Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 23 (6.6.1840)
- Article
- Marpe Leschon Arami, aramäische Grammatik ... [Rezension]
- Date
- 1840-06-06
- Page
- 365 (sequence 2)
- Language
- German
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Blücher's aramäische Grammatik, angezeigt und besprochen. 366 365 zu strahlen und und ihre wärmende Gluth zu spenden, dann freuet Alles sich des Festes der Verjüngung, und kein auch noch so ferner längst erstorbener Nebenzweig bleibt vom Segens- und Heilesrufe der allgemeinen Auferstehung ausgeschlossen. Da belebt sich aUtö durch den erquickenden warmen Lhau des Eifers und der Theilnahme, schlürft aus dem Gnadenkelche der Verjüngung und Erfrischung, treibt Blätter und Reiser, Knospen und Blüthen und markige Früchte, und keimt und blüht und reift und gedeiht in munter prangendem freundlich lächelndem Lebenskolorit seiner Vollendung entgegen. Auch die aramaische Schwestersprache der hebräischen, die frappant ähnliche Familienzüge unverkennbar an sich trägt und das beinahe älteste und erste fremdidiomische Organ (wir meinen die Targunüm) ist, dessen sich das m ihr abgefaßte Buch aller Bücher bediente, erfreuet sich im allgemeinen eines regsamen Aufschwunges, den in der Neuzeit Bibel- und orientalisches Sprachstudium genommen, einer regen Aufmerksamkeit und beachtungswerthen wissenschaftlichen Forschung. Der Hahnruf der Regeneration, der ihrer ältern Schwester das lichte Morgengrauen eines freundlich jungen Tages verkündet, hat auch sie aus ihrer dämmerigen nebelhaften Verpuppung gezogen, den Sargcsriegel ihrer Umnachtung erbrochen, der todeserstarrten, vernachläßigten und vergessenen neues Leben ekngehaucht und mit flötendem Nachtigallengruße des Frühlings sie erweckt. Denker und Forscher finden es der Mühe werth, auch ihre Plantagen in Augenschein zu nehmen, die vom Staube und Nagezahne der Zeit zerfressenen, gebeugten und zerknickten Blumenhäupter ihrer eigenthümlichen Poesien emporzurichten und in die Katakombengänge ihrer Etymologie zu dringen, um die vom Roste einer langjährigen Unbeachtung belegten Schätze ihrer grammatischen Organisation aus den Fundgruben ihrer schriftlichen Reste hervorzuholen, zu glätten, einer vollständigen regelrechten Politur zuzuführen und ihnen der Stempel einer Stabilität und Sanction aufzudrücken. Der selige I. Jeittelcs in seinem Mebo Leschon Aramit, wie in seinem großen noch ungedruckten, doch bereits bekannten und von uns gesehenen Torat Leschon Kaßdim und der Dr. I. Fürst, in seinem „Lehrgebäude der aramäischen Idiome", oder „Formenlehre der chaldäischen Grammatik (deren Namen und treffliche Leistungen Herr Blücher mit unverzeihlicher Unbeachtung und wahrhaft rügeverdienender Nonchalance kaum der Erwähnung werth gefunden zu haben scheint; und das die Aufmerksamkeit der Kritik um so-mehr auf sich zieht, je minder sie cs mit der Bekämpfung des inner» Werthcs der schonen Ardeit des wackern Herrn Blüchers es zu thun hat) — waren die ersten, die das grammatische Feld der aramäischen Sprache der Urbarmachung werth fanden, und mit sorglicher Mühe und dankbarem anerkennungswürdigen Fleiße es bebauten. Der, unbegreiflicher Weise seine thatigcn Vorgänger gänzlich ignorirende, übrigens wackere Herr Verfasser, dem wir zur Steuer der Wahrheit und Gerechrigkeitsliebe diesen Fehlschuß einmal nicht verzeihen können, führt uns in einer ganz im wissenschaftlichen Sinne der Neuzeit geordneten und organisirten Grammatik, die aramaische Sprache au^s Neue, und zwar, vielleicht um sich eines frcundlichern Willkommens zu vergewissern, im Gewände ihrer ältern Schwester, der hebräischen, vor. Ob dies nicht zu früh ist, da wo diese Schwester sich in der allgemeinen Gunst noch kaum zu emanzipiren begonnen, schon eine andere mit ihrer Entreekarte in das Publikum einzuführen; ob es ratblich, einen Schatz, der kaum der Dunkelheit entrissen und enthoben, wieder in die Dunkelheit zu placiren; und ob es überhaupt nicht vortheilhaster und dankbarer für den geistigen und pekuniären Debüt dieser schönen Arbeit gewesen wäre, wenn der fleißige Hr. Verfasser die gehaltreichen Resultate seiner Anstrengung und Mühe aus dem Prasentirteller der deutschen Sprache der Ocffentlichkeit dargeboten hatte? — wollen wir dahingestellt sein lassen, die Folge und der Erfolg mag es beweisen und beantworten. — W i r nehmen es wie es gegeben und wie es uns vorliegt, und das gewiß sehr dankbar, im Namen der Literatur und Wissenschaft, und individuell betrachtet, ist uns das Wort der hebräischen Sprache gewiß ein freundliches und willkommenes. Herr Blücher hat in seiner trefflichen Arbeit einen reichen Schatz seines mühevollen Fleißes und seiner unermüdeten linguistischen Studien in einer fließenden, erquicklichen und gediegenen Sprache uns geboten. In geordneter, regelrechter und wissenschaftlicher Haltung, in logischer Richtung führt er uns vom Alpha des Geschichtlichen seines Gegenstandes bis zum Omega der Syntax. Wie sein in der Taktik berühmter Namensbruder, laßt er die subordinationsgewohnre Soldateska seiner Regeltruppen vorbeidesiliren und die Revue passiren, mit leicht faßlicher und dennoch eindringlicher Sprache, die Kanäle der aramäischen Literatur öffnend und das Herz und die Aufmerkmerksamkeit seines wißbegierigen Lesers erobernd. Nachdem er es nicht vergessen, sein scharfsüchtig spionkrendes Spähcrauge mit wissenschaftlicher Sachkenntnis; nach allen Parallelen semitischer Liguistic auszusenden, dessen Ausbeute immer die schönsten Früchte reflektkrendcr Anwendung liefert und seinem Forschergeiste nur Ehre machen. Uebec Einzelheiten uns ouszusprechen, gestattet uns der Raum dieser Blätter nicht. Und indem wir unsere volle Zufriedenheit über das gelungene Ganze hiermit aussprechen, scheiden wir mit dem herzlichsten Wunsche von dem wackern Verfasser, daß sein Fleiß und seine Arbeit allenthalben Anklang, Theilnahme und Würdigung im Publikum finden möge und er des Lohnes seiner Thatigkeit nach Verdienst in jeder Hinsicht sich erfreue. St.