Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 18 (2.5.1840)
- Article
- Ueber den Judeneid
- Date
- 1840-05-02
- Page
- 279 (sequence 4)
- Language
- German
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281 Ueber den Judeneid v. S. I. Rapap ort. Lit. Zlnalekten v. D. Carmoly. 282 biner könnte es nun später wagen, gegen eine so deutliche Stelle in der Bibel sich zu versündigen? B. I n der Praxis. Es soll die von den Gerichtsbehörden geschöpfte 'Erfahrung bewähren, daß der Judeneid überhaupt unverlaßlich sei. Wir glauben, daß diese Erfahrung noch folgenden Fragen unterliegt, nämlich: hat man die Verläßlichkeit der Eide bei den christlichen Bewohnern dieses Landes beobachtet, und blos nach Verhaltniß der Menschenzahl gefunden, daß bei den Juden die -Zahl der falschen Eidschwüre jene der Christen übersteigt? Oder ist man einen Schritt weiter gegangen, und hat das Maaß dieses Verhältnisses nicht nach der bloßen Zahl der Personen, sondern auch, wie recht und billig ist, nach der Zahl der bei den Gerichten durch gegebene Zeiträume anhängig gewesene Streitigkeiten genommen? Denn es ist einleuchtend, daß bei einem Volke, welches blos auf einen einzigen Nahrungszweig, nämlich den des Verkehrs, eingeschränkt ist, weit mehr Rechtsfälle entstehen als bei einem andern, dem alle Nahrungswege offen stehen, unter welchen viele sehr wenig den Streitigkeiten und Widerreden ausgesetzt sind , als da sind: Ackerbau, Handwerke und Künste aller Art, Staatsdienst in allen Zweigen k. und daher auch bei den erstern weit mehr Eidschwüre als bei den Letztern Vorkommen müssen. — Wenn nun dieses alles genau geprüft wurde, und auch dann noch die Rechnung, im Betreff der Verläßlichkeit der Eide, zum Nachtheil der Erstern ausgefallen ist, so kann dieses blos jener Hauptursache zugeschrieben werden, die bei den Juden seit ihrer Zerstreuung obwaltete, nämlich der Mangel an aller Art Gewerbe außer dem Handel. Schon der Letztere au sich selbst ist hinreichend einem Volke, das ihn durch so viele Jahrhunderte treibt, eine Richtung zu geben, die leider mancher Kaufmann noch jetzt bei allen Völkern zu nehmen gewohnt ist. — Wird aber noch dieser einzige Nahnmgszweig durch Stockung der Geschäfte und Vervielfältigung der Concurrenz geschmälert, wie es jetzt bei den Israeliten der Fall ist, so müssen in diesem Maaße die Lasten des Verkehrs sich vermehren. Der Spruch des weisen Salomo (Proverb. 6, 30.) ist bekannt. „Man verachtet den Dieb nicht wenn er stiehlt, um sich vor Hunger zu schützen." — Der Trieb der Selbsterhaltung ist, bei den meisten Menschen, mächtiger als alle Gewissensskrupel; ein Mensch der aufs Aeußerste getrieben wird, wird das Aeußerste wagen, ohne sich mehr um Vorschriften zu bekümmern. — Sollte also jene Erfahrung ihre völlige Richtigkeit haben, welches wir noch gerechte Ursache haben sehr zu bezweifeln, so liegt das Nebel und das Mittel seiner Abschaffung keineswegs im vorgegebenen Choschen ha- Mischpat, wie bereits bewiesen worden ist, sondern eine mildere Behandlung von Seiten der Regierung, indem sie den Israeliten ausgedehntere Rechte und Nahrungswege bewilliget, ist im Stande sie auf den rechten Weg der Moral zurück zu führen. Ich finde hier die schicklichste Gelegenheit ein Hochlöbl. k. k. Landes-Präsidium auf ein Hauptmittel aufmerksam zu machen, welches mir am geeignetsten zu sein scheint, um die selbst scheinbare Collisionen wegzuräumen, die noch zwischen dem milden Geiste der Negierungsgesetze obwalten; aus den Letztern alle Zweideutigkeiten — welche einer humanen Denkungsart durch manche dunkle, nicht gut gewählte und zu Miß. Verständnissen Anlaß gebende Ausdrücke, anstößig sein könnten — abzuschaffen, und solche selbst aus dem Gedächtnisse der Israeliten auszumerzen. Dieses besteht, meines Erachtens, in der baldigen Errichtung einer immerwahrenden Rabbinal-Synode in dem von Israeliten vielbevölkerten Königreiche Gallizien, welche aus angesehenen Rabbinen und andern, sowohl im Talmud als in weltlichen Kenntnissen ausgebildeten gutgesinnten und der Regierung wohlbekannten Männern zusammen gesetzt sein, und mit diese.; Letztern in Connexion stehen dürfte. — Kein anderes Mittel wird hinreichen, diese Vorgesetzten Zwecke zu bewirken. (S ch tu ß folgt.) Literarische Analekten. I. Poetische Mittheilunge» von l)i\ Carmoly. Ueber einige sefardische unbekannte Dichter. L) S a l o m o D a si e r o, blühend um 1400, ein Freund der Gelehrten Don Möir Alguadez und Don Benben aste Ben Labi ($02^), hat sehr viele Lieder und Gesänge verfaßt, von welcher sich ein Theil in der königlichen Bibliothek zu Paris befindet. In der Aufschrift dieser Sammlung heißt es : cnnn nti'y la'K CG-irn onoiayn n^ron iSu jn vüniNo "nx Sn ttwsn-! proion TND/ wobei noch zu bemerken ist, daß An QfrO vor Eigennamen gesetzt ein Ehrenbeisetzung ist, ungefähr wie Herr. Unter andern heißt es dort: tyvjm lim O W P”jidd ttiid pDim ruN cinSxrn D'nyn nisipn masn ip> Dy mton rvoSDD idn isiSn ’jhn Ntn ' Sy npin -idsdi moj Dl N'gS p ’ntJ’jDÜD jl“! nnpl- Der Dichter J6. rael Nagara gedenkt ebenfalls dieses Dichters, von dem er sehr viele Dichtungen besessen; in seinem Werke Me me Jiörael S. 148 erzählt er von Jom-Th ob Zahalon, daß er täglich in sein Lchrzimmcr gekommen, wo er ihm die Dichtungen des B e t i r a si, des Salomo D a fi e ro und des M 6 ir Alguadez gezeigt. Unter den Dichtungen des Dafiero war eins sehr kostbar, das da begann: N JJ&D und war nach dem Alfabet gebaut. Ein ähnliches Gedicht hat er in Safed geschrieben.