Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 15 (11.4.1840)
- Article
- Die Erforschung der Idee des Judenthums
- Date
- 1840-04-11
- Page
- 228 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8555529-9891396-9891419-2362227--0290-2362261- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
329 Die Erforschung der Idee des Judenchums, v. Jolowicz. Sendschreiben S. I. Rapaport's. 23tt unsere ernste und volle Ueberzeuguiig, und wir glauben in der Entwickelung und Culturgeschichte des Judenthums die Bestätigung dafür zu finden. Fassen wir nun Gesagtes zusammen, so ergiebt sich, daß die Erforschung der Idee des Judenthums in ihrer geschichtlichen Gestaltung und Entwickelung zunächst die Thätigkeit unserer israelitischen Gelehrten Ln Anspruch nimmt, und daß dadurch allein die anderweitigen Streitigkeiten über einzelne Dogmen und Zeremonien beigelegt und Einheit und Einigkeit im Glauben wieder hergestellt werden können. Wohl ist es wahr und nicht zu übersehen, daß das sich nunmehr so vielseitig gestaltete Leben Israels einer Erleichterung in Bezug der Zeremonien bedarf, und daß die Erleichterungstheorien Seitens mehrerer achtbaren Gelehrten wohlbedachtig und umsichtsvoll ausgestellt worden; allein welchen Widerstand fanden und finden nicht diese Theorien, so sie zu des Lebens goldenem Baum werden wollen, welche Hindernisse werden ihnen nicht entgegengesetzt, indem jeder wehmüthig ausruft: Wo soll das hinführen! Wird nicht in 10 — 20 Jahren wieder Vieles nicht für unser Leben passen, und soll immer ein Stein nach dem andern aus dem heiligen Gebäu des Judenthums herausgerissen werden, wird dasselbe dann nicht über unserm Haupte zusammen stürzen, und unter seinen Trümmern uns begraben"? Solche und ähnliche Lamentationen müssen sich aber allerdings beim jetzigen Standpunkt der Dinge selbst bei dem Edeldenkendsten erheben, weil ihm die Idee des Judenthums fremd ist, ungeachtet er sonst von der Cultur, (Zivilisation u. s. w. desselben Kenntniß hat. — Man bringe nicht in Anschlag, daß durch manches erbaulich belehrende Wort, die Idee des Judmthums schon ausgesprochen worden wäre. Mit Nichten! Jene salbungsvollen Prediger sprechen zwar eine Idee, aber nicht die Idee des Judenthums als solche aus. Die Idee, als solche, muß sich aus dem Entwickelungsgange der jüdischen Theo - und Philosophie, wie dieselbe sich in der Literatur kund siebt, ergeben, und es wäre zu wünschen, daß Männer von Beruf sich zur Aufgabe machten, eine Geschichte der jüdischen Philosophie zu schreiben. Ob aber die Juden eine eigene, oder eine von andern Völkern anticipirte Philosophie hatten, das muß und soll sich ja aus der geschichtlichen Untersuchung ergeben. Wir für unfern Theil glauben, wenigstens in allen jüdischen Philosophemen etwas Nationales zu sehen, wodurch dieselben zu einem Ganzen sich abschließen, wiewohl ihnen zumeist fremde Prinzipien zu Grunde liegen. — Und so wäre es denn an der Zeit, im Fortgange der Geschichte des Judenthums auch dessen Idee zu eruiren, die mannigfaltigen Meinungen, Ansichten und Systeme, insofern sie nur einige Gültigkeit haben, zu erforschen, und so zu dem wirklich bestehenden Begriffe der. W a h r h e (t des Judenthums zu gelangen, welcher Arbeit unsere Gelehrten sich wohl um so eher unterziehen werden, als es ihnen doch nur um die Erforschung der Wahrheit zu thun ist. Diesem philosophischen Forschen nach der Wahrheit, der Idee des Judenthums, wird und kann selbst der strengste Theologe nicht abhold sein, weil Jeder, der nicht wie ein Unmündiger des gestrigen Tages vergißt, es an seinem eigenen Leben lernt, daß nur die Erkenntniß der Idee einer Religion den Licht- und Glanzpunkt eines Volkes und seiner Geschichte, mit einem Worte, seine Wahrheit ausmacht. Jolow icz. Sendschreiben Salomo Jehnda Rapaport's a n Ch ajim Selig Slonim $ k ü (Fortsetzung) Bei der Geschichte jener Zeit nach der Zerstörung des zweiten Tempels, in welcher dieser große Komet erschienen war, wollen wir noch verweilen, um diese Untersuchung weiter zu verfolgen. Diese große und wunderbare Naturerscheinung hatte gewiß bei der großen Masse des Volkes in jener Zeit, wie in verschiedenen andern Zeiten, eine außerordentliche Aufregung hervorgerufen, wenn auch der gelehrte und gebildete Theil nur ein Jrreleiten der Schiffer fürchtete. Denn das Volk ist bekanntlich von jeher geneigt, in den 'Erscheinungen des Himmels und der Erde Wunder und Zeichen zu sehen, die, als Vorboten, neue und außerordentliche Thaten erwarten lasten. Unter allen Völkern waren aber gerade die Juden durch ihr Unglück damals am empfänglichsten für solchen Glauben; denn der Unglückliche glaubt gern alles, was seine Hoffnung erfrischen und einen Trost spenden kann. In der jüdischen Geschichte erscheint aber -ungefähr um jene Zeit ein kühner stürmischer Held, mit -dem wunderbaren Namen >0210 22 (v. e. Jünger des Kometen, oder des Sterns), ein Held, der durch seine kühnen und raschen Thaten gegen die Römer, das heilige Vaterland fast wiedererobect hatte. Dieser Held wird dann in den Talmuden und Midraschim wegen des unglücklichen Erfolges >0,12 22 genannt, und diese Umänderung des Namens wird in Mid rusch Echa erzählt. Es heißt dort: (tf2'p>0 '21 pni1 '21 1DN 2,12 2212 Kipn ^S' 2212 '“Ti D'11, ' welche Stelle in j. Taanit (c. 4) |2 ]lpDt0 02 2£N 122 ZJpJPD 2212 122 10212 K2'pp 02 \STi2 2pJTO 2112 eine Parallele hat. Diese Umänderung des Namens dieses Helden in 2112, in welcher Rabbi Akiba das biblische 2212 umwandelte, setzt voraus, daß sein Name früher Kochab war, oder Bar-Kuchba wie auch Justinus, Eusebius, Hieronymus, Ocosius, Sincellus und Abulfarag ihn nennen, wie sie ihn von Juden benennen hörten. Wirklich hat man früher diesen Helden hoch gerühmt und die Schriftstelle auf ihn angewandt „Es tritt ein Stern aus Jakob," und erst dann, 15*