Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1840)
- Article
- Wien : Aufruf vom Oberrabbiner Pinkas de Segura in Smyrna [Nachricht]
- Date
- 1840-05-02
- Page
- 135 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2360092-2360093-2360112--0452-2362451- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
135 jüdische Nation, sondern erstreckt sich auf jeden Menschen/ der gleichfalls das Werk seiner heiligen Hände ist. Das israelitische Gesetz verurtheilt jeden des Todtschlages Schuldigen zum Tode, Leib um Leib. Ja noch mehr; in verschiedenen Stellen desselben Gesetzes ist den Israeliten streng untersagt, Blut von Thieren zu genießen; wenn nun das Blut von Thieren verboten ist, um wieviel mehr das Blut von Menschen, welche Religion sie auch bekennen mögen. Diese Grundsätze und diese Maximen, welche der israelitischen Religion als Richtschnur dienen, sind dm aufgeklärten und unterrichteten Personen der verschiedenen christlichen Glaubensbekenntnissen bekannt und werden von ihnen gewürdigt; aber das gemeine Volk, welches ohne solide Kenntnisse sich nicht darum kümmert, auf den Grund der Dinge zu gehen, halt sich an die Ueberlieferung von Fabeln, die aus Haß gegen Juden geschmiedet worden, einem Hasse, der sich bei jedem Anlasse gegen diese unglückliche und friedlich gesinnte Nation Lust gemacht. Der Oberrabbine Pinkas de Segura. (Oesterr. Beobacht.) Wien, 17- April. Hier sende ich Ihnen die Copie eines Schreibens, welches von Damascus nach Constantinopel gegangen, und von dort in Abschrift an ein hiesiges türkisches Handlungshaus geschickt wurde. Meine Hand erbebt, indem ich dieses übertrage, und namenloser Kummer erfüllt dabei mein Herz. Das Schreiben lautet: „Mit bitterm Schmerz und Herzenswehe thue ich Ihnen mit diesem Schreiben zu wissen die Lage unserer bedrängten Brüder in Damaskus. Mit dem 17. Adar schrieb ich Ihnen durch das Dampfboöt die schreckliche Affaire, die sich in Damaskus ereignet. Ich glaubte, daß ich Sie jetzt mit einer guten Nachricht erfreuen können werde; allein Wehe! es ist das Gegentheil! Erfahren Sie mit Grauen diese schreckliche Tyrannei, die leider wie ein Donnecschlag über uns vom Hnnmel geschleudert wurde! Ein griechischer Geistlicher, der sich mit dem Einimpfen der Kinder bei Türken, Christen und Juden schon seit 40 Jahren in Damaskus beschäftigt, verschwand plötzlich mit seinem Diener am 1. Adar (5. Febr.). Den folgenden Tag kommen Türken sammt Griechen in die Judengassen und behaupten, daß sie den Geistlichen Tags vorher Abends dort gesehen hatten. Ergriffen einen armen jüdischen Barbier und schleiften ihn zum Pascha, dieser befahl sogleich ihm 500 Streiche auf die Fußsohlen zu geben; da aber, der Arme nichts gestand, so ließ er ihn hierauf mit alten Martern quälen, die ein Tyrann nur zu erdichten im Stande ist. Jndeß rathen die Griechen dem Barbier, die Schuld auf die gleichen zu schieben, er rhuts und wird auch befreit. Und leider nach wiederholten-Martern sagt der Barbier aus, daß sieben von den reichsten Juden dort, nämlich: David Harari. mit seinem Bruder Aron Harari, Joseph Jaujado, M. Abulafia, M. Jkuda, ihn zu sich berufen hatten und 300 Piaster versprochen, falls er den Geistlichen schachten wolle, da sie sein Mut für die Mazot brauchen; allein er habe nicht gewollt, und sonach wisse er nicht,, was mir dem'Geistlichen geschehen. Voll Wuth und Zorn ließ der Pascha die 7 vor sich kommen und befahl sogleich dieselben mörderisch zu schlagen, sie schrieen jämmerlich, daß sie von nichts wüßten und daß nicht erlaubt bei uns wäre Blut zu essen, viel weniger Menschenblut; er hörte aber nicht, dieselben wurden mit zentnerschweren Ketten belastet, arretict und täglich mit peinlichen Martern gezüchtiget. 50 Stunden ließ er sie im tiefsten Kerker stöhnen und stehend anschmieden, daß sie sich nicht rühren konnten, auch wurden sie scharf beobachtet, daß sie weder essen, trinken, noch einschlummern könnten, hernach ließ er die drei Obecrahbi's zu sich Hinschleppen, ließ Stücke Fleisch aus ihrem Leibe beißen und sie mit unsinnlichen Martern plagen, fragend: ob es wahr sei, daß die Juden Menschenblut zu den Mazot brauchten? Die Armen schrieen, betheuernd, daß dies nicht erlaubt wäre, und beriefen sich auf die Aussage der getauften Juden, die jetzt Türken sind. Es nützte ihnen aber wenig, sie wurden gleich wieder emgekerkert und die täglichen Martern wechselten. Die Barbarei des'Pascha's ging noch weiter. Er ging selbst in die Schulen und ließ alle jüdischen Kinder auffangen, ließ alle in Ketten legen und in den Kerker werfen; vielleicht werden die Eltern durch die Leiden der Kinder gestehen. Die armen Kinder, die fast den schweren Eisen unterliegen, bekommen alle 24 Stunden eine Schaale Wasser und 10 Drachmen Brod; so schmachten die armen Kinder. Auch wurde verboten, die Mütter zu ihnen zu lassen. Wehe über Augen, die das bittere Schicksal erlebten! Wehe über uns, daß solches in unfern Tagen geschah! Ein ansehnlicher Israelit, begeistert für unsere Religion, übergab sich freiwillig dem Tode, indem er kühn vor den Pascha hintrat und ihn bat, daß er gnädigst doch bedenken solle was er thut und wie viel des unschuldigen Blutes aus ihm laste! Er bat, daß er zuvor mit weiser Untersuchung alles ergründen möchte und nicht auf den Worten des Barbiers bestehen solle, da dieser Arme nur durch Todesmarter zu seinem Gestandniß bewogen worden sei. Allein, ergrimmt wie ein wildes Thier, ließ er den heiligen Mann unter tödtlichen Schlagen ermorden. Darauf ging er selbst mit 600 Mann in die Judenstadt und ließ die schönen Hauser -der sieben obengenannten Männer niederreißen und selbst den Boden durchwühlen, so daß alles in Schutt verwandelt wurde. Mit noch unbefriedigter Wuth ging er zurück und ließ die sieben vor sich bringen und sing von Neuem sie mit schrecklichen Schlägen und Martern zu quälen an. Am Ende befahl er, man solle siam empfindlichsten Gliede mit Stricken anbinden und so wurden sie in seiner Gegenwart mit Stricken hecumgeschleift) er ließ sie'dann in die Teiche werfen und auf die gespannten Seile schlagen,, so leider Gottes durch IS *