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Der Orient · 1840-06-13 · Heft 24 (13.6.1840) · p. 186

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 24 (13.6.1840)
Article
Trier : die Notabeln und die Rabbinenwahl [Nachricht]
Date
1840-06-13
Page
186 (sequence 2)
Language
German
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186 auf den Candidaten Moses Heß gerichtet, allein bei näherer Besprechung zeigte sich eine mißgünstige Stimmung gegen denselben. Man zweifelt zwar keinesweges an dessen Fähigkeiten, auch ist man von dessen gutem Charakter überzeugt, und seine mit Ernst und Fleiß betriebenen klassischen Studien haben demselben von der Universität ebenso ehrenvolle Zeugnisse erworben als seine rabbinischen von der Jeschiba. Dennoch aber werden von Gegnern Einwendungen vorgebracht, ungeachtet dieses Alles zugegeben wird. Die Einwendungen sind aber ganz eigenthümlicher Art. Sein achrundsiebzig jähriger Vmer und sein siebzigjähriger Schwiegervater nämlich wohnen beide in Trier, von denen der erstere allgemein nicht beliebt ist, der zweite aber gehaßt und beneidet wird. Diesen kann man es nicht gönnen, daß ihr Sohn die Stelle erlangen soll. Das Sonderbare bei der Sache ist aber, daß man keinen Anstand nimmt, es offen zu gestehen. Und so ist zu erwarten, daß wir durch einen Anti - Nepotismus den rechten Seelenhirten nicht bekommen. Indessen geben wir diese Hoffnung noch nicht aus; wir haben vielmehr noch immer das Vertrauen zu unsern werthen Vorstehern und Notabeln, daß sie dem Neide und der Leidenschaft nicht ihre Zustimmung geben und solche Iuflüsterungen gehörig zu würdigen wissen werden. Denn ist der Nepotismus schon höchst verwerflich, dessen Folgen wir schon empfunden, so ist der Anti-Nepotismus sogar abscheulich. — Sobald die Akten geschlossen sein werden, will ich Ihnen mehreres mittheilen. München, 20. Mai. Ich sende Ihnen folgendes Ministerialreskript, die Befugniß der Rabbinen betreffend. Nach höchster Entschließung des königlichm Ministeriums d. I. vom 25. Januar l. I. steht den Distrikts-Rabbinern die Befugniß, Synagogenvorsteher in den Filial-Synagogen aufzustellen, nicht zu, da der §. 30 des Edikts vom 10. Juni 1813 über die Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen eine solche Berechtigung in ihren dort begrenzten Wirkungskreis nicht legt. Vielmehr sind diese Vorsteher an den Filial-Synagogen, welchen dann die Aufrechthaltung der kirchlichen Disciplin zunächst zufteht, in analoger Anwendung der Bestimmungen von h. 25. Abh. 2. und des §. 26. des angeführten Edikts vom 10. Juni 1813 von den betreffenden Cultusgemeinden zu wählen, und diese Wahl ist der Distriktspolizeibehörde zur Bestätigung vorzulegen, welche jedoch vor der Beschlußfassung das Gutachten des Distrikts-Rabbiners einzuholen har. Leipzig, Juni. Von Dr. Delitzsch wird gleich nach dem Secularsest der Typographie die berühmte karäische Religionsphilosophie EzEhajim, mit reichlichen Beiträgen aller Art ausgestattet, fertig sein. Eine genaue detaillirte Inhaltsangabe, die sich hier auf der Universitätsbibliothek von einem Karäer verfaßt in einem eigenen Werkchen fand, und eine detailirte Beschreibung der arabischen philosophischen Sekten, die bei Ahron ben Elia erwähnt werden, sollten die Ausgabe vorzüglich zieren. — Nach einem Schreiben aus Warschau erscheint dort unter dem polnischen Titel Kwiaty Wschadnie, d. i. Blumen des Orients, eine Sammlung von moralischen Sprüchen und Erzählungen aus der lalmudischen Literatur, von A. Büchner. Das ganze Unternehmen ist nur den Arbeiten von H u r w i tz, Weil und Gün §- burg nachgeahmt, und selbst der Titel ist nur dem „Geiste des Orients" von Dr. Günsburg, ein Werkchen, worin sich auf jeder Seite ein wissenschaftlicher und ästhetischer Sinn bekundet, nachgebildet. Der Nutzen dieser Blüthen des .Ostens wird daher wahrscheinlich nur ein praktischer sein. — Es ist gewiß, daß solche Uebersetzungen eine gute rabbinische Blumenlese, die Dr. Salomo n versprochen, nicht entbehrlich machen, namentlich eine, die wie die jüngst angezeigte Zedner'sche ausfallen soll. Unter allen slavischen Juden scheint sich die Selbstständigkeit allmälig zu verlieren, und nur bei den littauischen finden wir zuweilen noch etwas Originales. Dieses siebt man an der Begeisterung für eine deutsche Predigt (nicht polnische oder russische), an der Germanisirung der höher» Klassen. Die sogenannte Rabbinenschule, an deren Gründung sich so viele Hoffnungen knüpften, ist ganz und gar zu einer gewöhnlichen Realschule herabgesunken und ist auf die Bildung der Warschauer jüdischen Jugend ganz einflußlos. Vorzüglich aber liefern die neuhebräischen Erscheinungen der slavischen Juden den trefflichsten Beleg, daß die jüdische Cultur daselbst mehr eine Nachäfferei des jüdisch-deutschen Wesens sei, als dem Boden der acht jüdischen Cultur entsprossen. Denn gewöhnlich sind es bereits in Deutschland verschollene Bildungswerke, die dort erst in ihren Nachbildungen die Auferstehung feiern. So -z, B. sind die Dichtungen NachalDima ah und GibatSchäulvon Hirsch Katzenellenbogen in Wilna, die Schriften Lewinso h n s in Krzeminiec, als T 6 u d e b e - I i s r a e l (Wilna, 1837), Bet Jehuda (das. 1840) aus Nachbildungen der Arbeiten der Meassim entstanden, obgleich sie für das praktische Leben daselbst wohl sehr nützlich sein mögen. — Wie man aus Berlin berichtet, will der Rabbine in Proßnitz, Herr Fasset, wieder eine Entgegnung zu Hirsch's Postscripta herausgeben z bei aller Achtung, die wir persönlich diesem Rabbinen gern zollen, wäre es ihm zu wünschen, daß er bei dieser Schrift weniger durch einen widerlich-witzelnden Vorredner, der seine Briefe entstellt zu haben scheint, die Abneigung des Publikums auf sich laden möge. — Von Dr. G. H. Lippmann in Fulda erwarten wir eine Gesammtausgabe der sammtlichen kleinen Schriften Jbn-Esra's, nämlich ein kritisch hergestellter Text mit einem klaren, faßlichem hebräischen Commentar, worin die schon Herausgegebenen, wie Zachot (Fürth, 1837), H-a-Schem (das. 1834), Safa Berura (das. 1839) wieder aufgenom--

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