Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 18 (2.5.1840)
- Article
- Poetische Mittheilungen
- Date
- 1840-05-02
- Page
- 283 (sequence 2)
- Language
- German
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283 Lit. Analekten. Milsahagi: üb. den angeblichen Grabstein des Isaak Sangari. 284 2) SamueL Phiobe, ein ausgezeichneter Dichter, der ungefähr um 1340 gelebt, war Großvater des berühmten A bsalom bar-Mosche Misrachi, der die Lieder seines Großvaters sehr häufig in seinem Werke TtPil bv als Musterstücke citirt. Dieses letztere Werk besitze ich handschriftlich. *) II. Uebev den angeblichen Grabstein des Isaak Sangari.*) Zch bin so frei, Ihnen in Betreff des aufgefundenen Leichensteincs des Isaak Sangari in Kale folgende Aktenstücke und Bemerkungen mitzutheilen, da dieser Fund, weirn er sich bewahrt hätte, für die Geschichte des Kusari wohl von Bedeutung wäre. Der CH ach am der karäischen Gemeiltt zu Kosloff schrieb zuerst an seinen karäischen Freund kn Odessa darüber Folgendes: „Mit wenigen Worten will ich dir, werther Freund, einige Neuigkeiten über einen Fund in Kale berichten, obgleich ich dasselbe schon ausführlich dem Herrn Direktor Stern in Odessa geschrieben, das ich in nächster Woche durch Herrn Salomo absenden will. Aus Freundschaft habe ich den gewöhnlichen Brauch verletzt, um dich mit dem Fund unter den Gräbern in Kale zu erfreuen. Unter den längst tief versenkten Leichenstcinen des hiesigen Friedhofs finden sich manche von einem Alter von 600 — 1200 Jahren, aber der merkwürdigste und interessanteste Grabstein ist der des Rabenu Jizchak Sangari, des Chabers beim Honig der Chazaren, welcher im Jahre 4527 starb, das auf dem Leichensteine durch den Namen (Vo d> i. ^YTl lO^D) ausgedrückt ist. Dein Freund Ibn-Naschef pfrs)." Folgendes schrieb ein Chacham der karäischen Gemeinde in der Krim an seinen Freund: „Ich danke meiium Gott, daß man jetzt aus dem Verborgenen Kostbarkeiten gegraben, von denen unsere Ahnen nichts vernommen; kein Auge hat in den letzten Geschlechtern die uralten Leichensteine gesehen, die bis 1200 Jahrhunderte hinaufreichen; der älteste LeichenMn in Kale ist der eines Isaak Ben I ako b, der um 4400 starb, aber der vorzüglichste und werthvollste ist unstreitig der des Isaak Sangari, der ein Licht der Karäer (D^pD *0) und eine Säule der Schristjünger (fcnpDfl *02 war, der das Licht des Gesetzes in uralter Zeit über das Volk der Chasaren strahlen ließ. Der Leichenstein ist fünf Ellen lang und 1^ Elle breit, an der Spitze des Leichensteins stehen in Quadratschrist die Worte pfÖ* (nicht v-ftJD) emgegraben, welches besagt, daß ec im Jahre 4527 zu Kaie *) Diese kurzen Skizzen, so wie die merkwürdigen poetischen Proben, werden fortgesetzt. Red. 2) Aktenstücke und Bemerkungen find aus dem Hebräischen übertragen. Med. verstorben sei." So weit die Aktrnstücke. Es laßt sich aber gegen das Resultat dieser Mitthcilung sehr Vieles einwendcn, wenn auch die Wahrhaftigkeit des Mitgetheilten durchaus unbestritten ist. Ich bin so frei, Ihnen folgende Bedenken vorzulegen: 1) finden wir in Ausgaben und Handschriften immer v-^D mit Jod geschrieben, nicht aber mit Vau, folglich ist auch die angegebene Iahrzahl unrichtig. Vielleicht ist VU3D nicht einmal ein Familiennamen, sondern blos Ehrenbenennung, wie etwa Signoro, Jbn u. s. w. 2) ist die Abbreviatur ungewöhnlich, da man sonst immer nur anwendct. Z) vor tausend Jahren hat man nicht sondern gerechnet. 4) wäre An an, das Haupt der Karäer, später als dieser vermeinte Isaak, was doch gewiß höchst unwahrscheinlich ist. 5) muß cs uns befremden, daß Sangari im Buche Kusari als gegen den Karäismus erscheint, während er doch in dem erwähnten Schreiben als Ka. räer cmfgefuhrt wird. — Diese Zweifel und Bedenken führen mich auf die Vermuthung, daß dieses vermeintliche 3 nicht als 2 sei, so daß es HO heißt, eine Abbreviatur, die aus Leichensteinen gewöhnlich ist. Mehreres hierüber später. Milsahagi. Not h wehr gegen drei Nccensenten meines Buches: Zur Geschichte der jüdischen Poesie. Von Dr. Fr. Delitzsch. II. Der gallizische Correspondcnt, dem Dr. Jost die oben analysirte Randglosse wie eine klingende Schelle angehangt hat, ist eine Persönlichkeit, die auch unter der Maske wohl erkennbar ist. Die Reccnsion würde mehr Vertrauen erwecken, wenn sie nicht gleich die Lüge an der Stirn trüge. Doch wir verschieben diese Enthüllung einer mindestens nicht ehrlichen Mummerei bis an das Ende unserer Replik. Rügen müssen wir aber gleich im Eingang die Liederlichkeit und Fehlerhaftigkeit der deutschen Schreibart des Recensenten. Man macht an eine Recension nicht den Anspruch der Sprachclegcmz, aber wohl der Sprachrichtigkeit; man fordert mit Recht von Jedem, der sein Meinen oder Wissen veröffentlicht, daß er die Sprache zu handhaben wisse, in der er es veröffentlicht. Obgleich nun der Styl des gallizischen Correspondenten die curae secundae nicht verkennen laßt, so sind doch der Solöcismen noch so manche ungetilgt geblieben, wie gleich im Anfänge: „Fehler dieser Art will ich nicht hervorheben, um nicht des Buches Werth herabzusetzen, vielmehr will ich manche Urtheile bekämpfen, da wo er den Zustand der Literatur schildert." Ist das nicht corruptes Deutsch? Unmittelbar darauf: „Zunächst entbehrt das, was er slavische Schule nennt, durchaus alles Grundes." Der vage nachlässige Ausdruck entspricht ganz dem unklaren wirren Gedanken. Dann fahrt der Recen, stnt fort: „So z. B. behauptete er: Isaak Satanow hätte