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Der Orient · 1840-05-02 · Heft 18 (2.5.1840) · p. 136

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 18 (2.5.1840)
Article
Wien: Privatschreiben aus Damaskus
Date
1840-05-02
Page
136 (sequence 2)
Language
German
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136 - diese schmerzhafte Pein wurden sie wahnsinnig und von Sinnen, sie sagtest dann:' „ja, wir haben die ermordet, um das Blut zu brauchen, und lasset uns nun frei!'.' Der Pascha fragte: wo denn das Blut wäre? sie sagten: bei Moses Abulasia, der mit ihnen zusammen gepeinigt wurde. Dieser Arme verneinte sogleich und sagte: er wisse von nichts. Man brachte ihn sogleich unter die Tortur, gab ihm 1000 Peitschenstreiche, bis er endlich sagte: ja, ich habe die Flaschen mit Blut zu Hause! Mit chm zugleich schickte der Pascha seine Trabanten, die Flaschen zu holen. Man trug den elenden, zum Krüppel geschlagenen Mann mit vier Personen nach seiner -Wohnung. Allein statt des Blutes zeigte er ihnen in einem Schranke viele Beutel voll Dukaten, indem er sagte: Hier ist das Blut das ihr suchet, das Geld ist Blut, nehmts hin und lasset mich los! Er ward zurück getragen und von Neuem gepeinigt, bis er endlich schrie, er wolle ein Türke werden — und so verfahren sie mit den Uebrigm schon einen vollen Monat und täglich sagen sie anders. Einziger Gott, habe über uns Erbarmen! In Damaskus, wo eine Gemeinde von mehr als viertausend Familienvätern, trauet sich keiner vor die Hausthüre hinaus. Iu unserem Unglück trat jetzt ein türkischer Wahrsager auf und' wahrsagt, daß dieselben sieben haben den Pfaffen ermordet und andere neun von den Reichsten hätten den Diener umgebracht —- und augenblicklich wurden auch diese in den, tiefsten Kerker geworfen. Vater im Himmel, steh' uns bei gegen-die Wahrsagung eines Schurken, wir stehen in Gefahr durch Marter umzukommen! .Blicke hin, o Himmel, auf unsere unschuldigen Kinder, die schmachvoll im Kerker hinscheiden! Eine Mutter sammt ihrer Tochter verließen die Religion, um ihre Kinder zu retten. Ist denn keine Gerechtigkeit mehr auf Erden, daß man uns einem solchen Tyrannen preisgegeben und verkauft hat! Lieben Freunde und Brüder! eilet um seines heiligen Namens wegen und meldet diese große und schreckliche Gefahr, die uns bedroht alle umzubringen, den Hrn. W. K. Hrn. I. Ch. K., diese grausame Sache dem Sultan vorzubringen, sie sotten Mittel dazu treffen, durch die Gesandten an Mehmed Ali, Pascha von Egypten, es zu melden. Habt Erbarmen über die tausend heilige Seelen, die ein Tyrann unter seinen Klauen zu erdrücken droht. Es ist nicht möglich, diese schrecklichen Ereignisse Ihnen zu schildern. Meine Augen zerfließen in Tyränen — meine Hand bebt — Einziger Vater im Himmel stehe uns bei!" — — u. s. w. So weit das Schreiben, welches ich aus jüdischdeutschem Originale, ohne das geringste daran zu ändern, in größter Eile für Sie abcopirte. Ich habe an .diesem schaudererregenden Originale, diesem ächzenden Weheruf der Verzweiflung kein Iota geändert, damit durch die schattirende Stylesvariation die so wahrheitskräftige, naturtreue und herzerschütternde originelle Färbung nicht verloren' gehe. Sie können unmöglich denken, welche Sensation, mindestens bei' uns, diese Geschichte macht. So sangt man denn in der Türkei wieder dabei an, wobei das nun zu Verstände und zu hellerer Einsicht gekommene Christenthum ausgehöct, kaum aufgehört hat. NtN-inz, 16. April. Das Comitv des hiesigen israelitischen Handwerkervereins hat kürzlich seinen Rechenschaftsbericht von den letzten drei Jahren veröffentlicht. Darin kamen folgende interessante, die Wirksamkeit des. Instituts ehrende Expectocationen vor: „Das Aussuchen der Werkstätten, das Erlernen von Handwerkengehört bei den heutigen Juden mit zu jenen anerkennungswerthen Bestrebungen, die sie so sehr zur bür< gerlichen Gleichstellung fähig machen. Hatten die Juden Europas keine jüdischen Handwerker aufzuweisen, wie sie deren heutzutage viele Tausende aufzuweisen haben, sie würden bei aller unverkennbaren Bildung und bei dem redlichsten Wandel dennoch die Vorwürfe verdienen, die ihnen noch jetzt von Einzelnen so ungerechterweise gemacht werden. Denn das Handwerk eröffnet der Masse stets einen sehr ehrbaren Tätigkeitskreis, um so mehr, weit hier selten an Bereicherung, wohl aber an einen redlichen Gebrauch der natürlichen Kräfte und an eine einfache Nahcungsquelle gedacht werden kann. Das sahman überall ein, und die Handwerkerveceine, die auf allen Punkten Deutschlands entstanden, beweisen, daß man es nicht blos bei der Einsicht bewenden ließ. Die Idee, die diesen Handwerkerveceinm zum Grunde liegt, ist zugleich human und praktisch; die bemitteltem Juden spenden ihr Scherflein, aus daß die Unbemittelten dereinst einen ehrbaren Erwerb finden. Diese Wohlthat ist so schön, daß sie obenan zu stehen verdient in der unendlichen Reihe von Wohlthaten, die von den Juden aus Drang- und Bedürfniß gegenseitig geübt werden." Weiterhin heißt es im Rechenschaftsberichte: „Der Mainzer israelitische Handwerkerverein, wohl einer der ältesten, die jetzt existiren, hat still und anspruchlos schon so unendlich viel Gutes bewirkt, daß wir uns gedrungen führten, sowol den Gründen als den unecmüdeten Unterstützungen im Namen der Menschheit und der Bildung einen aufrichtigen Dank zu zollen und anzuerkennen, daß sich dieselben um die hiesige Gemeinde mit diesem ein unverwelkliches Verdienst erworben haben, das noch die kommenden Geschlechter mit Pietät betrachten werden. Diese Anstalt, die im Verlauf ihres 24jahrigm Bestehens schon Hunderte armer israelitischer Knaben Handwerke erlernen ließ, und ihnen die Mittel an die Hand gab, eine ehrbare bürgerliche Existenz zu erwerben, darf sich kühn allen hiesigen Wohlthatigkeitsanstalten an die Seite setzen, ja sie darf sie zum Vergleiche herausfordern; denn die Wohlthat, die sie übt, ist nicht momentan und vorübergehend, sondern sie greift tief in die , bürgerlichen Verhältnisse ein und giebi den urbaren Bo-

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