Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 17 (25.4.1840)
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1840-04-25
- Page
- 272 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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271 Literarische Ankündigungen. 272 Literarische Ankündigungen. In diesen Ankündigungen werden literarische Anzeigen aller Art, so weit sie jüdische und orientalische Geschichte und Literatur betreffen, gegen Einen Groschen für die gespaltene Petit-Zeile oder deren Raum ausgenommen. [öS.] In Warschau bei W. I. Lebenssohn ist erschienen und sowohl durch den Verfasser, als durch jede Buchhandlung daselbst ist zu beziehen: "SD D'>at&’n n n i n oder Lehrbuch der astronomischen und optischen Wissenschaften so wie die Sonn- und Mondberechnungen und deren Finsternisse. Nach den neuesten astronomischen Untersuchungen bearbeitet mit 2 Kupfertafeln und 12 austconomischen Tafeln von Chajim Selig Slonimslii. 8. Preis 1 Lhlr. Dieses gelehrte Werk, von welchem der gelehrte Nachnuin Krochmal in Brody, Abraham Jakob Stern und Jakob Lugend hold in Warschau mit großer Begeisterung gesprochen, und in welchem auch das Sendschreiben Rapaport's sich befindet, ist gewiß das trefflichste, was auf diesem Gebiete in der Neuzeit erschienen ist. Am Schluffe giebt der Verfasser eine Abhandlung über die Lekufot, wobei die jüdischen Schriften, wie Sefer Ha-Jbbur des Abraham Ha-Nasi, Icsod Ola m des IsaakIisr a ö l i, Ki d u s ch h a - C h o d e s ch des M a i m u n k, Le ch unat h a- Sch amet j tm des R a fa o l Hannover, S ch e - d i l e d e - R e k i e des E l i j a h u H e ch i m Rücksicht genom - men wird. s59.1 Bei C. L. Fritz sche,ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: d n n n k Streitschrift die Echtheit des Sohar und de» Werth der Kabbala von Leon Modeuese. Nach einer Handschrift zum ersten Mal herausgegeben v o n Julius F ÜT 81. In 8. Preis 1 Thlr. Inhalt der 3l Kapitel: 1) Die Verketzerungssucht der Kabbalisten, namentlich gegen Maimuni und Abravaneli. — 2) Grundangabe des Verfassers über seine Abwehrung des Kabvalastudimus bei dem Erlaubtsein anderer exotischen Wissenschaften. Beweise, daß das Erfassen der Kabbala weder vom Talmudstudium noch vom Judenthume abhängt. — 3) Der kabbalistische Bet-Josef hat weder den berühmten Ari noch den M. Cordovexo verstanden, obgleich er sich rühmt, einen himmlischen Vertrauten (Magid) besessen zu haben, der ihm die Geheimnisse des Gesetzes verkündet hätte. — 4) Nachweis , daß die eigentliche Kabbala (Überlieferung) nicht vorhanden sei, und daß sie weder Wissenschaft noch Chachmat Ha-Emet genannt werden kann.— 5) Weder die Gegenstände der Kabbala noch der Zweck derselben ist ein wissenschaftlicher; ihre Beweisführung, indem sie dieselbe nur aus sich selbst herholt, ist unwissenschaftlich, am Wenigsten ist ihre allegorische Deutung des Gesetzes annehmbar. — 6) Die Bestimmungen : A zil o t, Sesirot, Orot beruhen.auf falsche Voraus-" Verlag von C. L. Fritzsche. setzungen, die metaphysischen Principien bringen in die Religions- Philosophie kein Licht, die vermeintliche höhere Erkenntniß der Kabbalisten ist bloß die Frucht des mystischen Eigendünkels. — 7) Das Geheimniß der Gotteseinheit, der Weltleitung kann nur durch die Philosophie erforscht werden. Die Lehren von den mysteriösen Gottesnamen, von den Sesirot, sind heidnisch. — 8) Die Kabbalisten verdammen jede Gesetzesübung, sobald sie ohne Erforschung des Grundes geübt wird, aber mit Unrecht. Wir sollen zwar die Gründe der Gesetze erforschen, aber das Nichtwissen der Gründe gibt noch keinen Dispens. — 9) Die Polemik des Nibasch gegen die vorgeblichen Mysterien der Tesilla. Das Anrufen der Sefirot bei den Kabbalisten ist ein Götzendienst.' 