Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-05-09 · Heft 19 (9.5.1840) · p. 143

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 19 (9.5.1840)
Article
Berlin: über Gabriel Riessers jüdische Briefe
Date
1840-05-09
Page
143 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360093-2360113-2362478--0468-2362515
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

143 - Men bilden wird. Ob ich dann forrfahce, wird großenteils davon abhangen/ ob diese beiden ersten Hefte den gewünschtem Anklang und Theltnahme bei Gleichgesinnten finden. Jch^gestehe, daß ich diesen Erfolg nicht entbehren kann, da ich in ihm die einzige Bürgschaft einigen Werthes bei Leistungen dieser Art erkenne, welche, weder dem Gebiete der Wissenschaft noch der Kunst als selbstständige Werke angehöcend, in der unmittelbaren Wirkung allein, die sie auf die Gesinnung der Leser üben, eine gewisse, wenn auch flüchtige Bedeutung finden können. Die Besorgmß. die ich schon vor beinahe fünf Zähren in der Vorrede zu dem zuletzt erschienenen Heft des „Juden" ausgesprochen habe, daß meine geringe productive Kraft sich an der wiederholten Bearbeitung Ähnlicher Gegenstände ausgerieben haben möchte, drängt sich mir bei jedem neuen Versuch natürlich mit größerer Stärke auf. Ich will jedoch gern der guten Sache das Opfer bringen, es ein oder zwei Mal darauf hin zu wagen, daß ich die Theilnahme, in der ich sonst meinen Lohn fand, nicht mehr zu wecken im Stande sei. Nur das^ Opfer, in dauernder Trivialität zu verharren, vermag ich nicht zu bringen; auch bezweifle ich, daß ein solches Opfer der guten Sache sehr 'zu Statten kommen würde. Ich kann deshalb eine Verpflichtung .zu weiterer Fortsetzung im Voraus nicht übernehmen. Wenn ich bald wieder schweigen, wenn meine literarische Thatigkeit auf diesem Gebiete allmahlig ganz erschlaffen sollte, so bitte ich, daß man meinen frühern Bemühungen ein freundliches Andenken bewahren, und daß man vor Allem nie in der mangelnden Ausdauer des Willens den Grund.eines allem durch die erschöpfte Fähigkeit veranlaßen Aufhörens suchen, daß man nie als die Schwäche des Menschen auslegen möge, was allem die Schwäche des Schriftstellers sein würde. " (Forts, folgt.) Von der 28. April. Der furchtbaren Beschuldigung, als deren Opfer so eben sieben Juden in Damaskus hingenchtet worden sind, daß sie nämlich zu der Bereitung ihrer Osterkuchen, wenn auch nicht nothwendig, doch gern Christenblut verwendeten, hat das europäische Westland im Mittelalter Tausende von Unschuldigen geschlachtet, und mit Entsetzen sieht man das gräßliche Gespenst, das man langst vernichtet glaubte, im Oriente wieder 'auftauchen. Nicht als ob', in Deutschland eine solche absurde Behauptung einer speciellen Widerlegung bedürfte, aber um den vollkommenen Ungrund zu dieser Beschuldigung nachzuweisen, von der sich auch nicht die leiseste Andeutung in den zahlreichen spätern jüdischen Werken, von dem Talmud an durch die ganze rabbimsche Littecatur des Mittelalters und der neuern Zeit hindurch, findet, möge hier folgender Auszug aus dem bekannten Werk Eisenmengers stehen, der als Profess r der orientalischen Sprachen in Heidelberg zu Anfänge des vorigen Jahrhunderts ein Werk in zwei Bänden in Quart unter dem Titel „Entdecktes Judenthum" Herausgabe) Nie hat das Judenthum einen erbittertem Gegner gehabt als Eisenmenger. Sein ganzes Leben hat er diesem Buche gewidmet, den Talmud und Alles, was irgend die rabbinische Literatur Bedeutendes aufzuweisen hat, durchgelesen , und für seinen Zweck, das Judenthum als ein Gewebe von Lug und Trug, Fanatismus, Absurdität, Aberglauben und Verbrechen darzustellen, excerpirt. Alles wird von ihm herbeigesucht, die Kabbala und ihre Anhänger werden ausgebeutet, und selbst die Schriften bekehrter Juden, die, als bedürfte ein solcher Schritt noch der Verteidigung den verlassenen Glauben der Vater auf alle Weise zu verleumden für nöthig hielten, sind benutzt^). Wenn aber selbst ein solcher Forscher, der, wie gesagt, nur nach Koth wühlte, um Juden und Judenthum zu beschmutzen, die Beschuldigung wegen des Christenblutes zu den Osterkuchen nicht Nachweisen konnte, obgleich er natürlich persönlich in seiner Befangenheit die Entscheidung über die Anklage in suspenso laßt, so kann man ihre vollkommene Unnachweisbarkeit und Unwahrheit auch als erwiesen annehmen. Die Stelle lautet wörtlich folgendermaaßen. Bd. II. S. 225 fg.: „Daß es auch vor diesem bei den Juden gebräuchlich gewesen sein soll, an ihrem Osterfeste Christenblut zu gebrauchen, und dasselbe in ihre süße Kuchen, welche sie Matzkuchen nennen, und in ihren Wein zu mischen, dessen wird auch in dem Büchlein „Schebet Jehuda" (d. h. die Zuchtruthe Juda's, von Rabbi Salomo den Virga. Amsterdam 1655., 8.) ko!. 6, col. 2 gedacht, und allda gelesen, daß der König von Spanien, Alphonsus , mit einem Gelehrten, Namens Thomas, welcher ohne Zweifel ein Bekehrter gewesen ist, deswegen geredet und ihm gesagt habe, daß ein Bischof in seine Stadt, nämlich nach 1) Der vollständige Titel dieses merkwürdigen Buches ist: „Johann Andreä Eisenmenger's, Professors der orientalischen Sprachen bei der Universität Heidelberg, Entdecktes Judenthum, oder gründlicher und wahrhafter Bericht, welchergestalt die verstockten Juden die hochheilige Drei-Einigkeit, Gott Vater, Sohn und heil. Geist, erschrecklicher Weise lästern und verunehren, die heilige Mutter Christi verschmähen, das Neue Testament, die Evangelisten utib Aposteln, die christliche Religion .spöttisch durchziehen, und die ganze Christenheit auf das äußerste verachten und verfluchen; dabei noch viele andere, bishero unter den Christen entweder gar nicht oder nur zum Thcil bekannt gewesene Dinge und große Jrrthümer der jüdischen Religion und, Theologie., wie auch viele lächerliche und kurzweilige Fabeln, und andere ungereimte Sachen an den Tag kommen. Alles aus ihren eigenen, und zwar sehr vielen mit großer Mühe und unverdcoßenenr Fleiß durchlesenen Büchern, mit Ausziehung der hebräischen Worte, und derer treuen Uebersetzung in die Deutsche Sprache, kräftiglich erwiesen , und in Zweien Theilen verfasset" (Königsberg 1711). 2) Schon die Titel dieser Bücher verrathen den Geist ihrer.Verfasser, wie z. B. „Friedrich Samuel Brentzen Jüdischer ab gestreifter Schlangenbalg" (Nürnberg 1680). 19

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.