Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1840)
- Article
- Trier: Nekrolog des M. Lazarus ...
- Date
- 1840-05-02
- Page
- 137 (sequence 1)
- Language
- German
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137 den her, worauf noch vieles andere Gute gesäet werden! kann. Mit diesem Institute dürfen wir vor die Welt treten und sagen: Seher, das ist ein Werk freier Milde, das keiner Misdeutung fähig ist und für sich schon den Grad der sittlichen und socialen Bildung der Bessern in unserer Gemeinde documentirt." In der That, die wenigen Judenhasser, die noch existiren, könnten an der Wirksamkeit dieses edlen Vereins eher eines Bessern belehrt werden als an der lügenhaften, famosen .Geschichte der Ermordung eines Paters durch Juden in. Damaskus. (L. A. Z.) Sottet0, 13. April. Ein Schrecken ergriff unsre Gemeinde als wir am 9. d. erfuhren, daß ein Schlagfluß unfern Oberrabbiner und Chef des israelitischen Consistoriums des hiesigen Regierungsbezirkes getroffen habe, und ungeachtet man in aller Eile alle möglichen ärztlichen Mittel anwendete, war derselbe doch nicht mehr zum Bewußtsein zu bringen und wenige Stunden nachher beschloß derselbe sein irdisches Leben in einem Alter von 67 Jahren. Obgleich derselbe nichts weniger als von seiner Gemeinde und Diöcese geliebt wurde, so versöhnte der Tod doch alle Parteien und an seinem Grabe weinten Jung und Alt, besonders durch die ergreifenden Reden der Herrn L. Schloß und M. Heß des Rabbinatskandidaten. Dieser Oberrabbiner Moses Lazarus stand dem Const'storium hier 13 Jahre vor. Ein Anhänger des mittelalterlichen Judenthums war derselbe dem Studium der Wiffenschaften sehr abhold, von der deutschen Sprache kein Freund, und konnte daher auch nicht bewogen werden, dem Auerbachischen Lehrbuche der israelitischen Religion seine Approbation zu ertheilen, obgleich derselbe ihn wiederholt darum ersucht hatte. Daß weder die Schule noch die Kanzel unter seiner Verwaltung gewonnen habe, versteht sich von selbst) und als ein Rabbinatskandidat deutsche Vorträge in der hiesigen Synagoge halten sollte, wurde es von demselben Hintertrieben und für eine sündhafte Handlung erklärt, wodurch dieselben auch bis jetzt hier vermißt wurden. Uebrigens war dieser Seelenhirt nicht nur streng religiös, sondern auch ein Wohlthater der Armen, äußerst demürhig, und in jeder Lage des Lebens ganz seinem Gotte ergeben. War er nun auch beim Empfange seiner Einkünfte etwas rücksichtslos, so ließ er dagegen die Bedürftigen es genießen und mancher thätige Hausvater ernährte sich zum .Theil durch Vorschüsse, die er denselben ohne Interesse machte. Friede seiner Asche. Es kommt nun daraus an, einen Mann an die Spitze zu stellen, der unsre Angelegenheiten zum Nutzen und Frommen aller israelitischen Bewohner unsers geliebten Vaterlandes zu leiten im Stande ist. Daß derselbe auch der jüdischen Theologie in jeder Beziehung mächtig sein muß, bedarf keiner Erwähnung. Aber ein großes, wahrlich ein sehr großes Unglück wäre es für die mosaischen Bewohner unsers Regierungsbezirkes, wenn wir wieder einen Mann zum Oberrabbiner bekämen, der , allein im Talmud und im spitzfindigen Disputiren groß, jeder akademischer Bildung aber baar wäre. Denn unsere städtischen, so wie unsre Staatsbehörden sind sehr human gegen uns gesinnt, sie befördern gern alles Gute bei den Israeliten. Sie wiesen uns nicht nur ein Local für die israelitische Elementarschule in einem städtischen Gebäude unentgeldlich an, sondern zahlen auch jährlich eine verhaltnißmäßige bedeutende Summe zur Unterhaltung des Lehrers zu Gunsten der armen schulpflichtigen Kinder. Für Schulutensi'lien und anständige Wohnung für den Lehrer, ja sogar für die Witwe des verstorbenen Lehrers, wird von den städtischen Behörden gesorgt, und jeder Schritt vorwärts wird von der hochlöblichen Regierung gerne gesehen und befördert. Bekommen wir nun -einen Geistlichen, der bei aufrichtiger Gottesfurcht seine talmudische Wissenschaften mit akademischer Bildung zu würzen und zu moderiren versteht) so werden unsre Schulen aufblühen, die Moralität der hiesigen Israeliten gehoben und vieles andere wird besser werden. Wird aber diese Stelle Jemanden an vertrau t werden, der blos im Talmud bewandert ist, oder auch vielleicht einen nothdürstigen deutschen Vortrag halten kann, ohne wahre klassische Bildung, dann gehen wir nicht nur sehr vieler Vortheile verlustig, sondern gerathen in Zustände, die ich nicht schildern mag. Möge Gott unsere Vorsteher und Notabeln den rechten Weg führen. Ccrfsel, 17. April. (Schluß.) Von Seiten des Staates die freieste Stellung, von Seiten unserer christlichen Mitbürger der schönste Geist der Humanität und Liebe; aber in unfern Glaubensbrüdern noch der alte Knechtesst'nn, noch der finstere Geist des Talmuds, der genährt von ihrem geistlichen Oberhaupt noch lange uns umdüstern, und jeden Aufschwung zum Besserwerden, jede Annäherung zu unserer religiösen Wiedergeburt, zu einer geistigen und sittlichen Emancipation hindern wird. Oder muß es uns nicht ein tiefes Schaawgefühl abnöthigen, wenn trotz unserer Emancipation die alten Klagen über Unterdrückung und Verfolgung noch ln unfern Synagogen gebeten ertönen; wenn trotz unserer unbeschränkten Aufnahme in den 'bürgerlichen Verein, trotz der Hochherzigkeit und Liebe, welche uns das Vaterland beweist, noch das alte, in die Zeiten des Hasses und der Knechtschaft gehörende Religionssystem in unserm ersten Religionslehrer seine Vertretung findet? Trösten Sie uns nicht damit, das man nach und nach doch weiler gehen werde. Man wird höchstens mit dem Zeitgeiste kokettiren, ihm hie und da auch ein scheinbares Zugestandniß machen. Aber zu etwas Ersprießlichem wird es nicht kommen. Und wäre nicht die Wirkung einer Hellern Zeit, welche bei so vielen unserer Brüder, besonders in der Hauptstadt, von selbst sich geäußert