Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1840)
- Article
- Tanger : über jüdische Familien daselbst [Nachricht]
- Date
- 1840-04-04
- Page
- 101 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken für Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen lobt. Postämtern und allen soliden Buckhand: lungen auf ein Jahr. jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Nr. Julius Fürst. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentliche das Literaturblatt rniögerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig. 14. Leipzig, den 4. April. 1840. Orient. Langer. Kandia (üb. jüd. Familien daselbst). — Italien (Toscana, üb. Judenverhaltnisse in Livorno). — G r o ß b i r t a n n i e n (Bonbon, Aussichten auf Emancipation.) — Deutsch l a n d (W i e n , Legate der Frau Veronika Baumgarten; Wien, die Judenemancipation in Ungarn; Berlin; Leipzig, zur Geschichte der Juden in Sachsen.) — Böhmen und M a h r e n (Prag, Dr. Wessely's Anstellung; Nikolsburg, Fondirung der Lehrschule). -— Ungarn (Pr eßburg). — Rußland (Petersburg). — P ölen (W arsch a u). — Literaturblatt des Orients. Orient. Tcrnge^, 28. Febr. Kürzlich war man hier in großer Besorgniß wegen des Lebens und Eigenthums aller Christen und Juden, und diese Besorgniß war nicht ohne allen Grund; doch ist für den Augenblick keine Ursache zur Besorgniß vorhanden. Das hier erwartete französische Geschwader sott, nach der Erklärung des französischen Agenten in dieser Stadt, nur in friedlicher Absicht kommen, und da eine ähnliche Versicherung dem Pascha dieser Provinz, Abd Islam es-Slowi, gegeben wurde, so hat dieser versprochen, daß keiner von den Stämmen im Innern wieder in die Stadt berufen werden sollte. Sie hatten erst ganz kürzlich bei Gelegenheit eines Festes das Leben einiger Christen bedroht, ihre Musketen aus eins der Consularhäuser blind abgeseuert und auf andere Consulate mit Kugeln geschossen. Vor den Franzosen hatten selbst die Mauren, nach ihrem eignen Geständnisse, keine Furcht, sondern blos vor jenen fanatischen Wilden im Innern, welche, wenn sie ihre Drohungen ausfühcten, sehr geneigt wären, bei dem Erscheinen eines Geschwaders in großer Anzahl hecbeizustürzen, und alle Christen und Juden würden niedergemetzelt und ihr Eigenthum geplündert, als eine Sache, die sich von selbst verstehe. Obgleich also die christliche Bevölkerung das deutliche Versprechen des Pascha hat, welcher die Stämme nicht herbeirufen wird, wenn er den „Patriotismus" dieser „treuen" Vertheidiger des Islams aufhalten kann, und kein Ausbruch des moralischen Vulkans dieser Zeit stattft'ndet, so herrscht doch für lange Zeit eine drohende Gewitterluft in der Atmosphäre der hiesigen Politik, und sollte ein französisches Geschwader eine feindliche Bewegung machen, so wäre kein einziger Christ oder Jude Hieselbst seines Lebens sicher, und die blutige Epidemie würde wahrscheinlich die ganze westliche Berberei in demselben Grade anstecken. (H. N. Z.) Kctndier (Schluß). Er hält es für Pflicht, die Differenzpunkte der Philosophie mit der Religion möglichst zu umgehen, damit nicht ein Mißtrauen gegen jene erweckt werde; spricht sich aber unumwunden, obgleich mit vieler Ruhe, gegen die Kabbala aus, deren Alter er leugnet, da gerade die Alten Nichts von ihr wußten, und deren Annahmen er als unwissenschaftliche und willkürliche verwirft. Dabei unterließ er auch nicht, sich mit Talmudstudien zu beschäftigen, er stand, wie es scheint, in seiner Jugend mit Josef Kolon in Verkehr^), später aber mit Juda Minz, Rabbine in Padua in lebhaftem Streite. Unter den vielen Schülern, die er ausstellte, ist der oben genannte Saul Kohen Aschkenasi der bekanntestes. — Elija hinterließ zwei Söhne, Mose, der gleichfalls sich als Philosoph anszeichnete, und Juda, der Schüler war des Juda Minz in Padua, den obengenannten Kapsoli gegen Mose Alaschkar in Egypten vertheidigte, in Kandia. als Talmudist eine bedeutende Schule hatte, aus der Samuel Algasi hervorging. Eine Tochter Juda's, Rachel, heirathete den Josef aus Konstantinopel, einen Enkel des berühmten Mordochai Kumtiano, der sich in Kandia niederließ und sich 1) Vgl. dessen Gutachten Nr. 54, vielleicht ist jedoch dieser Elija del Medigo der andere, Sohn des Abba I. 2) Ueber alle hier angeführten Daten vergl. Elim S. 29 und Mazr. la-CH. 3d, 4 a und 10 b, Saul Kohen's Fragen an Abrabanel und Ghirondi in Kh. CH. IN. S. 91. 14