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Der Orient · 1840-06-20 · Heft 25 (20.6.1840) · p. 195

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 25 (20.6.1840)
Article
Oberfranken: Rabbinatszustände in Baiern
Date
1840-06-20
Page
195 (sequence 1)
Language
German
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von hier aus ist man mit der wässerigsten Erbauungsschriften überschwemmt worden, aber trotz des Schwaben? alters konnte ein wissenschaftlich? theologischer.Sinn, . ein? wahrhaft jüdische Bildung hier feinen Raum finden, Wie man es. sonst in Ländern findet, wo die Disciplinen des Rab.binenwesens noch keine äußere Form gefunden haben. Das. beste Beispiel dieser eingerissenen Unwissenheit gibt Dr. Adler, dessen-.Synagoge man seit Jahren, obgleich sie durchaus nichts Würdiges und Erquickliches enthielt, gut ausgenommen hat, in der Meinung, daß der Herausgeber .durch dieses Mittel und durch Anregung von Außen wenigstens darnach streben wird, was ec schon hätte sein sollen. Es scheint aber, daß dergleichen Leute, um ja nicht weiter zu kommen, sich so gegen alle äußere Anregung, gegen, alle Fortbildung abschließen, daß sie wie die Götzen nicht sehen, nicht hören und nicht fühlen. Wenn wir. erber schon hei Dr. Adler diese Täuschung erfahren mußten, was können wir von der großen Zahl unbekannter und ungenannter Candidaten oder Räbbinen erwarten, die nicht einmal zur Hoffnung auf ein tüchtiges Streben berechtigten? Freilich giebl's außer Dr. Adler noch manche Namen, die man mit Achtung nennt, wie Goldmann, Landauer, *)• Gutmann u. A., aber selbst bei. dieser fehlt jene Strebsamkeit, jene innige Liebe zur Wissenschaft des Judenthums, jenes schnelle Erfassen aller Erscheinungen der Literatur, das die jüdischen Gelehrten des übrigen Deutschlandes so herrlich auszeichnet. Unter allen steht aber Hr. Dr. Aub in ganz Baiern ifolirt da; isolirt in seiner gründlichen Kennt? niß der talmudischm Literatur, isolirt in dem raschen Insichaufnehmen der literarischen Erscheinungen auf dem Gebiete des Judenthums, isolirt in seiner wahren Frömmigkeit, so daß er sich wie eine Mimose zusammenzuziehen genöthigt ist. Nächstens ein Mehrcres. u n g a r n. Pefth, 15. 'April. (Forts.) Es ist gewiß, daß ein Moment der Erleuchtung hier hingereicht hat, um alle vorläufigen Aufgaben der Zeit mit musterhafter Energie und Thatkraft aufs rühmlichste zu lösen. Und einer Gemeinde, bei welcher ein kaum gegebener Impuls schon hinreichte, alle Typen und Lichtseiten eines' schönen Vorbildes in sich aufzufassen, und mit empfänglichen edcln Nachahmungseifer wiederzugeben, können wir nur das schönste Prognostikon für eine baldige lich¬ *) sDte ^Schriften dieses vielfach gebildeten Mannes werden in dem wachsten Literaturblatte zur Sprache geführt und angemessen bcurtheilt und gewürdigt werden. Herrn Gutmann's Uobeesetzung der Apokryphen, obgleich eine weniger wissenschaftliche Arbeit, sehen wir ebenfalls mit Vergnügen entgegen. . ... Red. tere Zukunft aufstellen. Die Gemeinde zu Pesth zahlt hei 1500 Familien 7 — bOOO Seelen, welche Zahl eben in der jüngsten Neuzeit zu dieser-Höhe gestiegen sein dürfte. Kein eigenes empörendes-und auf den sich annähernden Verbrüderungsgeist nur schädlich einwirkendes Ghetto beschränkt hier das Wohnverhaltniß der Juden, obwohl ihnen der Besitz eigener Häuser a dato noch nicht gestattet. Groß- und Kleinhandel jeder Art, und seit neuester Zeit auch Gewerbsbetrieb, bilden den Nahrungszweig der Gemeinde, doch haben letztere noch kein Zünfte recht und üben nur sub Rubrike „befugt" zur Zeit ihr Handwerk doch unbeschränkt und öffentlich aus. Der jüdische Großhandlungsstand formirt ein eigenes Handlungsgramium, bei welchem der um die gegenwärtig im? mer blühender'sich entfaltende Reorganisation dieser Communjtät so sehr verdiente würdige Herr Gabriel Ullman n in seinem zwölfjährigen ftgenreichen Walten als erster Vorsteher •— welche Stelle seit Kurzem dessen Bruder Herr Samuel Ullma n n bekleidet — noch immer als Präses den Vorsitz führt. Dieser verdiente Mann war es auch, der mit mächtig energischer Hand in die beim Antritte seines Amtes sich vorftndende chaotische Wirrniß des Kommunalwesens eingriff und den plötzlichen Umschwung, die jähe Umstaltung ins Leben rief. Alle Seiten- und Winkelsynagogen, deren beinahe, jede Chebru eine harte, und wo beinahe der ganze Be.reinsecc.rag, den eigentlichen Zweck verfehlend auf Besoldung der Schul.- diener und Bestreitung sonstiger Synagogalbedürfnisse mißbräuchlich verwendet wurde, wurden ohne Umstande kassirt und aufgehoben und bis aus zwei, die große des alten und neuen Ritus reduzirt; die sogenannten Mmjanim (C'ü'OD) oder Privatandachten annullirt und bei schwerer Strafe verboten. Und, in der That, liegt eine tiefe und feste Begründung des Zusammenhaltens und der Verbrüderung der Gemeinden in dieser Annullirung, und, wo Zerfallen- und Zerrissenheit verwalten, da wird man bei nur etwas genauerer Betrachtung, deren Elemente in den Seitensynagogen vorsinden. So wie es klar am Tage liegt, daß durch die Minjanim nur die Profanisirung und Entwürdigung des Gebetes und Gottesdienstes herbeigeführt wurde, weßhalb diese auch in den bessern Gemeinden bereits nicht ohne Kampf, aber mit äußerster Strenge abgeschajft worden. Wahrlich, es verdient dieser Punkt einer nähern Detailirung und Beleuchtung; aber um der engen Peripherie eines Be? richtes nicht nahe zu treten, nur Clues: Es sitzen oft zehn oder mehre Personen beim Spiele, die Vesperstunde schlagt, sie werfen die Karten hin und —- den Kopf noch wüst vom Whist wird aufgestanden und das Vespergebet, a la Dampf oder Eisenbahn, herabgeleiert und wieder zum Spieltisch geeilt. Nun heißt nach tatmudischen Principicn ein Spielzimmer: Moschab Lezim, und ein Bethaus: Mikdasch Meat und — diese heterogene Metamorphose wird mit Einem und.demselben Ort

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