Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-06-06 · 23 (6.6.1840) · p. 359

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
23 (6.6.1840)
Article
Erwiederung auf Dr. Geigers Bemerkung im Literaturblatt des Orients Nr. 16
Date
1840-06-06
Page
359 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8555529-9891396-9891435-2362696--0468-2362726
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

359 Dr. Carmoly's Rechtfertigung gegen Dr. Geiger. 360 den, um nur zu kritisiren"; und düsen herrlichen Spruch möchte ich Willens sein, auch gegen £>t\ Geiger in Zukunft anzuwenden. Mit Vergnügen giebt man Rechenschaft den Forschern, aber nur mit Unmuth dem nimmer satten Tadler, dem'unredlichen Forscher, der vor lauter Zweifel sich kaum zu glauben getraut. Vor fünf Jahren hat Herr Dr. Geiger in meinem Buche -ie Bemerkung gefunden, daß ich in Mainz in dem Hause des seel. Herz Scheyer das *1DD von Jbn - Esra gefthen; dieses Werkchen ist allbekannt, Ibn-Esra selbst gedenket desselben, und in vielen Bibliotheken, unter andern auch in der de-Rossi'schen, liegt es noch jetzt handschriftlich. Ich gedachte dieses Merkchens, gab genau die Zahl seiner Pforten oder Abschnitte an, und beschrieb gewissenhaft den Inhalt derselben. Herr Dr. Geiger glaubte damals nur an Wiesbaden; er schrieb in seiner Zeitschrift (l. Z, 18): „Wenn er (Ibn-Esra) wirklich ein Sefer ha-Mispar geschrieben, wie de-Rossi ausdrücklich angibt, und welches gesehen zu haben Carmoly in ToldoL Geone Iisrael unter seinem Namen behauptet, der auch da viele Abschnitte aufzählt u. s. w." (Vgl. Melo Chosnajim S. 86). Dr. Geiger war damals in Wiesbaden, also nicht sonderlich weit von Mainz; er hatte als Skeptiker die paar Stunden Hinreisen sollen, um mit eigenen Augen die Handschrift einzusehen; dennoch aber zog er es lieber vor, mich zu verdächtigen, als von der Wahrheit sich zu überzeugen und wie könnte ich es jetzt von ihm verlangen, er sollte die kritische Reise von Breslau nach Mainz machen, um weniger zu zweifeln? Er kann es aber auch von mir nicht verlangen, daß ich blos dazu nach Breslau reisen soll, um ihm das Epitaph zu zeigen, das da beginnt ’DJ/D und für den Namen TNJD ist. Und so, wie es im Orient abg ed ruckt ist, lautet das Epitaph in Wahrheit auf Meir Carmoly, das ist die reine unverfälschte Wahrheit; ich habe nichts geändert, ich habe nichts verwechselt, es ist buchstäblich wahr. Und findet sich dieses Gedicht mit unbedeutenden Abänderungen in einem uralten Buche, so wird ein wahrer Gelehrter nnr die allbekannte Annahme bestätigt finden, daß die Epitaph - Schreiber sehr häufig ihren Stoff sammt der Form aus uralten Werken zu entlehnen pflegen. In meinem Berichte heißt es nicht: „Dieses Epitaph ist auf Meir Carmoly verfaßt worden", sondern daß dieses von einem Schreiber eingegraben ist, wie es mit den übrigen Eingrabungen der Fall ist, die so gefunden werden. Ein zweifelnder unredlicher Gelehrter könnte aber so gut, bei Erwähnung des Epitaph's über I a c o b M e l a m m e d, (der als Arzt um 1540 blühete und zu der Familie Melammed, aus der die Gelehrten Schem-Lhob, Meir Binjamin, Abraham u. s. w. hervorgegangen, das Stammhaupt war) dasselbe sagen, es finde sich in einem früher» Buche; ebenso von Salomo Kasia (der 1550 gestorben), da dergleichen Entlehnungen von Epitaphschreibern schon häufig vorgekommen» Es ging mir so mit dem bekannten Gedichte 1*6? VIS das ich in meinem Werkchen als von Jbn - Esra herrührend erwähnte, indem ich mich auf dessen Erwähnung in gedruckten Schriften verließ. Ich finde es aber nun dem Ichuda Alcharisi zngcschricben in meinem handschriftlichen Lachkemoni und auch in dem auf der königlichen Bibliothek zu Paris. Und wahrlich jeder Gelehrte hat unwillkürlich schon einmal diese Täuschung empfunden, denn er kann unmöglich alle Werke gelesen haben, noch weniger kann er immer genau den Inhalt des Gelesenen wiedergeben, oder gar das Wahre von dem Unwahren sichten und scheiden. Herr Dr. Geiger kann in dieser Beziehung in seiner eigenen Person einen Beleg finden, er hat aus Mangel einer umfangreichen Kenntniß der Literatur in biographischen Notizen ungemein viel geirrt. So z. B. in der Angabe des Todesjahres von Josef del Medigo; denn hätte er die rvit# des ElcserFlckeles gele, sen (Prag, 1809), so würde er bestimmt geschrieben haben, daß Medigo am Sabbat , den ersten Tag des Laubcnfestes, im Jahre ",&n gestorben sei. Eben so ist der Ausspruch in Melo Chosnajim, daß vom Jahre 1648 bis 1788 Niemand des del Medigo gedacht, nun aus Unkenntniß in dieser Bestimmtheit hingestellt; Mose Sakuto schrieb im Jahre 1677 (Igrot von Mose Sakuto, jchn rVTttN/ S. 42 a) an del Medigo's Schüler Samuel Ben Jehuda: *"Qn bv vd ♦ nBSjn iv tos ratsw nm ton sdd ninna * ’n'ßbvx udd " n^jonn misyn '»n * mxEo iwi nya nnm n&nnn wd1? nnn tijj on o - wnd -iW" tin sbi ' bi roo njnD p'wND» ND pn * bi WJN Nffi n:isnn norm. Dreißig Jahre spater (1707) ließ der gelehrte Arzt Tobija Koben in Venedig sein treffliches Werk NOD drucken und rühmlich erwähnt er darin unsers del Medigo und seiner Werke. Es heißt daselbst unter anderem: 1$) 1ND1 2NN DN“D D^N nSD31 7WJ pNi ins*! dn )w vnnN ndd’ b nnj? Y01DUD mni> ND1 Nb’ lob. Also hat Herr Dr. Geiger schon zwei Gelehrte zwischen 1648 — 1788, die del Medigo's gedenken; außerdem gedenket seiner der Verfasse» des Siste Ieschenim (1680), des Seder ha-Dorot (1710), des Schem Ha-Gedolim (1786) die seine Schriften aufzahlen, eben so Rabbi Jacob Baruch im Werk pi£>i”)n und noch Andere. Herr Dr. Geiger würde es selbst glauben, daß man fast ein großes Werk über die Fehler in seinem Melo Chosnajim schreiben kann, wollte man durchaus ein Vergnügen an den Fehlern Anderer finden, und doch achte ich den Werth dieses Büchlein sehr hoch; ich schätze den Herrn Dr» Geiger als einen unserer tüchtigen Gelehrten und strebsamen Geistern. Möge Hr. Dr. Geiger mit der Gelehrsamkeit auch die Sitte der Gelehrten annehmen , nur in einem wissenschaftlichen Tone, ohne Beleidigung und ohne Stachel zu polemisiren.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.