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Der Orient · 1840-06-13 · Heft 24 (13.6.1840) · p. 188

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 24 (13.6.1840)
Article
Pesth: Stellung der Juden
Date
1840-06-13
Page
188 (sequence 2)
Language
German
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188 jüdische Handwerker wird nicht zu Ücc Ehre zünftiger Meisterschaft gelassen/ sondern erscheint blos patentirt oder concessi'omrt. Gleiche Einschränkungen erleidet der Handelsstand und während die Juden blos als eine Art Schutzverwandte erscheinen, ist ihnen die Erwerbung von Grundbesitz auf dem städtischen Weichbilde verboten. Doch gleicht sich diese Einschränkung einigermaßen wieder aus, dadurch, daß ihnen erlaubt ist, in jedem Stadttheile zu wohnen und indem sie de facto die Vergünstigungen genießen, deren sich cum jure jeder christliche Handwerker erfreut, findet sich auch wenig Anlaß zur Klage und was zu wünschen übrig bleibt, wird durch die Hoffnung auf Besserung in der nächsten Zukunft getragen. Die Schwesterstadt Ofen hat Pesth's Grundsätze sich vollkommen zu Eigen gemacht. Vom Grundbesitze, so wie von Gilden und Zünften ausgeschlossen, übt der Jude demohnerachtet durch Concesstonen, dem Auskunftsmittel der Neuzeit, altes Unrecht auszugleichen, Handwerk und Kunst und lebt zufrieden. Pesth, 15. April. (Forts.) Weit jünger im Entstehen, aber zahlreicher und der in ihr vereinigten einflußreichen Geld- und Komerzeskrafte, wie ihres löblichen energischen Vorschreitens halber in jedem Zweige zeitgemäßer Kultur bedeutender und wichtiger ist Pesth. Eine Gemeinde, deren regelrechte Organisation in jedem Bezüge communaler Anforderungen nach kaum ein Alter von zwei Dezennien zahlt, da deren frühere chaotische Existenz schwerlich in Betracht gezogen zu werden verdiente — und die zur Zeit, als die zahlreichste, bedeutendste und angesehenste im Königreiche Ungarn dasteht. Wenn in der früher besprochenen nur nach langem Kampf und mühevollen beharrlichem Streben blos in Hinsicht des Schulwesens, den Ansprüchen der Zeit genüge geleistet wurde; so bedurfte es hier nur eines auf- und anregenden „Werde" — und der milde Strahl der Aufklarungs sonne lockte allen eh alben die schönsten Keime hervor und — es ward und sie standen in voller Vlüthe da. — Ob der Grund dieser jähen durchgreifenden Entwickelung in ihrem hochbedeutenden komerziellen Standpunkte, der aus nahe und ferne alle bedeutenden Geldkräfte mit magischer Gewalt in ihr vereinigte und sie zu jedweder noch so großartigen Unternehmung nur um desto fähiger und geeigneter machte, wahrend der früher genannten, eben der Umstand kommerzieller Bedeutungslosigkeit so manche hilfreiche Geldmacht durch Uebersiedlung entzog; oder darin, daß hier zuerst auf Verbesserung des innern Gottesdienstes, geregeltem Synagogengesang und deutsche Predigt das Augenmerk gerichtet wurde, wahrend man dort mit der Errichtung einer Lehrschule sich begnügte, damit schon Alles gethan zu haben wähnte und dabei stehen blieb, zu suchen sei, wollen wir dahin gestellt sein lassen. (F. f.) Rußland. Suwalken, 22. Mai. Mein erster Bericht ist gleich ein literarischer, da unsere Zustande, ohne Anregung von Außen ganz in einem Stillstände stagniren. So eben wird der hebräische Prespectus eines hebr. Werkes verbreitet, das bereits sein Imprimatur der Censur in Warschau erhalten und in dieüm Augenblick dessen Druck gewiß begonnen hat. Das Werk führt den Titel Toldot Ha-Arez, und ist eine Naturgeschichte in neuhebräischer Sprache, die sich aber vor allen andern für deutsche Juden ganz unnützen derartigen Arbeiten nur darin unterscheidet, daß darin auf die Naturgeschichte der Bibel und des Talmuds beständig Rücksicht genommen wird, vorzüglich sind die Anmerkungen zum Aruch mit Bezugnahme auf die Landau'schen Bemerkungen höchst interessant. Der Verfasser heißt Josef Scheinhack, geboren in Litthaucn, der eine sehr gründliche Kenntniß der jüdischen Schriften in ihrem ganzen Umfange besitzt. Einige Proben in der größten Kürze werden dem Publikum einen Begriff von dieser Arbeit geben. Das Nomen rDJIK wird allgemein Hase erklärt und die Etymologie des Wortes geben die Exegeten, zuletzt auch Eesenius, als componirt aus Dj "" mIN der Blarterabpflücker, Abfresscr. Jeder Tiro weiß, aber, daß diese Bezeichnung zu allgemein ist, als daß sie eine specielle Gattung bezeichnen sollte, da doch alle Nagethiere dasselbe thun. Bei einer natürlicheren Etymologie scheint die Bezeichnung wahrer und specieller. Das Nomen DH heißt so wohl Rede als Lippe, und für die letztere Bedeutung bürgt die talmudische Bedeutung des Wortes (Ehulin 128, Gittin 56), wo es ausdrücklich die Oberlippe bezeichnet; die Form HD3 ist dasselbe. Wenn man Jes. 11, 8 im Auge hat, so weiß man, daß Id? Spaltung, Ritz bedeute, und so wäre dann rQjDK so viel als flD&Tl pHD, Oberlippe - Gespaltener, was den Hasen speziell bezeichnet. —■ Das biblische jDltf soll das listige, schlaue Thier, den Springbasen (nach Gesenius) bedeuten, der sich Baue in den Sand macht; aber das Schafan bewohnt die Felsen (Ps. 104, 18), und List ist bei ihm in der Bibel unbekannt. Der Aramaer schon übersetzte dieses Wort richtiger durch dieses ist der Pfeilspringer, der wirklich in Felsen seine Wohnung hat, und wirklich bedeutet etymologisch „der Springer^, von *}# (Chulin 54) oder (Sota 10), das ursprünglich diese Bedeutung hat, also ganz wie Tafsa. Am trefflichsten werden die talmudischen naturgtschichtlichen Artikel ducchgenommen, wo sich eine sehr starke Belesenheit in der ralmudischen und midrasch'schen Literatur zeigt. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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