Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 16 (18.4.1840)
- Article
- Bemerkungen zum Orient
- Date
- 1840-04-18
- Page
- 251 (sequence 2)
- Language
- German
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251 252 Literarische Analekten. Nochwehr gegen drei Recensenten. auf persisch der Schreiber, sondern woher die Perser das Wort De dir, um damit den Schreiber zu bezeichnen, genommen, worauf dann die Beweisstelle aus der Bibel richtig paßt. Also auch für das eigentlich persische Wort suchte man eine Asm achta. — Das. 40. Anm. 4. Unser jetziges Betlehem, sagt Hieron., umschattet ein Hain des Lamus, das ist, des Adonis u s. w. Die Stelle über Tamus bei Ezechiel (8, 14), wo es heißt: siehe, die Weiber beweinten den Tamus, scheint sich auf den Brauch der Phönizier zu beziehen, den Strom Tamus, wegen seiner rothen Farbe durch ange.schwemmte röthliche Erde, als hatte er den Adonis getödtet, zu beweinen (Jolifcs Reisen in Pal."), dahee nur an den Ufern des Flusses. — O. 34. erzählt Dr. Morporgo, daß die ostländischen Juden glauben, es begleiten den Menschen von seiner Geburt an zwei Engel, ein guter zur Rechten und ein böser zur Linken. Dieser Glaube hat aber seine Quelle im Talmud (Sabbat c. Kol Kitbe) und ist nicht blos ein Glaube der Ostländer. Die Furcht der Wöchnerinnen vor den Schedim hat seine Quelle in Erub i n (c. Osin Passin zu Anfang und zu Ende von Pesachim c. Arbe Pesachim). Uebrigms sind alle dort aufgezählten Sitten auch allgemein bei allen -alten den Reformen noch nicht hingegebenen Juden. (Fortsetzung folgt.) Nothwehr gegen drei Recensenten meines Buches: Zue Geschichte der jüdischen Poesie. Bon Dr. Fr. Delitzsch. I- (Schluß des ersten Artikels.) Das Citiren ist nöthig, wo es gilt, den Erfinder des Neuen, den Gewährsmann des Zweifelhaften, den Träger des Individuellen namhaft zu machen; es ist freigegeben, wo es zweckdienlich erscheint, den Leser zur Nachlesung eines Anderweiten zu bestimmen; es ist aber unnütz, wenn der Leser dadurch nur genarrt wird; eitel, wenn der Schriftsteller dadurch seine große Belesenheit zeigen will; schmeichlerisch, wenn es nur auf das Lob des Citirten abgesehen ist, ohne daß eine moralische Nothwendigkeit es erheischt. Wer ein Buch schreibt, der giebt sein Wissen preis, der hat zum Zweck, es zum Gemeingut zu machen, und wenn er sieht, daß Andere es in sich aufnehmen, mit dem ihrigen vereinen, und nach Kräften verarbeiten, so hat er eben erreicht, was er intendirte, und macht sich lächerlich, wenn er über Diebstahl klagen will. Wem sein Wissen so sacrosanct ist, daß er es nicht profan machen mag, der behalte es für sich, und denke immerhin, daß die Welt sein nicht werth ist. Wer Benutzung seiner Weisheit für eine diebische Unbill hält, der halte sie unter Verschluß. Ein Buch ist als geistiges Ganze fort und fort das Eigenthum des Verfassers, als mercantilischer Artikel das Eigenthum des Verlegers; aber als schriftliche Belehrung ist es in allen Einzelheiten seines Inhalts d a s E i g e n r h u m desPubliku m S, es ist publici juris. Wer es nachdruckt, wer es unter einem andern Namen, als dem des Verfassers, ganz oder theilweise wieder herausgiebt, vergreift sich an fremdem Eigenthum; wer es aber benutzt, dem hat der Verfasser, wo er anders nicht blos zu seines eignen Namens Verherrlichung geschrieben, im