Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1840)
- Article
- Prag : Dr. Wesselys Anstellung [Nachricht]
- Date
- 1840-04-04
- Page
- 108 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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108 des abgelegten Eides anfangend anzuweisen. Prag/ 10, Octbr. 1839, Freiherr von Prochazka. Natherey. Ob die Nachricht für Sie von Interesse ist, daß der bekannte Dichter Dr. Lud. Aug. Frankl die Redaktion des österr. Morgenblattes übernommen, weil es der erste isr. Redakteur in Wien ist, lasse ich dahingestellt; jedenfalls ist es für den Dichter ehrenvoll und für sein Blatt vortheilhaft, daß Grillparzer, von Hammer-Purgstall und Prokesch von Osten Mitarbeiten. Ein vielleicht eben so geringes Interesse bietet die Nachricht, daß der Fürst Pükler-Muskau sich einen jüdischen Arzt und Secretar, Namens Dr. Freund, herausgesucht, der ihn auf eine Reise nach Mexico begleitet. 'Nikolsburg, 29. Marz. Der wackere und strengreligiöse erste Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Nikolsburg, Herr Isaak Toch, hat zur Fondirung der jüngst daselbst begründeten und des besten Fortganges und blühendsten Zustandes sich erfreuenden Lehranstalt, mit welcher zugleich eine Fabriksanstalt verbunden ist, die Summe von 600 fl. E.M. beigetragen, mit der Bemerkung: Für den Lehrfond. Es ist höchst erfreulich, wie in neuester Zeit der Geist des Bessern in Mahren erwacht, nach so langem Schlummer der Unbeweglichkeit. Ueber diese Schule, so wie über einige Persönlichkeiten in Mahren, insofern sie bedeutenden Einfluß auf die Herausbildung der Gemeinden üben, wie z. B. über den dem Fortschritte und der Aufklärung zugethanen Rabbiner Fasset und den Talmudisten Nach um Trebitsch, behalte ich mir vor, nächstens ausführlich zu berichten. Ungarn. Preßburg, 17. März. Ich kann dem Orient die erfreuliche und erhebende Nachricht mittheilen, daß die Emancipationsfrage in Ungarn durch eine Majorität der Stimmen bei der Ständetafel zu Gunsten unserer niedergehaltenen Brüder erledigt wurde. Wenn je eine Berathung den ritterlichen, unverdorbenen Adel des magyarischen Volkes bekundet, so ist es diese über die Gleichstellung der Juden und deren Zulassung zu alten Bürger- und Adeltugenden der Söhne Ungarns; denn nur derjenige, der seinen Nebenmenschen frei wünscht, ist auch selbst wirklich frei. Die Frage über Emancipation der Juden wandert seit einem halben Jahrhundert durch Europa, und die Abweisung derselben hat sich immer als eine Abweisung der Civilisation gezeigt; denn die Gleichheit aller Kinder des Landes vor dem Gesetze, die Freiheit des Gewissens und des Glaubens ist der Prüfstein, wodurch man die Entäußerung verjährter Vorurtheile, den constitutionellen Sinn und die wahre Religiosität erkennt. Ich sage die wahre Religiosität, denn ohne jenen göttlichen Sinn der Duldung und der Liebe ist die Gluth unserer Andacht nichts als ein verzehrendes Feuer des Fanatismus, und unsere Frömmigkeit nur eine reale Manifestation der Verderbtheit der menschlichen Natur. Wie wir in ganz Ungarn diese Berathung und deren Beschluß ausgenommen, werden unsere Brüder in Deutschland allein wissen; unter 200,000 unserer Brüder erscholl die Kunde dieser Berathung wie ein Ruf der Erlöfung. In den Annalen der Geschichte wird man neben Dohm und Kmg auch einen Dubraviczki und Cötvös lesen. Mit Begeisterung werden wir uns in die Nationalität Ungarns versenken, seine Sprache reden und seine Lieder singen, die Kisfaludy, Döbrentei, Szükely, Kölesey, Teleki, Szmvey, Bajza, Berzsenyi sollen uns mit den Zauberlauten des Vaterlandes an das gewonnene Vaterland knüpfen. Rußland. Petersburg, 21. März. Der dmgicende Senat hat kürzlich ans die Anfrage der Universität Dorpat entschieden, daß den inländischen Juden, welche einen gelehrten Grad erlangen, das Diplom darüber ertheilt werden darf, doch müssen sie vorher der Befreiung von der Kopfsteuer (welcher die Graduirten nicht unterworfen sind) ausdrücklich nachgesucht und durch Documente das Gesuch unterstützt haben. Ausländische Juden dagegen dürfen aus russischen Universitäten weder zur Anhörung von Vorlesungen, noch zur Abhaltung des Examens zugelassen werden, da ihnen unter allen Umstanden verboten bleibt, sich in Rußland anzusiedeln und in russische Unterthanenschaft zu treten. L. Z. f 0 l e n. Warschau, 12. Marz. Man ist hier sehr gespannt auf die neuen Militäraushebungen, ob auch diesmal noch gegen die Kaiserl. Ukasen den Juden gestattet sein wird, sich durch eine Abfindungssumme vom Dienst in der Armee loszukaufen. Dadurch, daß jährlich an 10,000 Christen dem Land entführt werden, weil sie gewöhnlich in Altrußland dienen und die Dienstzeit größtentheils nicht überleben, oder doch nach derselben nicht in ihre Heimat zurückkehren können oder mögen, wird endlich die Judenschaft, welche sich jetzt schon bedeutend ausgebreitet, das Uebergewicht erhalten, es werden die Christen zuletzt nach Emancipation jener seufzen. Ein Ukas hat zwar schon vor Jahren diesem Uebelstande zu steuern gemeint, indem er auch die Juden militärdienstpflichtig machte; aber dieser Ukas hat bisher seine Einführung noch nicht durchsetzen können. (S;>. 30 Vertag von C. L» Fritzsche. Druck von I. H. NageL.