Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1840)
- Article
- Warschau : Zurückdrängung der Judenmissionare ... [Nachricht]
- Date
- 1840-05-09
- Page
- 148 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2360092-2360093-2360113--0484-2362520- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
148 Arad, 21. April. In Nr. 101 des 3. Jahr-- ganges der a. Z. d. I. wird meine Person von einem pseudonym arglosen Correspondenten (Sincerus) wegen eines von mir in Nr. 96. desselben Blattes erschienenen Aufsatzes mit mehrfachen verletzenden Vorwürfen überhäuft, daß ich die Verhältnisse der Araber Schule mit günstiger Unterscheidung von denen der Preßburger herausgehoben habe. Es bleibe der beliebigen Gläubigkeit heimgestellt, alle dort angeführten Rühmlichkeiten und citicten Zeirungsartikel als unausgeschmückte, reine Thatsache hinzunehmen; dennoch wird jeder, der nicht von noch mehr' als von frommer Gläubigkeit befangen ist, den angefragten Unterfchud gar leicht von selbst herausfinden. Denn so lange die Preßburger Schule bei all ihrem Charakter der Öffentlichkeit, den sie als privilegirte Anstalt mit jedem der tausenderlei privilegirten Betriebe in Gewerb und Handel theilet, nicht unter den cicirten Zeitungsartikeln einen durch seine Ofsiciositat authentischen 2lctikel nachzuweisen vermag, welcher im Wege eines förmlichen Concurscs den Individuen bei erprobter Tüchtigkeit die lebenslängliche Anstellung mit Gewährleistung j verbürgt — so lange sie nicht gleich uns jedem, der nur als mittellos angemeldet wird, ohne Rücksicht auf Zahl- und Zahlungs-Verhaltniß die unentgeltliche Aufnahme gestatten kann, bleibt leider der Unterschied zwischen ihrem Zustande und dem einer wohlconsolidirten Anstalt wie die Araber so scharf und auffallenddaß der Abfasser des Angriffes feine Persönlichkeit nicht besser als unter der gewählten Pfeudonymität eines Arglosen in Maske bringen konnte. — Mag-die Presburger Schule Wunder gewirkt haben, und noch immer Wunder wirken, mag selbst der Schimmer einer tüchtigen Prüfungs-Dressur immerhin für Licht des Lebens hingehen: mein Aufsatz sagt es ausdrücklich, daß ec sich nur mit den äußeren Verhältnissen befaßt. Wer die dortige Sachlage kennt, wird darin bei seiner Erwähnung Preßburgs in dem Mitgethcilten wie im Verschwiegenen statt der fernsten Absicht auf Verkleinerung die nöthige Spende der Artigkeit nicht vermissen' können; wäre es auch nur das Umgehen der Thatsache, daß bereits vor mehr als zwei Jahren die ganze Oekonomie der Anstalt mit Gewinn und Verlust dem Lehrer Frey er in Pacht gegeben worden, und somit auch ihre ganze äußere Leitung und- Erhaltung seiner Berechnung unterworfen ist.— Die Achtung, welche das rastlose Streben manches ihrer edlen Gönner mit Recht erheischt, die Bewunderungy welche durch ihre vieljährige Erhaltung unter dem precaren Zustande selbst den Gegnern abgedrungen wird, ist nicht von dem Grade des Erfolges bedingt, und kann selbst durch eine Retrograde, wie die eben angeführte, nicht verringert werden; doch Unwahrheit aus dem eigenen Kreise wird sie nimmermehr verwehren helfen. Meine gelegenheitliche Aeußerung über die Instabilität des dortigen Lehrpersonales wäre falsch? es wären nur, wieder Sincerus behauptet, zwei oder drei, die nur Kränklichkeit halber ihren Platz verlassen haben? so mögen denn die Jahrbücher' dieser Schule zeigen, ob nicht seit dem Jahre 1824 die Namen Bendavid, Böhm, Flesch, Fuchs, Kraus, Mandel, Modereiner, Popper, Ronsberger, Rosenthal, Skreinka, Strauß, Weißenberger und noch einige andere, 'als die Namen gewesen er Lehrer daselbst verzeichnet sind/ —- ' (Schluß folgt)- P o l e n. WavfchÄU, 6. April. (L.A. Z.) Der englischen Mission zur Bekehrung der Juden, die sich vorzüglich über die ehemaligen polnischen Provinzen verbreitet, und die theils aus englischen Sendboten, theils aus deutschen bestand, welche hier pielistische Erbauungsstunden hielten, daun sich kühner ausdreiteten, ' im Ministerium, besonders unter Golowin's Verwaltung, Schutz fanden und nun das protestantische Consistorium auf das Unerhörteste chicaniren durften, sind nun die Versammlungen untersagt und alles Predigen verboten worden. Es ist offenkundig, daß die frommen Herren sich wahrend des Krieges und spater gebrauchen ließen und durch ihre'Angeberei viel Unglück anrichteten; jetzt sind' sie durch 'die Hand, der sie dienten, gedemüthigt worden. — In Wilna ist in derNacht vom 24. zum 25. v. M. die große hebräische Buchdruckerei, welche den jüdischen Buchdruckern Gebrüder Rom gehörte, gänzlich abgebrannt. Nur mit Mühe konnte die Schriftgießerei, welche die beste in Wilna istp gerettet werden. Ein Buchdrucker hat dabei'das Leben verloren. Der Schaden der Mgemhümer, mit Einschluß der verbrannten Bücher, wird auf 200,000 Rubel Silber geschätzt. Für die jüdische Literatur ist der Verlust noch schmerzlicher, da in ganz Rußland Wilna der einzige Hrt war, wo eine Druckerei sein durfte, und wo in der Neuzeit das Interesse-für die jüdische Wissenschaft aufzüleben begann. Verlagvon C. L. Fr-ihscke. Druck von I. H. Nagel.