Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1840)
- Article
- Breslau: die dortigen Vereine und Institute
- Date
- 1840-04-18
- Page
- 120 (sequence 2)
- Language
- German
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120 der Juden in Breslau hinauf, und gewissermaßen ist sie das festeste-'Band der Gemeinde.- Diese Anstalt wird jetzt ein neues Local erhalten durch' die großartige Munisicenz des : Herrn I ö n a s F r a n k e l, der ein ' neues Hospital errichten laßt, dessen'Kosten sich mindestens auf 60,000 Thlr: belaufen werden,''unddas hoffentlich Ende dieses Jahres fertigdastehen wird; eine' Zierde dei/ Stadt und der Gemeinde/ die schönste Zierde aber ' für den edlen Erbauer! Glaubwürdigen Mittheilungen zufolge beabsichtigt dieser edle Mann auch für das Waifeninstitut ein eigenes Local zu begründen. -—; - ' ■ * * ' Dresöen, 22. Marz. Der statistische Verein daselbst giebt die Bevölkerung von Sachsen in den genauesten Daten und Zahlen' an, und wir entlehnen für den Orient die Zahlen der Juden: In ganz Sachsen befanden sich im December 1834: 848 Juden; bis 1837 jährliche Verminderung: 7. — Juden giebt es in Dresden 653, in Leipzig 182, in Zwickau 9, in Bautzen 4. 'Leipzig, 30. Marz. (Forts.) b) den in Dresden und Leipzig einheimischen Juden den möglichst freien - Weg zum redlichen Gewerbsbetriebe zu eröffnen, sie dadurch einer nützlichen Thatigkeit im Staate zuzuführen und selbst durch die daraus folgende mehrere Verschmelzung ihrer Jntressen mit denen der übrigen Staatsangehörigen/ so weit es , überhaupt geschehen kann, die volksthümliche Absonderung mehr und mehr zu verwischen; und daß man c) mittelst Cultus und Schulunterricht auf die ^religiöse, sittliche und übrige Bildung der Juden nach Kräften wirke. Aber, wer sollte es denken! jene vorgeschtagenm Beschränkungen wurden von der ersten Kammer gemacht, wo auch nicht einmal die'Entschuldigung wegen- Auftrags der Wähler, öder nothwendige Vertretung der anvertrauten Handels- und Gewerbsinteressen, in Anschlag gebracht 'werden konnte. Ja, die Kammer, in deren Mitte sich auch nicht eine einzige Stimme für unbedingte Gleichstellung vernehmen ließ — verhehlte ihre Ansicht nicht, daß die Erfahrungen anderer Lander ihnen Bedenken einflößten, besonders die eines Nachbarstaates, den man gar zu gern erwähnte, weil einige eingereichte Schriften sich am gehässigsten über die dortigen jüdischen Verhältnisse zu den der übrigen Bevölkerung verbreiteten , welche jedoch keinen Einfluß auf das Urtheil der sächsischen Vertreter auszuüben verdienten. Mehr'aber noch, so konnte behauptet werden, waren es die gelehrten Deduktionen, welche den Mitgliedern in Rücksicht auf tiefe Kenntmß der Geschichte bei dem Ausland hohe Achtung erwerben werden, aber dem Rechte, welches' den'Juden zur Seite stand und nach alle Kraft entriß, bis selbst der Gesetzentwurf zum Skelett entstellt war. Denn war es Ernst, den Rechtlosen zu dem zu verhelfen, was ihnen gebührte, so müßte man die abgeschmackten Vorurtheile von Wucher und Betrug aufgeben. Der Entwurf schien diesen Vorsatz gefaßt zu haben, da er dem lange Verachteten alle Gewerbe freigab. Kaum, aber war man so weit, da wurden sie.plötzlich 'wieder für nichts anders als Verdächtige erklärt; denn es bleibt dem allgemeinen'Urtheile überlassen, das beschönigende „Verfälschen," der Wahrheit gemäß, zu interpretiren. ' So wollte man . sie immer noch von der vorausgesetzten Jmmöralitat .heilen, welche doch durch die Berücksichtigung ihres Unterrichts und ihrer Beobachtung der'Criminalgefttze die beste Widerlegung erhalten Hatte. Aber wäre selbst die Beschuldigung der Jmmöralitat gegründet, war die stete Erwähnung derselben ein Mittel zur Besserung? Man mache dem Verbrecher auf Botany-B'ai jeden Augenblick von neuem den Vorwurf seines Diebstahles, feines Mordes, erniedrige ihn immerhin durch Schmähung — er wird wohl schwerlich der Sittlichkeit Opfer bringen! Schon die Frage, wegen des den Juden zum Zwecke der Religionsübung zu gewahrenden Grundeigenthums, welches die erste' Deputation, trotz dem Widersprüche der Gesetze von 1718 und 1772 dringend anempfohlen. - hatte, machte die erste Kammer zum Gegenstände , solch, einer umständlichen Berathung, da ja die Furcht herrschte,- man möchte eo ipso den Juden schon vorläufig den Grundbesitz einraumen ■— wahrend sie schon seit tanger Zeit ohnedieß ein Gemeindehaus besaß -— daß man eine übertriebene Aengstlichkeit darin nicht verkennen konnte. Hier war es schon, wo der für Eisenmengersche Theorie, hochentflammte Redner sich vielfach zuerst hören ließ/ derjenige welchem allerdings die Ehre gebührt/ mir eiserner Eonsequenz.die Früchte des Studiums des Mittelalters der Welt dargelegt zu haben; ein Streiter'für die Glaubenssache, welcher den ritterlichen Sinn stets beurkundete, und wenn der Zweck dieser gedrängten - Darstellung ' es : erlaubte, gewiß eine größere Aufmerksamkeit verdient hätte. Nachdem er nämlich? die Kreutzigung in Erinnerung gebracht hatte, predigte er selbst das Kreutz, nebst der Demagogie, rühmte den alten Spruch vox populi vox aei, und wollte die beliebte Sabbatsverlegung wieder auf die.Tagesordnung bringen, was aber nicht gestattet wurde. Bald aber griff eine grundgelehrte Abhandlung Platz, und gewiß mancher Israelit hatte bis zu seinen Urvätern hinauf die systematische Geschichte seines Staates und die Rechts - oder .Rechtlostgkeitsgeschichte seiner Mitbrüder von Titus bis auf unsere Zeit verfolgen können. Selbst von den ihnen schuldigen Rechten war einigemal die Rede, und so kam es, daß man den Gesetzentwurf mit folgender Veränderung annahm; „Die jüdischen Glaubensgenossen, sowohl zu Dresden als zu Leipzig, sollen künftig an einem'ffeden dieser Orte in Eine Religionsgemeinde sich vereinigen, und als solche eine gemeinschaftliches Bet--und Schüllokal haben." — Aber die Toleranz ging weiter: „In Rücksicht des Meßptatzes Leipzigs" (zu dessen Gunsten stets Ausnahmen gemacht worden waren) erlaubte man daftlbst^während der Anwesenheit der die Messe besuchenden Handeltreibenden