Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1840)
- Article
- Paris : A. Crehange gegen Zarfati ... [Nachricht]
- Date
- 1840-05-16
- Page
- 151 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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151 Herrn Zarfach und in allen diesen Beziehungen hat Herr Crehange vollkommen recht; wenn er aber die Personen/ die zu Reformen anregen, verspottet, wenn er verächtlich auf alle diejenigen Herabsicht, die mit gewaltiger Rede den Fortschritt wecken, so wird es gewiß Niemand billigen. I i st ach zu seiner Zeit ist das, was Samuel in seiner Zeit war, das ist ein sehr wahrer Spruch der Talmudisten, und unsere jetzigen Progressisten, welche das Judenthum philosophisch zu bearbeiten streben, stehen daher eben so hoch als die des 12. Jahrhunderts. Die andern vier Briefe sind herbe und bittere Angriffe gegen Iarfati, die zwar der Glaubenseifec eingegeben, aber der Schriftsteller und die Moral durchaus nicht billigen kann. Zuerst werden Zarfati's Gedanken über die modernen Pharisäer durchgenommen und gegeißelt, dann wird die Maßregel des sel. Mosche Sofer gegen die Anklage Zarfati's vertheidigt, in der bekannten Verfolgung eines ungarischen Rabbiners, und endlich Z.'s vorgebliches Märtyrthum und seine Vorschläge zur Errichtung eines Mendelssohn-Monuments kritisirr und bitter verspottet. Möge Zacfati, wenn er in der Bibliothek v. Aquino's verweilt, an diesen stillen Forscher denken, der vor 600 Jahren sich lieber isoliren, als in die Bewegung jener Zeit sich stürzen wollte; man kann auch durch stille Thaten ein Heiliger werden. Möge aber auch Herr Erehange in dem glühenden Eifer für den Glauben der Väter das noch ältere Gebot der Liebe nicht verschmähen. Deutschland. CI4, 28. April. Der hirtenlofe und verlassene Zustand unserer Gemeinde bietet den unerfreulichsten Anblick dar; schon bei Lebzeiten des Rabbiners war die Gemeinde in vieler Beziehung verwaist, um so mehr jetzt, wo gar kein Führer ist. Der Mangel an Fortschritt, an Thatt'gkeit und Energie war immer ein charakteristischer Zug des Rabbinenconsistoriums in Rheinpreußen; diese Klage hören wir von allen Seiten, und es wäre endlich an der Zeit, bei neuen Rabbinenwahlen mit klarer Einsicht auf eine wiffenschastliche Befähigung zu sehen.. Freilich ist ein Theil der Gemeinde für den reinen, unmodificirten Talmudismus, aber hoffentlich wird man der aufstrebenden Neuzeit die Eoncession machen, einen Rabbinats-Candidaten des 19. Jahrhunderts zu wählen, und an Talenten der Art fehlt es gewiß auch in der Heimat!)" nicht, wie wir es schon'bei den Leichenreden auf den Hingeschiedenen gesehen habend) Nur *) Dem Redakteur des Orients ist der wissenschaftlichgebildete Moses Hess bekannt, der klassische Studien mit einer gründlichen Kennttüß des Hebräischen und Talmudischen verbindet, und der gewiß ein tüchtiger Nabdine zu werden verspricht. Eine ausführliche Kritik des Zunz'sehen Bibelwerkes von diesem jungen Gelehrten werde. ich nächstens in diesen Blättern mittheilen. Red. ein modernes wissenschaftliches Rabbinenwesen kann hier, wie überall, manche Mißstände und mittelalterliche Einrichtungen verbannen, die gerade in unserer Provinz noch sehr häufig sind; ein gebildeter Rabbme wird hier anstatt zweimal im Jahre allsabbatlich predigen und anstatt der Ausstellung der Ehrlichkeitspatente lieber an die. Oeffentlichkeit appelliren. Trotz der grenzenlosen Trägheit der Masse beherrscht doch ein tiefer Unwille die Gemüther, wenn durch Umtriebe die Wahl aus einen obskuren Talmudisten fallen sollte, so wenig die Gemeinden auch die Unwissenheit und die Unreife adoptiren will, und allmalig sehen wir selbst die Masse von den Täuschungen zurückkommen. So protestirte man in Würzburg gegen die Wahl, die auf Bamberger siel, in Marksteft gegen Thalheimer. Eine wahrhaft jüdisch-theologische Bildung, tüchtig und fest in Exegese, jüdische Geschichte und Literatur, Ist die allgemeine Forderung, zu der sich allmalig sogar schon der Mann aus dem Volke erhebt. Dresden, 10. Mai. Freitag Nachmittag um fünf Uhr, wurde die neuerbaute Synagoge der israelitischen Gemeinde hier eingeweihet, und ein Zustörmen von Fremden aus Leipzig und andern benachbarten /Orten bekundeten die Theilnahme, welche diese erhebende Feier gefunden. Der Oberrabbmer Dr. Frankel hat endlich die Einheit der Gemeinde durch diese Synagoge, die Erhebung der Juden in Sachsen durch Regulirung der Schulen, mit Energie und Ausdauer vollendet, wozu die Einweihungsseier den Schlußstein bildet. Die Ordnung der Feier war würdig und eigenthümlich und des Lobes der dabei anwesenden Minister und Behörden werth. Die einleitende Musik eröffnete die Feier mit dem bekannten Ma-Thobu, in welchem Choc und Vorderer Vers um Vers abwechselten, dann folgte Psalm 24, vertheilt in Vorbeter, erstes Solo, zweites Solo, Chor, Vorbeter, der'einen unbeschreiblichen Eindruck machte. Wahrend des Chor-Gesanges, „Erhebt, ihr Thore, das Haupt, erweitert die ewigen Pforten; laßt ihn einziehen, den König des Ruhms," und während der übrige Thttl des Psalmes noch an zwei Solo und Chor vertheilt war, wurde die Nebensynagoge geöffnet, aus welcher feierlich ein Zug mit den Gefttzrollen ankam. Dieser Zug bewegte sich unter immerwährendem Gesang zur heiligen Lade, bei welcher derselbe sich dann aufstellte. Hlerauf verhallte der Gesang und der Rabbiner sprach feierlich den bekannten Denkspruch Sch eh echejanu, und das Chor siel mit einem Amen ein und ein siebenmaliger Umgang mit den Gefttzrollen unter wechselndem Gesang einiger Hosianna-Strophen ffetzte die Feier fort. Nach beendigtem Umgänge begab sich der Oberrabbine vor die heilige Lade, wo er zum Volke gewendet den Vers Dt. 6, 4 feierlich sprach, den auch das Chor wiederholte, und dann wurden, unter Absingung der Verse Num. 10, 36. 37. Psi 132, 8. 9. 20 *