Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1840)
- Article
- Alexandrien : mittelalterliche Beschuldigungen [Nachricht]
- Date
- 1840-04-11
- Page
- 109 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement für ein Jahr ist 6 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen soliden Vuchhandlttngen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr. Jttlins Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich, das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. LZ; ' / \.// Leipzig, den 11. April. 1840 Orient. Alexandrien (rnittelalterkjche Beschuldigungen). Beyrrrt.' Rhod'us. — Frankreich (Paris). — Den tschland (Ober s ch l e si e n , über zwei Iugendschriften; Leipzig, über die neuesten jüdischen-Zustande in Sachsen.) — Ungarn und G a l it zi en (P e ft h, Berichtigung; Pr e ß b u r g , Mittheilung der Petition; Lemberg, die neuen Vorsteher und der Fortschritt). — Literaturblatt des Orients. O r i e nt A te x andere n, 7. Marz. Am 9. Februar war der Pater Thomas, Superior des spanischen Klosters in Damask, mit einem Diener ausgegangen, und seither wurde.keine Spur mehr von ihm gefunden. Der französische Consul berichtete an Sherif Pascha, welcher die strengsten Nachforschungen anordnete. Ein jüdischer Barbier> auf den der Verdacht siel, daß er den Pater gemordet, und.sein Diener wurden eingezogen. Sie erhielten die Bastonade, und' Schildwachen, die neben ihnen im Gefängnisse aufgestellt waren, mußten sie mit Bajonetstichen wieder auswecken,'sobald sie einzuschlafen schienen; aber die Gefangenen beharrten auf ihre Unschuld. Die Großrabbiner und 64 Judenkinder wurden ebenfalls eingekerkect. Endlich legte man dem Barbier die Daumenschrauben an, und auf der Folter gestand er,. sieben Glaubensgenossen, die schon früher als verdächtig gefangen gesetzt waren, haben ihn zum Mord des Paters gedungen, und ihm später für jeden Hieb ein halbes Gazi (b Frk.) zugesagt. Der Leichnam des Paters und seines Dieners ist noch.nicht aufgefunden. Der' französische Consul hat. aus die Auffindung der Beiden, ob sie tobt fepen oder leben, einen Preis, von 60,000 Piaster gesetzt. - :: (S. M.) ■ Betzlkttt, 29. Febr. Die Errichtung einer sprischen Nationalgarde hat-viele Einwohner Beprut's zur Flucht in die Gebirge veranlaßt.' Da jedoch das gänzliche Entlaufen unmöglich ist und das/-Gouvernement immer Mittel findet, die Flüchtlinge wieder aufzugreisen, so werden diese Geflohenen, statt unter die Nationalgarde, wahrscheinlich "unter das Linienmilitar gesteckt werden. Das Gouvernement rechnet, der Effectivstand der Nationalgarde ganz Syriens auf 60,000 Mann bringen zu können, wohin jedoch die Drusen des Emir Beschir nicht gerechnet werden; eben so wenig zahlen sie die sprifchen Beduinen dahin. In Acre wird unaufhörlich an den Befestigungen gebaut, eine ähnliche Thatigkeit herrscht in Jaffa, wie überhaupt .an der. ganzen Küste. In Homs soll ein Beduinenlager errichtet werden, und ein ähnliches auf der Pilgerstraße nach Damascus.: In Jerusalem ist die Pest ausgebrochen; bis jetzt hat sie sich nicht allgemein verbreitet, sondern nur einige Jndb viduen befallen. Aus Damascus schreibt man, daß vor einiger Zeit ein sich schon 30 Jahr daselbst aufhaltender Capuziner plötzlich verschwunden sey; da alles Nachforschens ungeachtet keine Spur von ihm zu entdecken war, so siel man auf den Verdacht, daß ihn die Juden aus irgend einem unbekannten Grund auf die Seite geschafft hatten. Der Gouverneur von Damascus ließ sieben der reichsten und angesehnsten Kaufleute dieser Nation einziehen. Da sie ihre Unschuld betheuerten und von dem Vorfall nichts wissen wollten, so erfolgte das, was unter solchen Umständen hier gewöhnlich geschieht, sie erhielten jeder eine .tüchtige Anzahl Stockschläge und man zog ihr Vermögen ein. Der Schrecken hat sich nun der Juden bemustert, sie glauben, vielleicht mit Recht, daß eine Maaßregel gegen sie'im Werke sei-, .und man sie auserkoren habe, denn Geldmangel des Gouvernements abzuhelfen. Da hier Niemand Mitleid mit den Judenhat, so sagt der einfältige": und fanatische Pöbel, daß dies eine sehr kluge und populäre Maßregel' Ibrahims sei. So ist os aber in Sprien: nicht die Völker, -sondern die Neligionen hassen sich, und.'eine Sette opfert willig die Halste ihres Eigenthums, wenn sie damit bewirken kann, 15