Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-05-02 · Heft 18 (2.5.1840) · p. 138

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 18 (2.5.1840)
Article
Cassel: Verfall der Cultzustände
Date
1840-05-02
Page
138 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360093-2360112-2362412--0438-2362446
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

und wohl schwerlich wieder untergehen wird, unser Trost, und wirkten nicht die vielen gebildeten Lehrer im S t illen für das Bessere und fänden noch cm den Behörden und änderen Rabbinen unsres Landes, wie an den erleuchteten Männern der auswärtigen Staaten, eine Kräftigung und eine Stütze, wir würden an unserer Zukunft verzweifeln und jeden Glauben an das Fortschreiten der Israeliten Kurhessens aufgeben." „Wir wollen .Ihnen genauer schildern,-worin die ganzen Verbesserungen in der neuen Casseler Synagoge bestehen. Jeder hiesige Israelit muß, sobald er in das Gotteshaus tritt, seinen Hut ablegen und sich mit einem schwarzen Käppchen bedecken. Das laute Mitbeten der Gemeinde ist bis auf einige kurze- Gebete untersagt. Hl.ngegen hat der Rabbiner einige Gebete , so wie einige Stellen im Schema selbst vorzutragen sich Vorbehalten. Es geschieht dieses aber so dehne.nd und gravitätisch, daß der Zuhörer sich nur langweilt. Das sind also die Verbesserungen; denn die Einführung des Chorgesanges und der alle vier Wochen statrsindenden deutschen Predigt sind nicht als solche zu betrachten, da sie schon früher bei dem Seminargottesdienße bestanden. Doch daß ich nicht vergesse, auch das Bame Madlikin und Jekum Pur an sind abgeschafft. Eindeutsches Gebet Hören wir aber nicht: ja selbst das in mehreren Gemeinden eingeführte für den Landesfürsten mußte einem hebräischen Formulare weichen. Ueberhaupt hat der ganze Gottesdienst so was Kahles, Dehnendes, Nüchternes und Todtes, daß er selbst den sehr Gemäßigten nicht anspricht. Und trotz diesem Mangel an allem wahrhaft erbaulichen Elemente nimmt er, selbst an ben Werktagen, eine ge raume Zeit ein, und wahrt am Sabbath, wenn auch nicht gepredigt wird, 3-J- Stunden. Wundern Sie sich darum nicht, daß schon jetzt an den Werktagen die Synagoge fast nur noch von einigen Alten besucht wird. So nst unser Zustand, und besser wird es auch in der Zukunft nicht werden, da das vorherrschende Uebergcwicht unseres kirchlichen Oberhauptes in dem Landrabbinate unsere Synode, in Kurhessen, die außerordentlich viel chun könnte, dasselbe an allen wahrhaften Vorwartsschreiten hemmt. Laute Klagen sind hierüber vertraulich von dem ersten weltlichen Miigliede selbst geführt worden. Die bereits gehaltene Zusammenkunft dieser Behörde hat außer einigen Kleinigkeiten und dem Entwürfe einer Leichenordnung gar nichts zu Stande gebracht.. Aber auch dieser zeigte, daß man nur mit den Forderungen der Gebildeteren kokettirte, und so ist es gekommen, daß er unter der Redaction der Vorsteheramter, und namentlich des von Oberhessen, ganz umgestaltet wurde und nun wahrscheinlich gar nicht zur Ausführung gelangen wird. Das starre rabbinische Element, mag es äußerlich einen noch so modernen Anstrich nehmen, kann auch unmöglich seinem innern Gehalte nach je mit den Forderungen der Civilisation und einer erleuchteten Religionsansicht sich befreunden. Sie hätten nur sehen sollen, wie unser Landrabbiner an dem letzten Neunten des Ab sich gleich den orientalischen Inden aus die Erde setzte und mit Weinen und Toben die veralteten Kinot sang. Wahrlich Sie hätten geglaubt, er befände sich in Tunis, wo die Juden noch einen rochen Lappen auf ihren Kleidern, tragen müssen und seine Brust glühe vor Verlangen, Rache zu nehmen an den Feinden Israels, und Jerusalem und den Tempel wieder auszubauen! Doch nein! wir haben gesündigt ) mc müssen unserm Religionslehrer ernstlich Abbitte thun! Denn er hat aus einmal gezeigt, daß er Israels Heil zu fördern wisse, und daß es ihm nicht an Much zu großen und heilsamen Reformen fehle z er hat nämlich befohlen, daß nicht, wie bisher unter, unfern orthodoxesten Rabbinen geschehen und auch in allen andern Gemeinden Europas geschieht, die zweiten Schophart.önen pDlJJD rnjPpn) einmal, sondern dreimal wiederholt werden. Dieser Muth eines neuen Rabbiners muß zu den kühnsten Hoffnungen berechtigen, wenn man bedenkt, daß der bisherige allgemeine herrschende Gebrauch (der OPDN sagt von itjtn. D^T11AHJpn pi) die meisten Autoritäten PDDI *)H) für sich hat, während der neu eingeführte nur von den wenigsten gebilligt wird." So weit der Corcespondenc in genannter Monatsschrift. Jeder Kurhesse wird diese Schilderung treu und richrig finden. Mit Wehmuch gedenken die Bessern der Zeit zurück, in der hier zu Cassel die ersten Keime einer- Kultreform aufblüheten, wahrend ganz Deutschland noch das Eis der Erstarrung bedeckte, in der zu Cassel das erste Consistorium war, die ersten Schulen entstanden. Es scheint ein eigenes Geschick über die Städte zu wandeln, die in der Jakobsthn'scheu Zeit in frühreifer Bildung austauchten i Was ist nicht aus Berlin geworden! - Dr. B.... r. Leipzig, 30. Marz. (Fortsetzung.) Das Verbot des Klein- und Ausschnitthandels beschränkt sich jedoch nur aus Geschäfte, welche Ausnahme in eine Innung erfordern. Zum Grosso- und Speditionsgeschäft ist Concession des Ministeriums des Innern erforderlich. VII. Die Zahl der jüdischen Meister, welche auch in die Innungen ausgenommen werden und die daraus entspringenden Rechte erlangen sollen, jedoch christliche Lehrlinge nicht aufnehmen dürfen, soll rite das Verhältniß der jüdischen zur christlichen BevöLkerung Übersteigen, und wird deßhalb bis auf weitere Perordnung für Dresden auf 27, für Leipzig auf 3 festgesetzt. Doch ist denselben der Verkauf nicht selbst gefertigter Maaren nicht gestattet. Vül. Jeder einheimische Jude darf ein Grundstück, aber nicht mehr, erwerben, jedoch ist ihm unter zehn Jahren nach der Erwerbung — vom Tage der gerichtlichen Zuschreibung an —- dasseibe zu veräußern nicht gestattet, den Falleiner Erbcheilung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.