Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 23 (6.6.1840)
- Article
- Die Biuristen
- Date
- 1840-06-06
- Page
- 353 (sequence 1)
- Language
- German
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Literaturblatt -es Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. M 33. Leipzig, den 6. Juni 184«. Die Biuriften, eine Charakteristik derselben. — Literarische Analekten. Das Buch Kohelet von S. H. Auerbach, beurtheilt. — Skizzen zu einer Literaturg.eschicbte des 18. und 19. Iahrl).. v. Dr. Carmoly. — Sefer Metibot von S. M. — Erwiederung auf Geigers Bemerkung von Dr. Carmoly. -— Zerstreute Notizen üb. jüd.r arabische Literatur. — Das Buch Migdanot Elazar. — Literarische Uebersrchten. Marpe Leschon Arami von Blücher, beurtheilt. — Literarische Ankündigungen. — D i e Nir; rist e n Andeutungen zu einer Charakteristik derselben. (Fortsetzung.) So geschieht es, daß bei der eigenwilligsten Deutung des Biuriften dennoch in seinen' Worten zugleich Gift und Gegengift enthalten ist. Die alte vorurtheilsfreie, nicht gegen das Christenthum gerichtete Interpretation ist fast stets ein bestätigendes Zeugniß gegen die voreingenommene rationalistische Berdeutelung. Eine sprachkundige Exegese, welche die alte Tradition berücksichtigt, arbeitet fast immer einer rechtgläubigen Bibelerkläcung in die Hände. Wie schon ein Beispiel zur Bestätigung dieses Erfahrungssatzes an R o se n m ü! l e r, der eben deshalb die Unzufriedenheit der Rationalisten erregt hat, daß er bei der Interpretation auch die synagogale und patristische Tradition befragte und so von der unhistorischen Mißdeutung der gewichtigen Stellen und der loca classica, z. 35. Job 19 von der Auferstehung, bewahrt blieb. Wie gehässig belächelt ihn Ewald, daß er das Lied der Lieder als ein allegorisches Gemälde der heiligen Liebe zwischen Gott und seinem Volke ausfaßte! Ein zweiter Vorzug der Biurim ist die pracise Kürze, mit'welcher der innere Zusammenhang der Kapitel und Verse, die Deutung einzelner Wörter und die divergirenden Ansichten über dieselben dargelegt werden. Diese Kürze wird durch die nüancirte Durchbildung der neuhebraischen Sprache erleichtert. Ohne von der Schönheit und dem Reichthum dieser Sprache geblendet zu sein, bekenne ich, daß ich, die arabische ausgenommen, keine kenne, die zum Ausdruck aller Facher der Wissenschaft geeigneter sei, als die neuhebräische. In neuerer Zeit hat Arnheim in seinem Commentar zum Job einen Versuch gemacht, die Vorzüge der Biurim von dem Gebiete der hebräischen Sprache auf das der deutschen überzupflanzen. Er hat diesen Commentar, der durch Relation der traditionalen Deutungen und durch ingeniöse Neuversuche sich auszeichnet, Ewald gewidmet, der in seinem eignen Commentar zu Job nicht einmal des Arnheim sichen erwähnt, sondern, den Boden geschichtlicher Erfahrung verlassend, von eignen Flügeln getragen hoch in den Lüften schwebt. (Fortsetzung folgt.) Literarische Arralekterr. I. tann omm msc qj? nbnp nzo Das Buch Kohelet, neu übersetzt mit einem hebräischen Commentar. Breslau 1837. 8. Der Kohelet ist ein einseitliches Ganze, das zum Mittel- und Endpunkte die Feststellung einer sichern und ausreichenden Lebensphilosophie hat. Die rechtgläubige und glaubensanaloge Schriftauslcgung der Synagoge gilt dem Verf. für eine zeitgeistige ebenso vom eigentlichen Texte unterschiedene Erscheinung, als die ganze rabbmische Halacha. Die Exegese kehrt jetzt bei der freieren Ausschaltung in der geistigen Welt zu den Offenbarungsschristen als der Urquelle alles religiösen Wissens zurück, um vorurtheilsfreier und unmittelbarer zu schöpfen. 2hr Princip drückt der Verfasser zugleich als sein eignes, mit folgenden Worten aus:-Wenn wir das Buch.der Bücher rein mens (!) I i ch mit dein von Gott verliehenen, natürlichen Verstand auffassen, so wird es unser Herz befriedigen und uns m a n ch e weise Lehre aus sich schöpfen lassen." Die parallele zwischen David und Salomo wird auf eine solche Weise gezogen, daß der Kohelet nur als die natürliche Frucht eines in verweichlichter Hr'naebuna pbilosophirenden Königs erscheint. 23