10) Die Sesirot sind den zehn Ausdrucksweisen in den Psalmen nachgebildet. Die kabbalistischen Zahlen- und Alfabetensysteme sind so unzuvcrläßig, daß man eben so gut das Entgegengesetzte daraus herleiten kann. — 11) Der Sohar gehört nicht zu den überlieferten Büchern, hat weder biblische, noch talmudische, noch geonaische Geltung, da man in der Praxis (Halacha) nie dem Sohar folgt. — 12) Die G e o n i m wußten nichts vom Sohar als Buch, sie verwarfen die Elemente der Kabbala und auch Maimuni sammt seinem Lehrer Alfasi wußten nichts vom Sohar. — 13) Der Glaube an Gilgul, ein wesentlicher Lheil der Kabbala, wurde von den Geonim, von Josef Albo, B i t e r a sr, Salomo Aderet u. A. verworfen. — 14) Das System der Kabbala hat an sich keine Einheit; Cordovero, Ricanati, Joses Caro streiten unter einander über das System, und verketzern einander. — 15) Als überlieferte Wissenschaft sollte die Kabbala wie Lora Schebaal Pe nicht ausgeschrieben werden. Die Bücher Iezira, Bahir, Sohar, Likunim sind aber nur wie andere Bücher. Die Kabbala ist blos ein mißverstandener Platonismus. — 16) Bei den Büchern Iezira, Sohar, Bahir hat man von Anfang an die Verfasser bezweifelt, bei allen hat man schon früh ihre spätere Entstehung behauptet. — 17) Die Entstehung des Sohar war plötzlich. Rabbi Simeon Ben Iochai kann den Sohar nicht verfaßt haben, wenn man Inhalt-und Form, Bezüge und Grundsätze, namentlich wenn man die eigenen Aussprüche Ben-Iochai's in den Lalmuden vergleicht. — 18) Der Abfasser des Sohar hat den Lalmud und die Halacha nicht verstanden. — 19) Ben -Iochai hat Antheil gehabt an der Mischna, der Sohar aber widerspricht der Mischna. Die beiden Lalmude, Sifra, Pesikta, Scheeltot, alle wissen nichts vom Sohar. — 20) Der Sohar trägt auch in Bezug auf exotische Wissenschaften Spuren der mittelalterlichen Mangelhaftigkeit. — 21) Die Lobeserhebungen und die im Sohar erzählten Wundergefchichten von Ben-Iochai beweisen, daß er nicht der Verfasser sei. — 22) Der Sohar wurüe zu einer Zeit geschrieben, als die aramäische Sprache nur Sprache der Gelehrten und nicht der Idioten war, und das war gegen das Ende des Mittelalters. — 23) Die wahre Entstehungsgeschichte des Sohar, entnommen aus Juchasin der Konstantinopel'schen Ausgabe. Mose di Leon ist Verfasser. — 24) Die Beschwörungslehre ist nur ein Lheil der Schwarzkünstlerei. — ■ 25) Die Wundermahrchen von den Kabbalisten sind erlogen, bewiesen durch die Kabbalisten selbst. — 26) Die Kabbalisten waren oft moralisch schlecht und in der Wissenschaft bornirt. — 27) Die Kabbalisten trieben ein sündhaftes Spiel mit dem Heiligsten. — 28) Die Kabbalisten halten das Abirren vom Glauben durch die Kabbala für kein Vergehen. — 29) Der Sohar hat durch seine Verbreitung, namentlich durch den Druck, Verführung und Unglauben verbreitet und oft namenlose Geistesversinsterung herbeigeführt. — 30) Die Kabbalisten haben den jüdischen Glauben in Bezug auf die Gotteseinheit verlassen. — 31) Durch den Sohar sind viele Israeliten zur Mystik des Christenthums hingebracht worden, durch ihn ist die Sabbataer-Sekte entstanden, und Lausende dem Glauben Israels abwendig gemacht worden. Diese ausführliche Inhaltsanzeige wird hinreichen, das Buch dem Publicum zu empfehlen; der treffliche Index und die Anmerkungen, die im Buche durch Pelcni Almoni bezeichnet sind, hat mit großem Fleiße Herr S a l e m o n R o se n t h a l aus Pcfth dazu angefertigt. Druck von I. H. Nagel.