Interesse der Wissenschaft zu danken, wenn er ihn auch zehnmal weniger citkrt, als es hätte geschehen können. Aber Herr Dr. Jost sagt, daß ich Zun z's Gottesdienstliche Vorträge mehr denn 60mal benutzt habe, ohne sie zu nennen. Alles, was S. 32 — 40 meines Buches gesagt ist, soll dieser Quelle angehören. Diese Nachweisung soll wohl nur ein Beispiel meiner Plagiate sein, die, wie das „Mehr denn 60mal" besagen soll, unabsehbar ist. Daß ich S. 33 (nicht 32) — 40 Zunz' Gottesdienstliche Vorträge benutzt, da ich dort die Spuren und Anklange der Poesie in dem Midrasch und der Halacha, in der ethischen und geschichtlichen Hagada der talmudischen und geonaischen Zeit nachzuweisen suche, versteht sich von selber. Ich befand mich da auf einem Gebiete, welches Zunz bereits gelichtet und durchmessen hatte, aber ich habe seine Berichte nicht blindlings angenommen, sondern, von. ihm geleitet, mit eignen Augen gesehen. Die poetischen Bruchstücke in den Talmuden habe ich mühsam zusammengesucht; eins meiner Adversarien ist gefüllt mit den Dichtungen des talmudischen, ein anderes mit denen des geonäischen Zeitalters. Daß ich Pirke Abot mehr denn einmal gelesen, wird mir Jeder gern glauben; daß ich die S." 33 und 34 erwähnten ethischen Traktate nicht blos von Hörensagen kenne, nicht minder. Die Ester-Targumim, die Venedig 1545 bei Cornelia Adelkin'o erschienenen 9 Sagenbüchlein, das Buch Hajaschar gehören meiner frühesten Lectüre. an. Ob endlich meine Relation über P se u d o - I o se p h u s nicht Weniges enthalt, was man bei Zunz S. 146 ff. nicht findet, darüber mögen die urthcilen, welche die Mühe der Vergleichung sich nicht verdrießen lassen. Ich bin mir bewußt, daß ich zu meiner Schilderung die einzelnen charakterhaften Züge durch eigne Lectüre des Jusifon gewonnen habe, urgire aber immer wieder, daß meine Tendenz dahin ging, meinen Stoff zunächst nicht mikrologisch zu durchdringen, sondern aus dem Gesichtspunkte meines Themas in einer für Kenner nicht ungenügenden, für Dilettanten aber anziehenden Weise abzugrenzen und allemal in das gehörige Hauptlicht zu setzen. Ich bin mit dem oft zu luxuriirenden Style, der, wie ich offen gestehe, durch die moderne Literatur stark influirt war, selbst nicht zufrieden; jedoch ich weiß, daß ich selbst da, wo ich Bilder auf Bilder häufe, nach dem rechten, Ausdrucke für eine mühsam gewonnene Anschauung haschte. Wie gerecht aber das „Mehr denn 60mal" des Dr. Jost ist, mag ihm der mir fort und fort respektable und wohlgeneigte Forscher (wie mein Catalog und mein Jesurun beweisen) selbst sagen. Dr. Zunz schrieb am 19- Oct. 1836 an Dr. Fürst: „Herr Dr. D. wird in dem sehnsüchtig erwarteten zweiten Theile seiner jüdischen Poesie wohl Gelegenheit haben, nachzutragen, daß Th. 1. S. 19—21. 33—40. 51. 52. 64 unten. 139. 163 unt. 191. nach meinem Buche gearbeitet ist; von solchen Geistern freue ich mich recht oft genannt und vor dem Publikum geehrt zu sehen." S. 19 bis 21 bezieht sich vorzüglich auf das Resultat über das Atter des Schemen e- Esre; denn das über Sirach Gesagte ist durch gründliches Selbststudium, wie S. 198 ff. 204 f. beweisen, zu meinem Zwecke verarbeitet. Zu S. 51. 52. ist Zunz in einer Weise, die ich für die ehrenvollste hielt, genannt. *) *) In der dort aus Zunz angeführten Stelle ist für „Halacha" Hagada zu lesen.