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Der Orient · 1840-04-25 · Heft 17 (25.4.1840) · p. 131

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 17 (25.4.1840)
Article
Leipzig: über den Zustand der Juden in Sachsen
Date
1840-04-25
Page
131 (sequence 2)
Language
German
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131 IV. Die einheimischen Juden können nach freier Wahl ein Gewerbe betreiben und hierzu das Ortsbürgerrecht so weit es die Städteordnung dazu erfordert, erlangen, wodurch aber V. Kein Anspruch auf Municipal- und politische Rechte begründet wird. VI. Der Klein- und Ausschnitt-, Schacher- und Trödelhandel, das Halten von Apotheken, von Gast-, Speise- und Schankwirthschaften und Branntweinbrennereien bleiben ihnen jedoch unerlaubte Gewerbe. Doch wird der Schacher- und Trödelhandel denjenigen als Nothhandel durch besondere Eoncession sortzufetzen oder zu beginnen bewilligt, welche außerdem der Armen Versorgung anheim fallen würden. (Fortsetzung folgt.) Ungarn. Pesth, 15. April. (Forts.) Ueberhaupt, könnte man sagen, Ungarn ist eine in sich abgeschlossene Welt, welche beide Hemisphären und Meinungskontraste des Judenthums in sich vereinigt: die Ultcarationalisten und deren Antipoden, die Stockorthodoxen. Wahrend man auf der einen Seite mit vollem Herzen dem Hellern Verbesserungssysteme der Neuzeit sich zuneigt und mit empfänglicher Theilnahme begeistert der Reform huldiget, waltet auf der andern der Dämon des unbiegsamen und störrigen Chassidäismus und verbreitet düstere und dichte Nachtnebel der Obscurität rings umher. Man könnte, genauer betrachtet, mit Wahrheit behaupten: jede Gemeinde für sich bildet ein solches, die beiden Endpunkte des Sektenschisma's in sich vereinigendes Universum; während man in dem einen Hause mit formgläubiger Strenge und zitternder Aengstlichkeit kabbalistische Schnörkeleim bis ins kleinlichste beobachtet, wird in dem andern alles und jedes Zeremoniell außer Acht gelassen, und dies eben ist die Gährung, die zur Zeit im Judenthume obwaltet, dies die Symptome einer baldigen Krisis, die eine Umwälzung, Auferstehung und Verjüngung des geläuterten Glaubens herbeiführen wird. — Wir stehen mit den Füßen noch auf dem Boden der alten Erziehung; Gewohnheit, Herkommen, jugendlicher Eindruck, Verhältnisse, zum Theil auch Bequemlichkeit ist's, die uns mit magischer Gewalt daran fest gebannt und gezaubert halten. Ragen wir auch mit dem Haupte in die Ansichten der Neuzeit herüber, und mahnt uns auch die gellende Stimme der Zeit, gänzlich herauszutreten; wir wagen es nicht, beben es zu thun, ziehen uns ängstlich wieder zurück — wir wollen lieber ganz im Wasser, als im Schlamme eines unsichern Ufers waten. Aber bald wird durch die milde Sonnenwarme einer allgemeinen Aufklärung dieser Moorgrund ausgetrocknet, dieser Licht- und Wolkenkampf ausgeglichen und entschieden sein, und eine lichte Folgezeit der kommenden Generation entgegen lächeln! — Bedeutend mehr ist für Schulwesen und Jugendunterricht bereits geschehen, und täglich mehr erfreuet sich letzterer Punkt der allgemeinen Theilnahme, Entfaltung und Ausbreitung. Bereits habenPreßburg, Pesth, Arad, Warasdin, Szegedin, Groß-Kanischa, Rechnitz, Eisenstadt, Mattersdorf, Kreutz mehr oder minder wohleingerichtete Schulen. Aus mehrern Seiten sahen wir solche Institute entstehen und bald darauf wieder eingehen. Die Ursachen hiervon anzugeben und Bemerkungen hierüber überhaupt sparen wir uns auf spatere Details- und Lokalschilderungen. Wir eröffnen den Reigen der Detailgemälde unserer Localschilderungen einzelner Gemeinden Ungarn's mit Preßburg, als einer der ältesten, bedeutendsten und einflußreichsten Communitäten dieses Königreiches. Schon darum des Vorzuges werth und würdig, da sie es war, in welcher der lichte Verklarungssirahi der Neuzeit und das vom erhellten Zeitgeiste gestreuete Saatkorn der Verbesserung zuerst einen warmen und empfänglichen Boden gefunden; da sie es war, in welcher die ersten Keime und Typen, eines zeitgemäßem regelrechten Jugendunterrichtes sich aufs Löblichste zeigten und zu allmäligem schönsten Gedeihen entfalteten. Sie war es, die, als lichte Feuersäule in der Nacht der Obscurität und Orthodoxie, ihren nachbarlichen Schwestergemeinden als musterhaftes Vorbild voranging, und sie bildet den Brennpunkt, von welchem die zündenden Funken der Nacheiferung, der pädagogischen und stientisischen Erleuchtung ausgegangen. Sie ist es, die durch den Ciklus der humansten, schönsten und wohlthatigsten Stiftungen, nützliche Anstalten, fromme Innungen und Brüderschaften glänzend hervorragt, und sie ist es, in welcher alles Gute, Schöne und Edle, Anklang, Theilnahme und Aufmunterung findet, welche die milden helfenden Brüderarme ihrer unerschöpflichen unversiegbaren und unermüdlichen Wohlthatigkeitsquelle nach allen Seiten hin erstrecket, und in jedem Betrachte mit Recht den Namen einer friedlich treugesinnten Mutterstadt in Israel sich erworben. Was das historische Alter dieser Gemeinde betrifft, so dürfte, den,wenigen und kärglichen geschichtlichen Daten zufolge, ihr Entstehen in das zwölfte Jahrhundert fallen; indem, dem Reste der Notizen nach, sie damals als ausgebreitete Gemeinde den Mittelpunkt der Stadt bewohnt und dem jetzigen Nachhause gegenüber ihre Synagoge gestanden haben sott. Ueber die Zwischenzeit, von damals bis zum Beginne des achtzehnten Jahrhunderts, sind die schriftlichen Marksteine aus dem Archive der Zeit geschwunden und kein stummer Hyroglyphe kündet das Geringste von deren Existenz. Aller Wahrscheinlichkeit nach, haben auch sie die fanatischen Wermchtungsstreiche mittelalterlicher Verfolgungszeit mit schwerer Hand getroffen.und ihrem Bestehen ein zeitweiliges Ende gemacht.. Selbst die ältesten Grabsteine ihres Friedhofes und die Plafondinschrift der großen Synagoge bekunden, so weit die Lesbarkeit es gestattet, ein kaum über hundert Iah-

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