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Der Orient · 1840-05-02 · 18 (2.5.1840) · p. 285

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
18 (2.5.1840)
Article
Nothwehr gegen drei Recensenten meines Buches
Date
1840-05-02
Page
285 (sequence 2)
Language
German
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285 Nochwehr gegen drei Recensenten von Dr. Delitzsch. Bibliographie f. jüd. Philologie. 286 zuerst die neuere Dichtungsweise begründet — und bringt die Sprüche Asaph's zum Beweise." Welche hier völlig unstatthafte Synallage, welche fehlerhafte Construction der Zeiten! Wenn der Rccensent in Gallizien gelernt hat, so sollte er nun vor Allem deutsche Grammatik und deutsche Stylistik treiben und nach jener Reinheit des Ausdrucks streben, die durch die Lichter eines erkünstelten Humors nimmer ersetzt wird. Was vor das Publikum gebracht wird, das muß klar gedacht, aber auch verständlich und somit richtig ausgedrückt sein. Die wahre Wissenschaft vernachlässigt ebenso wenig die Regeln der Sprache, als die Gesetze des Denkens; sie ringt ebensowohl nach einer entsprechenden würdigen Form, als nach wahrheitgemäßen gediegenen Ergebnissen. Sie durchbildet und ordnet ihr Material nach den Vorschriften der Kunst, ehe sie es zur Schau bringt. Diese Vollendung nach innen und außen ist der Charakter der Classic ität, durch die allein ein schriftstellerisches Erzeugnis; dem Kreise des Ephemeren enthoben wird. Möchte der gallizische Correspondent inskünftige, was er der Oeffentlichkeit übergiebt, auch regel- und kunstgerecht formen — man sudelt einen Brief, zumal wenn er gedruckt werden soll, doch nicht so flüchtig aufs Papier, sondern man mundirt ihn und liest ihn noch einmal durch, ehe man ihn abschickt. Der Rccensent eröffnet sein Schreiben mit dem Geständnis;, daß er das 1836 erschienene Werk, um das es sich handelt, vor K u r z e m erhalten habe. Entweder ist dies abermal ein Figment, um die Spätgeburt der Recension zu motiviren, oder der Rccensent ermangelt alles regen Interesses für die jüdische Literatur und somit auch der nöthigen Befähigung, Lotalanschauungen derselben zu kritisiren. Oder gehört er unter der Masse derer, die, wenn sie ein Buch geliehen zu erhalten hoffen, lieber Jahre lang warten, als ihrem Mammon, zu Gunsten der Wissenschaft, Etwas abbrechen? Hat mein Buch erst einen vierjährigen Lesecirkel durchlaufen müssen, ehe es unter die Argusaugen des Recensenten gelangtes Doch wir mögen dem Recensenten diese Schmach nicht anthun, ihn unter jenen für Schriftsteller sowohl als Verleger krebsartigen vornehmen Pöbel zu rechnen; wir wollen sein Geständnis vielmehr für einen wohlberechncten Anachronismus halten, und werden weiter unter zeigen, daß der Rccensent sich in sich selber täuscht und das Buch: Zur Geschichte d e r j ü d isch cn Poesie ziemlich früher, als die „E h r e n sa u l e n u n b Denksteine von L. Dukes" erschienen (1837), zu sehen und zu lesen bekommen hat. Ein Werk, welches auf einem bis dahin nur theilweise beleuchteten Literaturgcbiete eine neue Bahn gebrochen hat und die Erscheinungen der jüdischen Dichtkunst zuerst unter Perioden und Schulen, so wie die jüdischen Stylarten unter Hauptcharaktere subsumirt und schildert, das aller Orten beifällig ausgenommen, in den gediegensten Blättern besprochen und in zwei Ncbersetzungen, einer englischen und hebräischen, angekündigt ist, kann dem Necenfcnten wohl nicht erst so spat bekannt geworden sein, oder er begiebt sich durch das Geständnis; seiner Siedenschläferei in voraus jedes Anspruchs auf Competenz zur Beurthcilung. Nachdem der Rccensent mir einigen Weihrauch der Bewunderung gestreut hat, dessen Dampf wahrscheinlich zugleich