Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 15 (11.4.1840)
- Article
- Mordechai Benet
- Date
- 1840-04-11
- Page
- 234 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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235 Biographische Analekten. Nochwehr gegen drei Recensenten. 236 1790 zum Oberlandesrabbinen einstimmig erwählt» Seine talmudische unerschütterlich befestigte Autorität, wurde noch durch ein ihm ertheiltes kaiserliches Diplom begründet, welches auf eherner Platte das Siegel der Regierung umfaßte und worin er als höchste rabbknifche Instanz in Mähren anerkannt wurde. Er war von.hoher ehrfurchtgebietender Statur und schon sein Aeußcres bekundete den stets regen Geist. Sein Fleiß war merkwürdig. Spat zu Bette gegangen, war er täglich schon um vier Uhr Morgens in seiner Studirstube, wo er bis zur Betstunde verweilte, dann in das öffentliche Bethaus ging, seine Andacht verrichtete und dann eine Stunde lang dort blieb, um einen Abschnitt aus den Turim durchzugehen. Hierauf kehrte er nach seinem Hause zurück, wo ihn, tan gefrühstückt, eine Anzahl von einigen hundert Schülern erwartete, denen er bis 2 auch oft 3 Uhr Nachmittags täglich talmudische Collegien hielt. Den Pilput haßte er und wenn ein voreiliger Schüler ihm einen Einwurf der Art machte, so verwies er ihn. Nach seiner Vorlesung ging er auf sein Zimmer, wo ihn erst Gememdeangelegenheiten und Briefschaften seiner ausgebreiteten gelehrten Korrespondenz erwarteten, welche letztere er aber erst des Nachts 11—12 Uhr abfertigte. Der More des Maimonides war sein Lieblingswerk, Mendelssohns Werke kannte er genau, auch mit dem grammatischen Lehrgebäude der hebräischen Sprache — damals bei Rabbinen eine Seltenheit — war er sehr vertraut; sein hebräischer Styl war rein und geläutert und noch besitzen wir ein bei der Rückkehr Sr. Maj. weil. Franz d. 1. aus Italien 1830 von ihm verfaßtes Gebet. Noch erschien von ihm ein Foliant betitelt 'OTID (Wien, bei von Schmid) und eine kleine Broschüre hagadkschen Inhalts, unter dem Titel Machberet Schenkja seinen Toldot beigedruckt. Als man die fernere Auflage des Talmuds und talmudischer Werke überhaupt verbieten wollte, war er es, der als rüstiger Kampfer dafür austrat und es zu annullkren wußte. Seine Wohlthatigkeit war groß. Schon in seinem fünfzigsten Jahre trennte er sich, ohne Scheidung, blos um allein und mit ungestörtem Fleiße und ungetrübter Heiligkeit seinem Studium leben zu können und im vollsten Einverständnisse mit ihr, von seiner Gattin, die, obwohl er sie innig liebte, sogleich sein Haus verließ und mit welcher er nie mehr allein sprach. In seinem fünf und siebzigsten Jahre nahm ein ihm seit seinem sechzigsten Jahre anhaftendes Nervenüb ei und Leberverhärtung, eine natürliche Folge seiner unausgesetzten sitzenden Lebensweise und seines immerwahrenden angestrengten Nachdenkens so überhand, daß er auf den dringenden Rath der Aerzte wieder nach Karlsbad mußte, wo er am Mittwoche 13. Ab 1329 starb. Seine Leiche wurde nach Lichtenstadt geführt (etwa zwei Stunden von Karlsbad) und vorläufig daselbst begraben. Im Monat Adar aber 1830 wieder ausgegraben und, nach langen Debatten der Rabbinen, seinem ausdrücklichen Willen gemäß nach Nikolsburg geführt, wo er, neben den Gräbern der Oberlandesrabbinen, auch seine bleibende Grabstätte fand. N o t h w e h r gegen