Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-05-09 · Heft 19 (9.5.1840) · p. 145

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 19 (9.5.1840)
Article
Simmern: neue israelitische Schulzeitung
Date
1840-05-09
Page
145 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360093-2360113-2362480--0474-2362517
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

145 Lehrfächer und zwar: n) Religion. Hierher gehören nicht blos vollständige Lehrgänge, -Aufsätze übet' Methodik, Katechifcttionen, sondern auch — da der isr. Lehrer manche geistliche Funktionen zu versehen hat — Gelegenheitspredigten aller Art, als : Trau-, Leichen-, Konsirmations-, Antritts- und Abschieds-Reden, entweder vollständig oder' blos im Entwurf, b) Biblische Geschichte. e) Hebräische Sprache, worunter wir auch außer dem mehr Praktischen, sich ausschließlich auf die Schule Beziehenden, noch allgemeine und spezielle sprachliche Bemerkungen, Beiträge zur Interpretation und Exegese der h. Schrift?c. ordnen. II. Oekonomie der Schule, Disziplin?c. k. Endlich werden wir noch Schulnachrichten, Anzeigen von vakanten Rabbinats-, Lehrer- und Vorsängerstellen :c. rc. aufnehmen und auch der Literatur und Kritik eine Spalte widmen. Wie aus dieser Inhalts-Anzeige hervorgeht, herrscht im Ganzen das praktische Element vor, ohne jedoch das Wissenschaftliche auszuschließen. (Forts, folgt.) . Leipzig, 16. April. Das Amsterdamer Handelsblad theilt im Auszug einen Brief des niederländischen Consuls in Bairut mit, worin es heißt: „Die Juden zu Damascus werden beschuldigt, einen Eapuzinermönch daselbst ermordet zu haben, aber alle Nachforschungen haben zu keinerlei Resultat geführt. Inzwischen wurden die Häupter der vornehmsten jüdischen Familien in den Kerker geworfen, und die Haussuchungen sind bisher, ganz erfolglos geblieben. Ein junger Israelit ist in der Nacht vom 18. auf den 19. Febr. unter den Stockstre.ichen erlegen, die man ihm deßhalb ertheitte, weil er bezeugt hatte, er habe den bewußten Capuziner in ein türkisches Haus hineingehen sehen. Alle verständige Personen glauben, diese ganze Beschuldigung sei das Werk der Lokalregierung, die, um einen Vorwand zu haben, den Juden Geld abzupressen, selbst den bewußten Priester aus dem Wege räumte, um die Schuld davon aus die Juden zu laden." sL.A.Z.) Leipzig, 30. März. (Schluß.) Und so sicht auch die israelitische Bevölkerung Sachsens mit froher Auverstcht den künftigen Ständeversammlungen entgegen, welche, den alten Bruderhaß verachtend, gewiß das ihrige rhun werden, um von jetzt an eine Geschichte der besondere Rechtsverhältnisse der Juden im Vaterlande unmöglich zu machen. Schon hat die jetzige den von der Regierung ihr vorgelegten Gesetzentwurf, die Aufhebung des Wuchermandats von' 1811 (si ob.) betreffend, angenommen und manche in demselben vorkommende Ausdrücke auf eine ehrenvolle Weise Veranden. Die Hinwegräumung' der jedes freiere Recht zu Boden drückenden Beschränkungen wird sicher ihre erste Sorge sein, ohne daß cs hierzu erst einer Erinnerung von Selten der Betheiligten bedürfen wird. Sind ja selbst aus denr Privatrechte mit der Aufhebung des Wuchergesetzes noch nicht alle privilegia ocliosa (oriiosa für den Juden wie für das Vaterland) entwurzelt. So existirt noch das Mandat von 1724 (C. A. II, 2087), wonach nur Juden, welche Wechstlgeschäfte mit wechselunmündigen Personen abgeschlossen haben, den vierten Theil des Betrags der dem Schuldner vorgestrecktm Summe als Strafe zahlen, bei größerem dolus selbst Gefan^nißstrafe erleiden sollen; ein Gesetz, welches seinem Geiste nach dem Wuchergesehe gleichsteht! — Gewiß, das sächsische Volk erbebt sich immer mehr zum wahrhaft constitutione Uen Standpunkte, wo jeder Sachse die Unbilden der Vergangenheit in dieser Hinsicht nur belächeln wird. „Denn die große Frage laust am Ende nur darauf hinaus, zu wissen, ob die Juden Menschen sind! " —- Ungarn. Pveßburg, 18. April. Die Verhältnisse der Juden in Ungarn, ihre Bewerbung um die bürgerlichen Rechte, ihre eingereichte Petition, die Hochherzigkeit des ungarischen Adels sind in diesem Blatte, welches außer der momentanen Unterhaltung und Belehrung auch noch als Archiv der neuesten Zeitgeschichte angesehen werden kann, ausführlich mitgetheilt worden. Mögen daher noch zur Ergänzung noch folgende Aktenstücke hier ihren Platz finden, nämlich das in ganz Europa" nun genannte und berühmte Nuntium unserer Standetasel in seinem unverfälschtem Wortlaut, und das darauf abändernde Nutium der hohen Magnatentafel; denn in beiden wohnt ein Geist der Ritterlichkeit und der unverfälschten Natürlichkeit, ein Geist der eigenen politischen Mündigkeit und der Würde. Das Nuntium der Standetasel lautet: Jene Klasse des Volkes, die Jahrhunderte hlndurch in der Gesetzgebung und Staatsverwalmng das starre Joch des Druckes im socialen Leben, das der Erniedrigung tragt, und bis jetzt von der gesunden Vernunft und der Menschlichkeit gleich vergebens um Erleichterung .ffehete, kann es mit Liecht verlangen, daß die Gesetzgebung jenes Staates, von dem sie bis jetzt nur Druck erfuhr, dieselbe auch seiner Wohlthaten im gebührenden und gerechten Maße theilhaft mache. Die Stimme des 34. Gesetzes 1790 — 91, die in dem Sturm der folgenden Zeit verhallte, erhebt sich ernst in unserer, Fortschritte machenden, friedlichen Epoche und erinnere die Nation, daß sie jenes Versprechen löse, das sie vor einem halben Jahrhundert that, und Gerechtigkeit übe gegen die, die dies zu fordern keine legale Stimme, kein bürgerliches Recht haben. Ausgeschlossen vom Feldbau, von der freien Ausübung aller Handwerke, von der Möglichkeit ein Grundeigenthum zu erwerben, belastet mit mehr als die gewöhnlichen Steuernkämpft unter tausend Entsagungen die Judmschaft auf dem ihr einzig offenstehenden Weg des Handels um die Erhaltung des Lebens und den Genuß seiner Freuden., und verwiesen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.