , lassen, daß es - für ihn vortheilhafter wäre, der Schutzherr eines friedlichen und . reichen Volkes zu sein, als n«it unendlichem Verluste an Menschen und Geld die ewig wiederkehrenden, gegenseitig angehetzten Aufstände der Türken und Araber zu bekämpfen, von denen doch weder die einen noch die andern das Land in blühenden Zustand zu setzen vermögen. Außerordentlicher Anstrengungen bedarf es nicht, um Syrien, wenigstens unter egyptischer Hoheit, in Besitz zu nehmen. Haben doch die Serbiec und Griechen Unterstützung gefunden; warum nicht auch wir, die Freunde aller Monarchen Europa's? Um Afrika zu civilisiren, vergeudet Frankreich Blut und Geld; Indien blüht unter englischem Scepter; die Horden der Mongolen lernen den Ackerbau unter Rußlands gewaltiger Hand, wird sich keine Regierung finden, um Syrien der Alles, verheerenden Anarchie zu entwinden, um dort eine . Hochschule der Humanität und Bildung für das Morgenland zu errichten? Unsere Lehrjahre waren lange, in allen Landern vom Nord- bis zum Südpol! Kein Gewerbe, keine Kunst ist, die wir nicht geübt, keine Wissenschaft, in. der wir nicht glänzende Vorbilder aufzuweifen hätten. Wo findet ihr bessere Verkünder der Civiliiation. für dir wilden Stamme des Orients? Volk Jehova's, erhebe dich aus deinem tausendjährigen Schlummer! Schaare dich um Führer; hast du ernstlich den Willen, so wird dir ein Moses nicht fehlen. Nie verjähren die Liechte der Völker; nehme Besitz von dem Lande deiner Väter, erbaue zum dritten Male den Tempel auf Zion, größer und prächtiger als je zuvor! Vertraue auf den Herrn, der dich Jahrtausende unversehrt durch das Thal des Jammers geführt har, er wird dich auch in deinem letzten Kampfe nicht' verlassen." ' . D. V. H. Berlin, 3. Mai. (Forts.) Wenn, etwas den Streit für die Sache der Gewissensfreiheit, wie er in neuerer Zeit durch Juden geführt worden ist, von der blöden, befangenen, ängstlichen Weise unterscheidet, wie man ihn früher — freilich mit sehr rühmlichen Ausnahmen zu führen gewohnt war, so ist es eben der Zug, daß die Frivolität des Neligionswechsels, zu der das System einer privilegirten Confession unfehlbar verleitet, offen und kräftig bekämpft worden ist. Nicht von einem dogmatischen, sondern von einem sittlichen Stand- ' punkt aus, in dem Geiste religiösen Ernstes, im Sinn der Lauterkeit und Innigkeit aller religiösen Empfindung, die durch jenes Treiben in ihrer Quelle vergiftet wird, lm Namen eines Grundsatzes also, der den aufrichtigen Bekennern eines jeden Glaubens, der Jedem, in dessen Brust , der Sinn für die höchsten Beziehungen der Menschennatur nicht erstorben ist, heilig sein muß. — Es gibt keine Bosheit, die sich nicht in neuerer Zeit an

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