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Der Orient · 1840-06-13 · Heft 24 (13.6.1840) · p. 187

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 24 (13.6.1840)
Article
Leipzig : literarische Mittheilungen [Nachricht]
Date
1840-06-13
Page
187 (sequence 2)
Language
German
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187 men werden sollen. Dieser gelehrte Rabbinatscandidat, der seine Befähigung zu solchen Arbeiten so glänzend schon bewiesen, verdient mehr als jeder andere, seines Standes die Unterstützung und die Theilnahme des gelehrten Publicums. Ungarn. Pesth (Schluß). Hier erblicken wirschon seit längerer Zeit einen Lebensstrom, den in Deutschland kaum die neueste, vielfach anregende Zeit hier und dort hervorquellen lassen konnte; hier erblicken wir die Juden in zahlreichen, wohlhabenden Gemeinden, als Fabrikanten, Künstler, Handwerker, denen den Beweis führend, welche noch hier und dort ihre Stimme erheben und uns glauben machen wollen, der Jude habe nur für den Schacher einen Sinn und sei für die bürgerliche Gestattung seines Lebens erstorben. Am herrlichsten und ausgebildetsten tritt uns dieses reinbürgerliche Leben in seiner vollen Freiheit in den reichen ausgedehnten Besitzungen des erlauchten Grafen Esterhazi in der Westprimer Gespannschaft entgegen. Die Herrschaft Papa, mit ihren ungefähr 5000 Juden führt uns dieselben nicht allein als Kaufleute vor, in deren Besitze wir die meisten Waarenhandlungen der Stadt antreffen, so daß nur eine Tuchhandlung davon ausgenommen erscheint, sondern auch die ersten Bedürfnisse gehen durch ihre Hände. Die Juden erscheinen als Brauerei- und Branntweinbrennereibesitzer, Inhaber der Fleischbänke, des Mehlhandels u. s. w. und betreiben in dieser Freiheit und bei dem allgemein geschenkten Zutrauen, oder vielmehr bei dem ungekannten Mißtrauen, ihre Geschäfte mit einer solchen Reellitat, daß der Grundherr es nie bereuen darf, ihnen diese Rechte eingeraumt zu haben. Eben so bedeutend, vielleicht noch von mehr Erfolg für die Solidität der ganzen Gemeinde ist der jüdische Handwerksstand in Papa, der in seiner Milte Gerber, Pseifenkopffabrikanten, Beschlager, Schneider, Bäcker, Seifensieder u. s. w. zählt, die sich, wie cs von der Betriebsamkeit der Juden erwartet werden darf, alle in ziemlichem Wohlstände befinden. Dazu tragt nun noch wesentlich die wahrhaft humane Erlaubniß bei, Grundstücke besitzen zu dürfen und wie stets eins aus dem andern folgt, so hat auch hier der Wohlstand der Gemeinde die Besorgniß eines gefährlichen Anwachsens derselben entfernt und ihr in dieser Hinsicht völlige Freiheit gegeben. Die an die Grundherrschast zu entrichtende Taxe reicht hin, den Fremdling einheimisch zu machen, und ihn in vollkommne Gewerbsfreiheit zu setzen, wenn anders der jüdische Gemeindeverband dies mit seinem Interesse vereinbar findet. — So ist denn Papa nicht allein für Ungarn und manche Schwesterherrschaft ein herrliches Vorbild geworden, sondern es steht da in der Geschichte als ein praktisch geführter, unumstößlicher und herrlicher Beweis, daß man dem Menschen nur vertrauen, daß man ihn nur aus den Fesseln erlösen darf, um ihn glücklich und nützlich zu machen. Diese großartige Erscheinung gehört aber keineswegs zu den Besonderheiten, sie ist durchaus nicht als vereinzelte Thatsache hinzustellen, obwohl nirgend eine andere Herrschaft oder Stadt die Größe dieses Beispiels kaum erreicht. Unter den übrigen nimmt Pceßburg nicht den letzten Platz ein. Die Burggrafen Palffy haben hier von jeher ein gar edles Beispiel gegeben und die Stadt selbst hat ihnen namentlich in neuerer Zeit auf das uneigennützigste nachgeeifert. Schon seit mehreren Jahrhunderten sind die genannten Grafen die Schutzherren der den Schloßgrund und dm Zuckermantel bewohnenden Judengemeinde gewesen, wo sie vollkommene Handels- und Gewerbsfreiheit genessen haben, so daß neben zahlreichen Kaufleuten, auch vielfache Handwerke sich gebildet haben, die ihr Gewerbe sogar zünftig betreiben; denn seit dem Juli 1837 wurde von Seiten der Stadt den jüdischen Handwerkern die Concession zur Erlangung des Meisterrechts ertheilt. Sichtbarlich hat sich das jüdische Gewerbsteben Preßburgs durch den dort seit 1820 blühenden Handwerksverein gehoben und wir finden unter den jüdischen Handwerksleuten der Stadt nicht allein Schneider, Schuhmacher u. dgl., sondern auch Zeug- und Waffenschmiede, Gold- und Silberarbeiter und ähnliche.' Es hat bei solcher Vergünstigung natürlich die jüdische Einwohnerzahl Preßburgs auch jährlich zugenommen, so daß man gegen 800 Familien daselbst zahlt, gegen welche die Behörden der Stadt eben so human sich äußern, wie der Burggraf. Eigentlich hatte Pceßburg nur das eine Unrecht gut zu machen, daß es einst den Juden angemuthet hatte, ein beschimpfendes Abzeichen zu tragen. Denn die darauf folgende Verbannung war durch königl. Machtgebot erfolgt und muß späterhin, vielleicht als Ungerechtigkeit, deren man sich schämte, wieder eingeschlafen sein; denn wir finden auch hier, wie in Papa zahlreiche Judenfamilien mit Befitzthum begabt und obwohl dieses Besitzthum noch auf einen gewissen Stadttheil beschränkt erscheint, so hat doch die königliche Milde unter dem December vorigen Jahres verordnet, daß noch drei andere zum Stadtgebiete gehörende Straßen von den Juden als Besitzthum erworben werden können. Einigermaßen anders gestalteten sich freilich die Verhältnisse in Pesth. Man sieht es, daß hier die städtischen Corporationen auf die Bedingungen des jüdischen Gesellschaftslebens wesentlich und überwiegend einwirkten. Pesth bat die zahlreichste Judengemeinde Ungarns, neben Brody und Prag die bedeutendste im Kaiserstaate. Man rechnet gegen 1500 Familien zu ihr. Auch hier übt zwar eine nicht unbedeutende Anzahl Juden Kunst und Handwerk. Wir finden Maurer, Schneider, Gold- und Silberarbeiter, Uhrmacher u. dergl. Allein die Zünfte der betreffenden Handwerker halten wenigstens zur Zeit noch steif und fest auf ihren alten hergebrachten Satzungen und der

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