die Augen des Publikums umnebeln soll, fahrt er fort: „Leider aber sind der Fehler und Irrungen, fast auf jeder Seite, so viele, daß ich um so mehr darüber erstaunte, als der Verfasser sich auf Dr. I. Fürst beruft, welcher ihm unmittelbar .beigestanden habe." Ein unlogisch gebauter, undeuLsch ausgesprochener Satz, dessen Knäuel vorerst aufgelöst werden muß. Der Recensenc drückt zuerst sein Beileid darüber aus, daß fast aus jeder Seite meines Buches viel Fehler und Irrungen seien, so viel, daß er darüber erstaunt sei. Ich kann nicht umhin, ihm wieder zu condoliren, daß er von einer so gewaltsamen Geinüthsbewegung befallen worden ist, die ihm, wie bis jetzt seine Recension zeigt, die Zunge gelähmt und die Gedanken durchcinanbergerüttclt hat. Denn die folgende Replik wird lehren, wie gering die Zahl der Fehler ist, die der Recensent mir nachweist, wie confus er aber von einem Gegen» stände zum andern überspringt, mehr um sein eignes Wissen auszukramen, als mich von der Wahrheit seiner kecken Calumnie zu überführen. Nachdem er zwei Fehler zu S. 55. und 196. notirt hat, springt er, mit einer rhetorischen Schwenkung, sogleich auf meine Anschauung der slavischen Schule über und macht lange Excarse, über denen er mein Buch ganz im Stiche laßt. Wir wünschen also herzlich, daß der Rccensent sich allgemach von seinem Staunen erholen möge, um sich von dem Verdachte, welcher von obiger Behauptung auf ihn zurückfällt, zu reinigen. Dann sagt der Rccensent, daß sein Erstaunen um so größer gewesen sei, als ich mich auf Dr. I. Fürst berufe, welcher mir unmittelbar beigcstandcn habe. Nirgends in mciurm Buche sage ich davon auch nur ein Wörtlein. Dr. Fürst ist mein Lehrer in den Idiomen der jüdischen Literatur, ich rühmte ihn als Sprachforscher und Dichter, und das in Ausdrücken, welche, von dem jugendlichen Feuer der Dankbarkeit gegen den Lehrer und der Begeisterung für die Sache empor getragen werden. Ich sage aber nirgends, daß er mir in Abfassung meines Buches unmittelbar beigestanden; schon damals betrachtete er mich nicht mehr als seinen Schüler, sondern, wie er selbst sagte, als seinen Wir haben über unsere Studiengegenstände wechselseitig conferirt, aber unbeschadet unserer Selbstständigkeit; unsre gemeinschaftliche Arbeit bewegte sich in einer ganz andern Sphäre, und unsere Lieblings, studien gingen in völlig divergirenden Richtungen auseinander, jedoch ohne daß dadurch die gegenseitige Theilnahme geschwächt wurde. Dr. Fürst garantirt daher für keinen Fehler in mei* nen Schriften, und ich für keinen in den seinigen; einige Ansichten über hcbr. Philologie und jüdische Literatur haben wir gemcinschastlich, in vielen sind wir ganz verschieden, alle aber vertreten wir mit selbstständiger Mündigkeit, und keiner ist gesonnen, sich auf Kosten des andern verunglimpfen zu lassen. Schimpft man auf Iochanan Almau, wenn man gegen Pico loszieht, und auf Obadia Sforno, wenn man es auf Renchlin gemünzt hat? Ich bin weder Pico noch Reuchlin, aber ein christlicher Gelehrter, der, wie diese, das Glück gehabt hat, unter der Anleitung eines trefflichen jüdischen Lehrers zu derjenigen Keuntniß des Hebraismus und Aramaismus zu gelangen, die zn eigner unabhängiger Forschung befähigt. Die Fehler, die ich mache, sind meine Fehler; ich bitte den gallizischen Correspondenten, mir als Eigenthum sowohl das Gute als das Schlechte zu lassen, das er an mir findet. (Fortsetzung folgt.) Biblio graphre für jüdische Philologie, namentlich seit dem Jahre 1750. (Fortsetzung.) Boysen, Fr. Eberh., Beiträge zn einem richtigen Systeme der hebräischen Philologie nach Michaels. 3 Thle. Chemnitz, 1761 — 63. 8.

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