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Der Orient · 1840-05-09 · Heft 19 (9.5.1840) · p. 142

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 19 (9.5.1840)
Article
Paris: die Verwendung der Familie Rothschild für die Juden im Orient
Date
1840-05-09
Page
142 (sequence 2)
Language
German
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142 Morgenröthe sehen wir entgegen, wenn Reichthum und Intelligenz sich vereinigt, um das jüdische Volk vor Verunglimpfung und Achmahung zu sichern und seine sittliche und bürgerliche Stellung zu erheben. Italien. Tvieft, 20. April. Ueber die Mordgeschichte in Damaskus hat man jetzt schon etwas bestimmtere Nachrichten, die allmalig die Wahrheit enthüllen und die Namen der Hingerichteten rechtfertigen. Früher war ein Gerücht verbreitet, daß der Barbier, der bekannte Denunciant, der Mörder sei, jetzt weiß man mit Bestimmtheit, daß es ein Druse gewesen war und daß die sieben Opfer nichts verschuldet haben. Die Juden von Damaskus haben ein Schreiben an den Pascha^ von Egypten abgehen lassen, worin sie eine öffentliche feierliche Erklärung vor ddn Augen des ganzen Europa 'von seiner Gerechtigkeit verlangen. Möge sich hierin der umsichtige Geist Mehmed Ali's bekunden! Deutschland. Berklitt, 3. Mai. Unter den Gebildeten für die Freiheit des Judenthums sich lebhaft interessirenden Israeliten hier bilden G. Rieß er's „Jüdische Briefe", die so eben die Presse verlassen haben, das gewöhnliche Gespräch; der Name Riesser hat noch immer einen Zauber, der Begeisterung und Muth zum Fortstreben weckt. Diese Briese R i e sse r 's sind zur Abwehr und zur Verständigung niedergeschrieben, wie es schon auf dem Titelblatte heißt; nicht zur Abwehr des kalten und blutlosen Jndifferentismus, der das Mark der religiösen Gefühle,- die Keime aller Strebniffe mit seinem Gifthauche verpestet, nicht zur Verständigung des traurigen religiösen Zwiespalts, der Israel in zwei Lager theilet, nicht zur Abwehr jener grauenhaften mittelalterlichen Beschuldigungen, die noch jetzt den Fanatismus zu blutigen Thaten reizen können (in Deutschland war die Beschuldigung des Osterbluts sechsmal seit 1830, und jedesmal war das Leben vieler Juden gefährdet), nicht zur Verständigung der tausend Mißverstandniße auf den Land- und Reichstagen (z. B. in Ungarn, Sachsen), wo das Glück so vieler Tausende unserer Glaubensbrüder von der Verständigung abhangt, sondern zur Abwehr einiger Verlaumdungen Pfizer's, welche man ohnehin kaum beachtet hatte, und zur Verständigung gegen die Anschuldigungen Menzel's, die ohnehin gleich am Anfänge -von Niemand geglaubt wurden. Diese Verwunderung über die jüdischen Briefe theilen die Meisten hier; seit dem letzten Schweigen Riesser's gab es so viele wichtige Anlässe für einen Verteidiger unserer Gewissensfreiheit, daß man sich wundern muß, die Stimme des Juden bis jetzt verstummt zu sehen, und daß die erste Stimmerhebung gerade für Gegenstände erschallen mußte, deren Wichtigkeit Niemandem klar ist. Es ist aber höchst ungerecht, von einem Kampfer zu verlangen, er solle rastlos Tag und Nacht auf dem Kampfplätze stehen, um ohne Unterlaß zu kämpfen, vorzüglich ist es ungerecht, wenn der Kampfer sich bereits seine Kampsjünger auferzogen hat, wie es bei Messer der Fall ist. Mit Wehmuth zeigt ec selbst seinen Standpunkt in der Vorrede zu seinen Briefen an, durch jedes Wort schimmert die Liebe zu seinem Volke, und gern und freudig bewahrt der Leser ein freundliches Andenken für ihn. Er sagt über die Stellung dieser Briefe: „Ich habe die Briefe nach den Zeitpunkten datirt, in denen ungefähr die erste Idee zu einem jeden entstanden ist, und in die auch meist die Aeußerungen fallen, welche, ich zum nächsten Gegenstand meiner Betrachtungen und Widerlegungen gemacht habe. Ich hätte wohl, statt dieser, ähnliche Gehässigkeiten, die dem Augenblick näher liegen, zu Anknüpfungspunkten wählen können; aber ich glaubte weniger die neuesten, als die schärfsten und bezeichnendsten hervorheben zu'müssen. Dabei mußte ich mich denn in so weit der Zeit nach zurückversetzen, als in die Beur- (Heilung von Aussprüchen, die bis in den Anfang des Jahres 1838 gethan worden, spatere Thatsachen nicht hineingezogen werden dursten. Der wesentliche Inhalt der Bestreitung aber gilt fürheute und für alle Zeiten. Ich muß bezweifeln, ob die Stoffe, denn Behandlung dieses Heft gewidmet ist, gerade der Mehrzahl-derer, welche überhaupt an dem Gegenstände Antheil nehmen, als die wichtigsten, als die der Auswahl zur augenblicklichen Besprechung würdigsten erscheinen werden. Mir aber sind sie so erschienen. Ich bin stets der Meinung gewesen, daß es zu jeder Zeit der edelste Theil unserer Aufgabe ist, die geistige und sittliche Bedeutung unseres Strebens zu vollster Klarheit zu bringen und darin zu' erhalten, und deshalb alle Verdrehungen und Verdächtigungen, durch die das Wesen jenes Strebens befleckt werden soll/ mit aller Kraft zurückzuweisen. Für die Erringung bürgerlicher Rechte mag ein Zeitpunkt geeigneter als der andere sein, und es kann leider nicht behauptet werden, daß die Strömung des Augenblicks — diesen im engsten Sinn genommen — ihr günstig wäre. Aber die Behauptung sittlicher Würde ist immer an der Tagesordnung; sie kennt keine Ungunst der Zeit > sie beruhet in uns selbst , und erfordert nichts als die Starke des Willens und des reinen Bewußtseins. Sollte ichdiese Briefe fortsetzen, wozu es an mannigfachem Stoffe nicht fehlt, so werdeich auch auf die bürgerlichen Angelegenheiten der Jugend und auf andere-, welche die Gemüther in der Gegenwart vorzugsweise beschäftigen,, zurückkommen. Ob und wie weit ich sie forrsetzen werde, kann ich aber noch nicht bestimmen. Entschlossen bin ich für jetzt nur, ein zweites Heft nach einigen Monaten diesem ersten folgen zu lassen, das jedoch verwandte Gegenstände behandeln und gleichsam ein Ganzes mit dem-

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