Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 14 (4.4.1840)
- Article
- Aus Alcharisi's Tachkemoni
- Date
- 1840-04-04
- Page
- 214 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8555529-9891396-9891418-2362149--0266-2362192- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
215 Die Erforschung der Idee des Iudenthums. Lit. Uebersichten. Zedidja^ neue Folge. 216 Herz mir geschrieben mit Goldbuchstaben. — Und ich hing an seinem Munde — noch manche süße Stunde/ — bis die Stunde der Trennung ertönte, — die mich von des Freundes Brust entwöhnte. Die Erforschung der Idee des Judenthums, ein nothwendiges Erforderniß für unsere Zeit« Eine Skizze. Wenn die letzten Jahrzehnten der Geschichte dem forschenden Blicke viel Interessantes darbieten, wenn sie ihm in der neuesten Umbildung der philosophischen Denkweise die höhere Potenz der fortschreitenden Entwickelung des menschlichen Geistes zeigen, wenn sie ihm ferner in den, bis in unsere Zeit sich erstreckenden religiösen Bestrebungen die göttliche Macht und Kraft des Glaubens erblicken lassen, der in seiner Göttlichkeit frei von allen Schlaken und menschlichen Satzungen sein will, so entwerfen sie ihm nicht minder das schöne Bild von Israel, seinem Glauben und Streben. Und gern verweilet der forschende Blick des Denkers bei diesem Bilde, weil hier sich ihm — wiewohl nur tm Reflexionsbilde — in den hellsten Farben die einzelnen Züge der notwendigen organischen Entwickelung der Cultur und Civilisation der Menschheit entfalten. Denn an Israel ist die Aeitbildung niche spurlos vorübergegangen, sie hat vielmehr in ihm ein Streben geweckt und hervorgerufen, das jedem Edeldenkenden höchst lobens - und achtungswerth, wahrhaft beglückend und heilbringend, durchaus wohlthatig und ernährend erscheinen muß, für Alles, was wir heilig bewahren und pflegen müssen, wenn nicht Recht und Sitte, Religion und Wissenschaft in allgemeiner Fäulniß übergehen soll. — Es ist keine unbestimmte, bunte Mannigfaltigkeit, die sich in der neuesten Entwickelung des Iudenthums kund giebt; es ist der in der Neuzeit hervorgetretene Kampf in Meinung und Ansicht über Religion und Religiösität kein willkührlicher, sondern ein im Entwlckelungsgeiste des Judenthums notwendig begründetes; und aus diesem Gesichtspunkte nur sind alle literarischer Bestrebungen von Mendelssohn bis auf unsere Zeit zu würdigen. (Schluß folgt.) Literarische Uebersichten. 1) Allg emeines Ar chiv des Iudenthums. Iedidja, neue 'Folge. Zeitschrift für Religion, Kultus, Geschichte und Literatur, herausgegeben von Dr. I. Heine mann in Berlin. Ersten Bandes zweites Heft. (Berlin 1840.) — Der überaus fleißige Dr. Heinemann übergiebt uns hiermit wiederum ein Heftchen seiner Iedidja, die in bunter Aufeinanderfolge die verschiedensten Seiten des Iudenthums betrachtet. Werfen wir einige Blicke auf den Inhalt derselben, um zu erfahren, was darin etwa mehr als ephemer-jurnalistischen Werth haben dürfte. Wir finden hier: 1. Eine Predigt des Dr. Hold heim, die Heiligung des göttlichen Namens, über den Text 1. Mos. 18, 19. Ein in der That lesenswertheö Produkt dieses geistreichen Predigers, von dem noch manches Gute zu erwarten ist, wenn er weniger sich isoliren würde, und ohne Egoismus die Erzeugnisse der Literatur verarbeiten wird. Da überhaupt in der letzten Zeit die Fluth jüdischer Predigten, mit denen wir überschüttet wurden, etwas nachgelassen hat, so fühlt man sich desto eher geneigt, eine gedruckte zu lesen, und Ref. muß gestehen, trotz seiner sonstigen Abneigung gegen gedruckte Predigten, diesmal mit Lust gelesen zu haben. Fragen dürste es sich, ob nicht die Predigt in der Ausdehnung, die sie hier hat, für den Bortrag etwas zu lang sein möchte, obgleich hierin freilich auch auf Lokalverhaltnisse Rücksicht zu nehmen ist. II. Ein hebräisches ©ebid)t an Guttenberg, den Erfinder der Buchdruckerkunst, überschrieben H^un, das schon lange in Leipzig vor dem Drucke vorhanden war, das, nachdem es im Allgemeinen den beklagenswerthm Zustand der Wissenschaft und den Nutzen seiner Erfindung beschrieben, zuletzt auf das Iudenthum übergeht, und davon spricht, daß dieses seiner Befreiung vorzüglich jener Kunst zu danken habe. Ref. kann hier zweierlei Bemerkungen nicht unterdrücken. Wenn es eben so thöricht und sinnlos wäre, die Bortheile der Buchdruckerkunst bestreiten zu wollen, oder als unnütz hier davon zu sprechen, so ist es doch zu weit gegangen, wenn man die politische Umänderung der jüdischen Verhältnisse unmittelbar von jener Erfindung herleiten will. Dazu haben ganz andere Umstande noch beigetragen, die freilich auch theils mittelbar, theils unmittelbar von der Buchdruckerkunst einen Einfluß erfuhren. Das Judenthum hat viertehalb Jahrhunderte nach Guttenberg warten müssen, ehe die Idee von allgemeiner Freiheit des Glaubens in Europa auftauchte; hat Jahrhunderte gewartet und hat immer noch für dieselbe zu kämpfen. Ferner hat wohl keine Literatur durch die Buchdruckerkunst so viel Wust, so viel Unnützes, ja sogar Schädliches und nach dieser Richtung auf das innere und äußere Leben des Juden Einwirkendes in sich ausgenommen, als gerade die jüdische; und mustert man die Erzeugnisse der jüdischen Presse des 17. und 18. Jahrhunderts, so wird man gewahren, daß die wenigen Produkte echt jüdischer Gelehrsamkeit von der Masse casuistisch - ritualistischer und kabbalistischer Schriften förmlich erdrückt werden. Zu beklagen ist übrigens, daß der Vers. (M. M.) des obigen Gedichts auf Sprachreinheit so wenig gesehen, und sich grobe grammatische Fehler zu Schulden kommen lassen, die nicht alle Schuld des Setzers sind. So z. B. um nur die stärksten hervorzuheben: S. 124. ünOpJ für Dp’OpT/ •’DHTP für S. 125 für inj&DD, PPÖ&6 für Vfütih u. s. w. Ein Aehnliches bemerken'wir an' IN., enthaltend ein hebräisches Gedicht von den Zöglingen der Waisenanstalt in Breslau an ihre Vorsteher, wo es. gleich in der Ueberschrift heißt: statt Man lege uns dies nicht für Mikrolögie aus. Soll einmal hebräisch geschrieben werden, nun so schreibe man richtig. Wundern muß man sich überdies, daß solche in die Augen springende Unrichtigkeiten dem Blicke des Herausgebers entgehen konnten; oder ist dieser Blick nur gegen fremde Erzeugnisse scharf? — IV. Die folgenden sieben Seiten beschäftigen sich mit einer Fortsetzung des Aufsatzes: die Fundamentallehre des Iudenthums, worin Albo bekämpft und Maimuni Recht gegeben wird. Neues ist hier nichts gesagt-,