Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-04-11 · 15 (11.4.1840) · p. 231

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
15 (11.4.1840)
Article
Sendschreiben ... an Chajim Selig Slonimski
Date
1840-04-11
Page
231 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8555529-9891396-9891419-2362228--0293-2362262
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

232 231 - Sendschreiben S. I. Rapaport's. Biographische Analekten. als sein Plan, den jüdischen Staat zu restaunren, mißlungen war, hat mait seinen Namen in Bar-Kusba (Sohn der Vereitelung) umgewandelt. Ueber diesen kühnen Helden haben so wohl jüdische als auch christliche Geschichtsschreiber so Manches geschrieben; der gelehrte Barle hat ihm in seinem großen Lexicon einen eigenen Abschnitt gewidmet, und erst in der neuen Zeit hat Munter eine eigene Monographie über ihn verfaßt. Aus meinem handschriftlichen Wörterbuche unter dem Artikel Bar-Kuchba will ich hier dasjenige zusammenstellen, das aus unfern Gegenstand Bezug hat. Es ist bekannt, daß die Benennung Bar-Kuchba nur der Beiname war und nicht der eigentliche, wie schon Münter in seiner erwähnten Monographie aus den noch vorhandenen Münzen, die (j. Maaser Scheni, zu Anfang) n'Ppi'C ni$)0 genannt werden, nachgewiesen. Es waren die Münzen des Kaisers Trajan, die Bar- Kuchba, der mit seinem eigentlichen Namen S i m e o n hieß, hatte umprägen lassen, und dieser eigentliche Name Simeon findet sich auf den Bar-Kuchba'schen Münzen auf der einen Seite, wahrend auf der andern Cherut Jeruschalajim (Freiheit Jerusalems) stand. Aber nicht blos aus diesen Münzen wissen wir, daß der eigentliche Name des Bar-Kuchba „Simeon" war, wie die Geschichtsschreiber glauben, sondern auch aus einer sehr interessanten Stelle des obenerwähnten Midrasch, die ohnehin noch der Erwähnung werth ist. Diese Stelle lautet: rin rann nsro rn mna w ndd in noN nn iSap iin ^in )nn nnji ^on liyw bw mns Duxm^n ^i"in im wie sie dort der Verfasser des Eommentars Matnot Kehunna hergestellt; denn die Parallelstelle im Jeruschalmi.ist sehrfehlerhaft. Der ganze Abschnitt des Midrasch daselbst handelt von Bar-Kuchba und von der Zerstörung seiner Veste Be tar, und ist reich an Daten, welche die Geschichte noch nicht benutzt und die Kritik noch nicht gelichtet hat. (Schluß folgt.) Biographische Analekten« I. ülascr Flefceles, geboren 28. Ab 1754; gestorben Lv.Nisan 1826. Glaser Fl ekel es, durch seine scharfsinnigen talmudischen, wie durch seine schönen und geistreichen hagadischen Schriften bekannt, wurde von einer sehr angesehenen Familie am 28. Ab 5514 zu Prag geboren. Vaterseits war er ein Enkel des N.Wolf Flekeles, Rabbinen zu Prag, und Mutterseits des Otelot Erajim und Maier Perls Rabbinen zu Wien. Von seinem talmudifch gelehrten Vater David Fl. früh zum Talmud angehalten und zu den rabbinischen Vorträgen in die Synagoge geführt, zeigte er zeitlich Lust und Anlage zur Kanzelredncrei, nach den damaligen Begriffen; er versäumte keine Predigt, und wenn er dann noch Hause kam, hüllte er sich in einen Talar, stellte sich ans den Tisch und hielt eine Derascha, mit den Worten: „Laßt mich nur groß werden, dann predige ich auch in der Altneuschule." In seinem sechsten Jahre kam ec zu einem Talmudlehrer, Mose Kohn Rose, dem er später in seinen Schriften ein schöneb Denkmal setzte. Im zwölften Jahre besuchte er die Kollegien des hochgelehrten Maier Fischels und im 14. I. die Hochschule des bekannten R. Ezechiel Landau, der größten talmudischen Celebrität damaliger Zeit, dessen ausgezeichneter Lieblingsschüler er bald wurde. In seinem 17. Jahre vermahlte er sich mit einer Enkelin des durch seine Werke „Sera Abraham" und „En Mischpat" berühmten Abraham Bondi. Obwohl mit einer ansehnlichen Aussteuer ausgestattet, sank er durch unvermuthete Unfälle dennoch bald in die äußerste Armuth und hatte noch von Außen die Kränkung des Neides ertragen müssen, so daß er in seinem 24. Jahre sich genöthigt sah, seine Vaterstadt Prag zu verlassen und die ihm angcbotenen Nabbinate G u t e i n und D o b i tsch a u in Mähren anzunehmen. Ruhig konnte er da seinem Studium obliegen, doch fehlte ihm der Umgang und Ideenaustausch mit Talmudgelehrten, an welchem er von Jugend auf, da Prag damals ekne Jeschiba von mehr als tausend Jüngern zählte, gewohnt, und freudig folgte er, als ihm fünf Jahre darauf eine Dajanstelle zu Prag angeboten wurde, diesem Rufe. Hier begann seine eigentliche wirksame rabbmische Laufbahn. Eine große Anzahl von Bachurim besuchten seinen Hörsal, die meistens späterhin ausgezeichnete Rabbinen wurden, seine Predigten fanden den schönsten Anklang und Beifall und wurden stets zahlreich besucht, in welchen er auch mit eifervoller Energie, Bann und Jnterdkct schleudernd gegen die damals noch allenthalben im Dunkel waltende Sekte der Sbbatäer austrat; seine Correspondenz in rabbinischen Streitfällen erstreckte sich über ganz Europa, bis nach Safet und Marokko. Seine häuslichen Umstände waren nicht die glänzendsten, da ttnterjuristen in Prag keinen fixen Gehalt haben. Bald aber ward seine Lage dadurch gemildert, daß er zum Rabbi des von Joachim Ed. o. Popper und jenes von Israel Frankels durch Fondatkon gestifteten Bet ha-Midrasch's gewählt wurde, von welchen er einen Gehalt bezog. Sein bescheidenes Verdienst fand immer mehr Anerkennung und Würdigung. Von zunehmender Kränklichkeit geschwächt, mußte er jährlich das Bad zu Töplitz besuchen, und aus seine Verwendung bei dem hohen Landesgubernium erging das Aufgebot an alle Gemeinden Böhmens, jährlich eine Collecte für die israelitischen Badekranken daselbst zu veranstalten, welches durch thätige Mitwirkung der Stadthauptmannschaft zu Prag auch geschah. Bei jeder Gelegenheit legte er sein Pflichtgefühl an den Tag, welches er in von ihm verfaßten! rein hebräischen Gebeten und Predigten aufs entsprechenste be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.