Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1840)
- Article
- Pesth: über jüdische Zustände
- Date
- 1840-06-20
- Page
- 196 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2360092-2360093-2360119-2362815--0602-2362847- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
496 in eine c und denselben Stunde vorgenommen. Verträgt sich dies? Heißt hier nicht, das Heiligste abgetrumpft! Ohne zu erwähnen, was die alles bestreitende Gesammtkafse in pecuniarer Hinsicht dabei leidet. Beide nun bestehende Synagogen haben jede in ihrer Art treffliche Obcrkantoren, und das wohlorganisi'rteChor des neuen Ritus steht jenem zu Wien wenig oder gar nicht nach.' Der treffliche gebildete Obevrabbiner Herr Lob Schwab, dieses so wohl getroffene Milieu des Rabbinism'us und der Neologie, der ist jedem Bezüge mit strenger Pflichttreue sein Amt als Seelenhirte' ausfüllt, halt von 14 zu 14 Tagen abwechselnd, bald in dieser bald in jener seine Knnzelvorträge; nur, daß jene sich mehr '.der versieht sich mit 'geschmackvollem Sou'rrogate ausgestatteten' Derascha, wie diese mehr dem rethonschen Blumenattribute der Predigt sich nähern. Und von -seinem, einen Allerweltshafen-'bildenden Standpunkte aus, kann und-wird sein Einfluß-für die Kultur der in den Umgebungen Pesth's sich befindenden -Gemeinden von unberechenbaren, vielversprechenden und wohlthatigend-Folgen werden. — - ' (Forts folgt.) Rußl an d. ./.ff Rrz-ffi-fche @t4enze, Juni. Die jetzt endlich auch bis hierher verbreitete Schandergeschichte in Damaskus weckt in uns die schmerzlichsten und trübseligsten Gefühleda' hier leider noch immer wie zu den Zeiten Chmielnizki's^der Haß und der religiöse Fanatismus die Herzen durchglühet. Es sind' kaum zehn Jahre her, und eine ähnliche Beschuldigung in Podolien hat viele Familien dem Kecker'geopfert und fast geht keine Pesachfeier vorüber, deren Freude nicht durch irgend eine Tragödie in einem -Winkel dieses' großen Reiches getrübt wird, wenn auch'die Strenge'der Behörden es nie aufkommen lasten. Die cigenthümliche neuzeitige Idee, die mir nur ein Modekleid zu sein scheint/ die russische'Nationalität so unbefleckt -als möglich zu-' erhalten, bauet täglich an einer unheilvollen Kluftzwischen uns und dem russischen -Volke, an - einer Kluft, die unser ' redliches Streben -nicht ansfüllt, - da das Gesetz sie wünscht. Unsere Kinder dienen sehrzahlreich - im russischen : Heere, den Dienst für dasganze Leben, da bekanntlich hier die Dienstzeit fast' ein halbes Menschenalter dauert, ohne Aussicht auf Wiedersehen der Familie; auf der-Ostseeflotte dienen dem Kaiser über zwei Taufend jüdische Matrosen, ebensoviel' auf der Flotte-des schwarzen' Meeres und eine gleiche Zahl auf den übrigen'Punkten' der russischen Marine. Mit den bedeutensten Geldopfer und unter den mannigfachsten Kämpfen und Anfeindungen legen wir tüchtige Elementarschulen cm, wo wir nur können, Odessa, Uman, Riga, Wilna, Warschau haben Schuten angelegt oder legen noch welche an, und an allen Universitäten des Vaterlandes, in allen Gymnasien unseres Reiches findet sich zahlreich unsere Zugend ein. Tausende drängen sich zum Ackerbau, wollen freudig mit ihren Familien in weite wüste Gegenden ziehen, nach Sibirien oder 'nach -der Gegend am schwarzen Meere, um sich - einen heimischen Boden zu schaffen oder - zu suchen. Und doch sucht das Gesetz uns: mehr als je niederzuhalten, mehr, als je verdüstert ein. Mißtrauen der Behörden unsere Aussicht und hemmt unsere Bestrebungen. Als der Gouverneur von Bestarabien darum nachsuchte, daß in der dort neugebauten Stadt K a g u l sich Juden niederlasten-mögen,' hat der Kaiser den Beschluß ertheilt: „Es soll den Hebräern künftig die Ansiedelung bei allen neuanzulegenden Städten und' Flecken nur dann gestattet sein, wenn sie-von den-Grenzpuncten hundert Werst abgelegensind. Man braucht nur die neuen Bestimmungen des Gesetzes, die nach kurzen Unterbrechungen bekannt gemacht wurde, aneinander zu reihen, und manwird leicht den darin herrschenden' Geist erkennen. Ich stelle sie hier der Uebersicht-wegen zusammen: 1)Jm Gouvernement Kurland sollen ,Juden nicht zum Pacht:-' und Arrende-Besitz von Krügen, Schenken u. dgk in Flecken und Dörfern zugclasten werden^ 2) In den Gouvernements Mohitew und Witepsk soll jüdischen Kausteuten und-Bürgern gestattet sein, Herbergen oder Krüge, Schenken u//dergl. nur in 'Städten und Flecken dieser Gouvernements zu halten. - (Fortsetzung folgt.);; Persottalchronik und Miseellen. Den 19. Mai wurde ein gewisser Herr Selz in Harburg (Schwaben) zum Rabbinen angestellt. Feierlichkeit, Anwesenheit von Christen, Predigt, Gesang, Festmahl und Trivialitäten wie gewöhnlich. —. ' Den 21. April, an dem Name ns feste der russischen Kaiserin/ wurde in Riga ein Frauenverein gestiftet, der 9b Glieder zahlt. Hr. Dr. Lilienthal, der Angesehenste daselbst, ist Erfinder, . Veranstalter, - Constituirer„ Director und Bcprediger dieses Vereins..— Den 28. Mai hat, die erbgesesftne (?) Bürgerschaft in Hamburg nach einem Stillstand von 25 Jahren beschlossen, daß in Zukunft zwei Israeliten zu Notaren erwählt werden können, die übrigen Notare-hingegen Christen sein müssen. Diese Großmuth der Erbgesessenm verdient commentirt zu werden. — Den 2. April starb zu Ober-Ingelheim ein Mitglied des Consisioriums der Provinz Donnersberg von 1809—1825, ß ipp man n O p p e n h e i m e r in einem Alter von 79 Jahren. Daß man weder diesen Namen, noch von dem dortigen Consistorium etwas gehört, liegt blos darin, daß beide nie gelebt. Verlag von C» L. Fritz sch e. Druck von I. H. N<r ge l.