drei Recensenten meines Buches: Zur Geschichte der jüdische» Poesie. Von Dr. Fr. Delitzsch. I« In Nr. 13. der Israelitischen Annalen l. I. findet sich, unter der Rubrik: Literarisch-Kritische Briefe, der Anfang eines solchen angeblich aus Gallizken eingegangenen Briefes über mein 1836 erschienenes Buch: Zur Geschichte der jüdischen Poesie, der den Zweck har, verschiedene wichtige Fehler desselben nachzuweisen, und zu diesem Briefe eine indem herbsten Tone geschriebene Anmerkung des Dr. I. M. Jost. Der Charakter beider, sowohl der in epistolischer Form begonnenen Recenston, als der Anmerkung, die Dr. Jost angefügt hat, ist ein solcher, daß eine öffentliche Erklärung mir dadurch ab gezwungen wird. Ich habe die affectuöse und schlechthin destructive Recenston des Dr. Geiger bis jetzt unerwiedert gelassen, aber auch dieses Stillschweigen muß ich brechen, da der anonyme Briefsteller auf sie, als eine genügende Beurtheilung und Würdigung meines Buches, die jede neue Kritik überflüssig mache, sich beruft, und Dr. Jost nach den von seinen beiden Vormanneru mir gelieferten Treffen eine Anmerkung für hinlänglich gehalten zu haben scheint, um mich literarisch vollends zu annulliren. Daß ich aber noch nicht in dem Zustande der Agonie mich befinde, dafür mögen die folgenden drei apologetischen Aufsätze zeugen, von denen ich den ersten Hrn. Dr. Jost, den zweiten seinem g a l l i z i s ch c n Correspondenten, den dritten Herrn Dr. Geiger widme. Ich bin gesonnen, nicht auf eine leidenschastliche Weife das mir zugefügte Unrecht wiederzuvergelten, oder einer gekränkten Eigenliebe, welche sich selber verblendet, Andere verwirrt und die Sache entstellt, genug zu thun, sondern nur meine Persönlichkeit gegen lügenhafte Beschuldigungen und den unterliegenden Stoff gegen falsche Anschauungen zu vertheidigen, da wo die Pflicht gegen mich selber und das Interesse der Sache es dringend erfordert. Herr Dr. Jost erhebt am bezeichnten Orte gegen mich die allgemeine Beschuldigung, daß ich in den jetzt gar zu häufigen Fehler verfalle, mich mit fremden Federn zu schmücken. Diese allgemeine Beschuldigung motivirt er durch die drei besondern: 1) daß ich in der Vorrede meiner Geschichte der jüd. Poesie die im höchsten Grade tadelnswerthe Behauptung ausspreche, es gäbe keine Vorarbeiten, und ich habe keine vor mir gehabt; 2) daß ich im Werke selbst (was nur beispielsweise angeführt zu werden scheint) mehr denn 60mcit aus Zunz Gottesdienstlichen Vorträgen geschöpft, ohne nur ein einziges Mal meine Quelle zu nennen; 3) daß ich einer von denen sei, die auch durch anderweitige Abschreibereien und Mißbrauch von Privatmittheilungen den Schein der Selbstforschung annehmen. Als ich von dem I. 1833 an die hebräische Sprache und jüdische Literatur neben der christlichen Theologie zu meinem fast ausschließlichen Studium erwählte, war gründliche Kenntniß der Sprache und möglichst allseitige Bekanntschaft mit dev Literatur mein Hauptziel. Ich suchte mich nicht allein des biblischen Sprachschatzes zu. bemeistern, dadurch, daß ich das Alte Testament durchlas und das neueste Lexikon zu demselben förmlich auswendig lernte, sondern ich las unter gehöriger Leitung .zuerst Rafchi zum Pentateuch , die drei Commentatoren zu den Megillot, die Targumim zu beiden urta schritt, mir weder Ruhe noch Rast vergönnend, bis zur Lesung des Een