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Der Orient · 1840-06-27 · Heft 26 (27.6.1840) · p. 200

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 26 (27.6.1840)
Article
Berlin : der Culturverein [Nachricht]
Date
1840-06-27
Page
200 (sequence 2)
Language
German
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- 200 — respondenten in Berlin, Hm. B., ein fast abergläubisches Zutrauen ,' so würde' ersich wenigst die Frage gestellt haben, wo' denn eigentlich „der als Forscher rühmlichst bekanntes auch nur eine einzige Probe einer Forschung gezeigt hatte? Wahrlich Hr. Jost selbst weiß zu gut, was ein Forscher, was ein Rabbiner, und was ein Rabbiner in Berlin sein soll und muß, als daß wir glauben sollten,-daß er einer hereinzubrechen scheinenden Barbarei- Rabbinenstellen durch Polen zu besetzen, wie in den früheren Jahrhunderten der Unwissenheit, zum Organ sich 'herzugeben gesonnen sein sollte. Die Erinnerung an die -polnischen Nabbinen ist in uns-noch nicht erstorben, sie haben durch einige Jahrhunderte uns ein Brandmahl aufgedrückt, dessen Schmach noch bis jetzt nicht getilgt ist. — - Corrfitruz a m Rhein-, 11. Juni. Zum vierten Mal wird so eben das Sacularfest der Presse gefeiert, das - größte und bedeutsamste Fest im Reiche des Geistes,- aber noch bedeutsamer für Israel, wenn die Stimme' der Wahrheit, die Worte der Anregung und Belehrung weithin an das zerstreute jüdische'Volk erschallen darf, 'ungehemmt durch Parteisucht, und ungehindert von den eigenwilligen Führern der öffentlichen Organe. ' Kein Volk der Erde hat die Wohlthat der Presse so nöthig als Israel,' das von Pol zu Pol hin verstreute und versprengte, dessen Dasein und religiöse Gemeinschaft nur durch die Raum und Zeit verlachende Presse erhalten werden kann. Vertrauend auf die Unparteilichkeit 'des Orients, des trefflichsten und gediegensten Organs des-Judenthumsersuche ich die Redaktion ergebenst, folgende Herzensergießung eines Juden an seine Brüder, bei Gelegenheit der jüdischen Blutfrage, ausnehmend;jjutooUen. Entströmt aus einem für das Wohl unserer Brüder tief' fühlendem Herzen, werden die begeisterten, geflügelten Worte vielleicht in manchem Herzen ein Echo finden, wenigstens hie und da manches Gemüth änregen; derwenn auch nicht viel doch weit verbreitete Orient möge als einziges unparteiisches Blatt des Judenthumsdessen Leiter keiner besondern Partei angehörtmeinen Worten einen Platz in seinen Spalten gönnen. ,/Dec- Tag des Herrn wird erscheinennicht ewig ruhet sein Zorn auf dem unglücklichen Geschlechte Abrahams! Jahrhunderte hindurch führte er uns durch die Wüste der'Entbehrung, des- Jammers'; aber die Prüfung geht zu- Endel' Schon'' schimmert" der Tag -der Erlösung aus dem Osten, aus bem Lande unserer Vater, dessen Vertust wir mit blutigen Thranen beweinen. — Unser Erbtheil, - durch' das völkervertilgende Schwert der Römer . vn's- * entrissen, - 'verheert -' und - verödet durch die Sturmfluthen -der Araber, Seldschucken, Mongolen und Osmanen,-charret seiner rechtlichen Besitzer, um sich aus dem Zustandes des^Nichts ^zu-'-der Höhe 'zu schwingen, welche David--der Herrscher-in Jerusalem und Damaskus, ihm einst verliehen hatte. ' v - Jetzt oder nie!— Das türkische Reich fallt in Trümmer -; die fl (wischen Provinzen des' Nordens haben sich ihre eigene Regierung geschaffen) Griechenland hat sich losgerissen , die Wallachen zahlen die Tage bis zu ihrer völligen Unabhängigkeit.- — Die Araber, durch Mehemed Ali's gewaltigen Scepter geleitet, haben vor unfern Augen dem sinkenden Throne Osmans den letzten Stoß versetzt, keine Macht der Erde wird dessen-völligen Einsturz verhindern. Schon lodert die Flamme der Zwietracht im 'Herzen des Reichs, in Adrianopel und Smyrna stehen sich Christen und Türken kampfgerüster gegenüber — will Israel allein die Hände ln den Schooß legen?! — Die Ereignisse im Orient sind der Finger des Herrn; dort eröffnet sich uns eine Wirksamkeit, dort wird' sich unser Schicksal entscheiden l Oder, wozu anders hatten wir, mitten unter den nordischen sprach- und stammfremden Völkern, so manches Jah'rhundert hindurch bis auf den heutigen Tag unsere heimatlichen Sitten und Gebrauche, unsere Sprache und Religion so unverzagt gegen alle Stürme gewahrt, als um durch eine ärmliche Emancipation angelockt in ein Nichts aufzugehen? Aus Erbarmen, oder habsüch» tiger Spekulation wirst man uns nach unendlichem Petitioniren einige aufallen Seiten beschnittene Vergünstigungen zu/ Wer ist's am Ende, -dessen Gnade wir solch magere Gaben zu verdanken haben? dem Volke, das nie anders als mit höhnischem Auge uns als Nachbarn duldet?— Beim Volke und seinen Wortführern sind wir heute noch ebenso angefeindet, als irgend-einmal. Sehet in die Staaten^ wo das demokratische Element das Uebergewicht hat; Haß und Verachtung, aber kein Wohlwollen! — Als Fremdlinge werden wir geduldet, nirgends gesucht, nirgends geliebt. Die Verschiedenheit des semitisch - südlichen Urstammes von den blonden Abkömmlingen des Nordens ist zu unvertilgbar in Körper und Seele gezeichnet, als daß je eine Ausgleichung möglich wäre. Wir sind keine Deutschen, keine Slaven, auch nicht Welsche oder Griechen, wir sind die Kinder Israels, Stammverwandte der Araber, welche ihre ruhmbedeckten Waffen vom Kaukasus bis an die Säulen des Herkules getragen. — Das Gastrecht bei fremden Völkern in Anspruch zu nehmen, zwang uns unsägliches Unglück, aber nicht ewig sollten wir, unter ihre Füße getreten, des heiligen Namens — Vaterland — entbehren. Wir hätten-ein Vaterland, das Erbe-unserer Vater, schöner, fruchtbarer,- dem -Verkehr wohlgelegener, als manche der -geprieftnsten Striche des Erdbodens.- Umgeben vom fchluchtenreichen Taurus, den lieblichen Gestaden des Euphratsden Hochsteppen Arabiens und des felsigen Sinai,! zieht sich unser Stamwland längs des mittelländischen Mceres hin-, bekränzt von den thurmhohen Cedern des'Libanon, dem hundert kleine Flüsse und Bache enMellen - Fruchtbarkeit-über die schattigen Thalgründe, Wohlhabenheit über die genügsamen Be-

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