Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1840)
- Article
- Arad: Vertheidigung des Herrn Skreinka
- Date
- 1840-05-16
- Page
- 153 (sequence 2)
- Language
- German
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153 muß die Umstände kennen. Somit glaube ich die Sachlage so weit erörtert zu haben, daß ich, auch bei möglicher Fortsetzung des Angriffes in gleichem Tone der weiteren Verfolgung dieses eben so lästigen als niedrigen Gegenstandes überhoben sein kann. Der floskelnden Entweihung aber, womit der Beleidiger den rührenderhabenen Ausspruch unseres heiligen Lehrers zum Schlußstein einer beabsichtigten Jnvective mißbraucht, habe ich nur dessen Ausruf in trüber Epoche entgegen zu setzen: linn jntt pK; und diesen in der ganzen Düsterheit, mit der ihn der Midrasch, leider! mit allzugroßer Wahrheit deutet. L. Skreinka. Pr'eHburg. Ich bin so frei, Ihnen die Verhandlungen des ungarischen Reichstages bei der Magnatenrafel in folgender Reihenfolge mitzutheilen. — Am 31. Marz Reichssitzung der hohen Magnaten. Präsidium: Sr. Exzellenz der ^uciex euriae Maylath. Tagesordnung: 1. Sind die Renuncien der hohen Magnaten über die pesth-ofner Brücke, wegen die Unitarier und in Urbario antenticirt und ohne Einrede bestätigt worden. — 2. Wurde das Stande-Nuncium über die Emancipation der Israeliten zur Berathung genommen; worüber Graf Zay erklärt: die Gesetzgebung von Ungarn kann sich im lausenden 19. Jahrhundert mit keiner schönern Aufgabe befassen, als wenn sie jene Volksklasse aus ihrer elenden Lage heraushebt, welche, so wie ganz isolirt und von der menschlichen Gesellschaft beraubt, sogar von den natürlichen Rechten, in den Fesseln der Sklaverei nach vielen Leiden einer schönern Zukunft^ entgegenseufzt! Es ist nicht nur unsere Pflicht, das Stande-Nuncium in seiner ganzen Beschaffenheit zu unterstützen, sondern die größte Dankbarkeit verdienen die Stände, daß sie den Gegenstand ganz so erschöpft haben, damit ihn die Nächstenliebe und Gerechtigkeit in die Arme schließen kann. Ec bittet demnach die hohe Tafel, sie möchte, ohne Zaudern und Bedenken, da hierzu gar kein Grund unter dem Himmel vorhanden sein kann, die Verbesserung der Lage der Israeliten ganz nach dem Inhalte des Nuncium befördern. Bischof B. Barkoizch: Wenn es Jemand ist, so rechne ich mich auch offenbar unter alle Jene, die das vorliegende Stande-Nuncium unterstützen; denn es ist selbst unsere christliche Pflicht, unfern Nächsten, wo es nur möglich ist, zu helfen, die Würde der diessallsigen christlichen beschränkt sich auf keine Klasse, auf keine Religion. Selbst Heiden bekehren wir nicht darum, damit wir sie zu Sklaven machen, sondern daß sie uns gleiche Menschen werden sotten. Die Judenschaft, ganz, aus der übrigen menschlichen Gesellschaft verstoßen, hat wirklich schon sogar dafür über die Maßen gelitten, daß sie die Lehre Christi verspottend den Heiland zum Tode verurtheilte. Indessen mag es ihre traurige Lage einerseits was immer für ein Mitleid erwecken, so muß man andererseits nicht aus der Acht lassen, daß die Civilisation der Judenschast meistens daran Schuld sei, daß dieselbe auf dem Punkte steht, wo man sich wirklich ernsthaft befragen muß, ob es denn rathsam sei, die Judenschast jetzt auf einmal, wie mit einem Schlage auf den Standpunkt zu heben, welchen die löbl. Stände beantragen. Es ist allerdings bei diesem Volke auch das Fortschreiten erforderlich, und daß es aus seiner drückenden Lage herausgehoben werde, für jeden Fall rathsam z für jetzt indessen dürfte es dabei bleiben, daß die Juden von der Toleranz-Taxe befreit werden sollen und es gesetzlich entschieden werde,'daß sie Häuser und Gründe kaufen, in die odentlichen Zünfte ausgenommen und die Professionen frei ausüben dürfen sollen. Die weitern Conceffionen hingegen, dürfen noch einstweilen von diesem Landtage unterbleiben, und könnten mittlerweile nach der Regnicolae-Deputation Operat von 1790 bearbeitet werden; und in diesem Sinne könnten die Stände aufgefordert werden, mit dem specisischen Bemerken, daß, wenn die Judenschast außer diesem durch mich vorangeführtm mit noch irgend einigen Conceffionen zu beschränken wäre, so möchten die Stände solche Coneessionen im Einzelnen vorlegen. Meinerseits geve ich die heilige Versicherung, daß ich die im Stande-Nuncio enthaltenen Principien ganz zu einem Eigenthume rechne, und zu Allem beirrcten werde, was nach der Pflicht der Nächstenliebe und von meiner Stellung gefordert werden kann. — Graf Moritz Almasy wünscht die Stände dahin auszusordern, damit sie die Concessionen, welche den Juden zu ertheilen sind, im Sinne des Operates von 1790 noch unter diesem Landtage hierher bestellen möchten. — Graf Alexander Erdödy: Wenn vom Vorwärtsschreiten die Rede ist, ohne jemals von den systematischen Operaten etwas zu hören und die das Vorwartsschreiten fördernden Gegenstände dahin zu weisen, hieß ebensoviel, als solche aä Gu aecas calendas (an die Ewigkeit) zu verbannen. Ich schätze die Ansichten des Herrn Bischofs sehr hoch, und nur dort kann ich ihm die Hand nicht reichen, wo er die Anmerkung macht, daß die Civilisation der Juden jetzt noch für alle die Concessionen nicht empfänglich seien, mit welchen sie noch dem Stände-Nuncium beschenkt werden sollen; das ist wahrhaftig ein falsches Vorurtheil. Aber wenn es auch noch bei den Juden zu bedenken geben möchte, daß ein Schatten der mangelhaften Civilisation sie bedecken würde, ist denn nicht eben ihre bedrängte Lage Ursache davon? Seit Jahrhunderten leben sie unter der größten Bedrückung und müssen sogar für die Lust, die sie in unftrm Vaterlande genießen, Abgabe entrichten; kann es denn also ein Wunder sein, daß sie hier und da in der Cultur Zurückbleiben? Es sind aber Vorurtheile, daß die Juden in der Cultur zurückgeblieben sein, obschon dies auch ohne ihr Verschulden geschehen wäre. Da sie nur allein auf den Handel beschränkt sind, so üben sie sich darin auch viel besser aus, als die Christen, und dann heißt es, daß sie im Handel die Christen be-