Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 13 (28.3.1840)
- Article
- Salomon Pleßner's Confirmationsreden
- Date
- 1840-03-28
- Page
- 204 (sequence 2)
- Language
- German
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205 Salomon Pleßner's Consirmationsreden. Literarische Skizzen und Berichte. 208 Aufmerksammachen auf die Combination, der Rede selbst nachtheilig zu sein; sie sieht nicht mehr aus wie ein ganzes, aus Einem Guß entstandenes Bild, zusammengesetzt und geschraubt, man erkennt den Ursprung zu sehr, man merkt, wie der Bildner die Glieder anderweitig hergeholt, hier zusammengepaßt und gefügt hat. Wenn der siebente Vortrag unedle Bilder hat, und auf triviale Weise „Gott, dem großen Gaste, Genüsse darbietet," und „die Welt zu einer mit köstlichen Speisen und Getränken besetzten Tafel vergleicht": so ragt der achte hervor durch neue Gedanken, biblische Sprache und durch treffliche Bilder, aus der Natur und dem Leben entnommen, er ist gleichsam ein kunstreicher Gartender liebliche Blumen, aber auch genießbare Früchte darbietet. Hier wird der große Sabbat (S. ha- Gadol), an welchem die Einsegnung stattsand, auf den göttlichen Ruhetag nach der Schöpfung, wie auf den ersten Ruhetag nach der jahrelangen Sclaverei in Egypten zurückgeführt, und dann auf den Einsegnungstag des Knaben recht geistvoll übertragen. In Egypten war Arbeit ohne Ruhe, denn Sklaverei kennt keine Ruhe; beim Auszuge aus Egypten ward Selbstständigkeit, also Ruhe; der Knabe gelangt mit dem 13. Jahre zur Selbstständigkeit, also auch zur Uebernahme der religiösen Pflicht des Ruhetages, wie zur Uebernahme aller andern Pflichten. — Weggewünscht hätte ich das Raisonniren gegen Religionslehrer in dieser Musterpredigt. Findet sich auch in der 9. Rede, besonders auf S. 102, manches Tadelnswerthe, so ist sie doch im Ganzen in einem rührenden, herzergreifenden Ton abgefaßt, wozu allerdings die Individualität des Knaben, einer Waise, Veranlassung gab. Im ersten Theile ist der Gedanke, daß der Geist seines dahingeschiedenen Vaters den Knaben zur strengen Beobachtung des Gesetzes auffordert, auf mannigfache Weise würdevoll ausgeführt. In der 10. sind die zwei langen Erzählungen aus Sifri störend; in der 11. ist das Wortspiel: „Düste, Stifte" nicht blos unpassend, sondetn auch falsch; ein solches Wortspiel findet sich auch in der verunglückten 14. Rede: „Und du Geist meines vollendeten Vaters bete für mich, daß ich weder dem Küssen des Glücks noch den Bissen des Unglücks erliege." Besser, und ich möchte sagen richtiger nachgeahmt der Ausdrucksweise der Propheten sind die Assonanzen auf S. 170. — Ist uns das epitheton Omans in der Anm. S. 6 „meine lehrreiche Einleitung" schon zuwieder, so lesen wir hier S. 127 eine andere, die aus noch andern Gründen gänzlich, hätte fehlen können. Die 13. ist von den kleinern Predigten eine der bessern, und kömmt der 18., welche unter diesen von dem Knaben selbst gesprochenen, wohl die gediegenste ist, sehr nahe. Doch scheint uns der Vergleich des Pesachfestes mit der Einsegnung des Knaben, der Zeit nach, nicht so angemessen, als der Vergleich des 13jährigen Knaben mit dem Sommer in der folgenden Rede, zumal der Einzusegnende schon eine gewisse Reife erlangt haben soll. — Aus dem 15. Vortrage hätte die Feuersbrunst aelöscht werden können! — Trefflich aber ist in der 18. Rede die Folge des Verses auf Rttfjj Dm Hl erklärt, und auf das Einsegnungsfest in Anwendung gebracht; überhaupt ist diese Predigt reich an guten Gedanken, und könnte, bei größerer Ordnung, für gediegen gelten. Fassen wir alles Erwähnte kurz zusammen, und wagen ab das Gerügte gegen das Anerkannte, so stellt sich ein sehr günstiges Resultat für dieses Buch heraus; es ist seinem sich vorgesteckten Ziele gefolgt, und hat seinem bestimmten Zwecke Genüge geleistet; es ist selbst durchdrungen von dem frommen Wandel des Verfassers, und spiegelt dessen inneres Leben gleichsam wieder ab. Mögen recht viele aus diesem gesunden Born heilsame Lehren schöpfen. — Sollten mich nicht besondere Umstände hindern, so werde ich auch nächstens einige Bemerkungen über die in diesem Jahre von demselben Verfasser herausgekommenen Trauungsreden liefern, und zwar nur einige Bemerkungen, weil die meisten hier aufgestellten, so particulär sie auch scheinen mögen, allgemeine Anwendung finden auf alle Predigten dieses Verfassers. Fl. Literarische Skizzen rmd Berichte. Saalschütz's Forschungen im Gebiete der hebräisch - eghptischen Archäologie. Unter diesem Namen hat dieser Gelehrte seine erste Schrift zur Geschichte der Buchstabenschrift, mit besonderer Beziehung auf Hebräer, Phönicier, Griechen und Egypter schon im Jahre 1838 veröffentlicht und mit Freuden sieht jeder Paläograph nach dieser ersten Probe den Fortsetzungen entgegen. Hr. Dr. Saalschutz hat für die nächste Reihe den Versuch einer Geschichte der Hyksos-Herrschaft, eine Kritik der Berichte des Manetho versprochen, woraus dann eine Reihe anderer in das Gebiet der hebraisch-egyptifchen Archäologie gehörender Abyand. lungen folgen soll und wir wünschen, daß diese Nachfolge recht bald zur Bereicherung der Wissenschaft geschehen möge. Die ge« ringste und unbedeutendste Forschung auf diesem Gebiete der Alterthumskunde ist zur Lösung der wichtigen Fragen über die geistige Entwickelung der Menschheit mehr werth als jene Sündfluth von gedruckten religiösen Betrachtungen, welche jedes aufkekmende Gute überfluthen. Die ausgezeichnetsten Männer der Gegenwart und der vorangegangenen Zeit haben für dergleichen Forschun« gen Material zusammengetragen, z. B.' Gesenius: Geschichte der hebräischen Sprache und Schrift; Bell er mann: Handbuch der biblischen Literatur; Jahn: Einleitung in die göttlichen Bücher; Kopp: Bilder und Schriften; GeseniuS: Paläographische Studien über phönicische und punische Schrift; Jahn: biblische Archäologie; Urban: Essai sur l’origine de l’ecriture; de Wette: hebräisch-jüdische Archäologie; Lareber: Kecherches et conjectures sur les principaux evenemens de l’hisfcoire de Cadnius; Champo Ilion: Precis du Systeme hieroglyphique; Jabl o n s ky: Pantheon Aeg.; Bayer: über Schrift und Sprache der Phönicier; Lepsius: über die Anordnung und Verwandschaft des Semitischen, Jüdischen, Alt-Egyptischen und Aethiopischen Alfabets u. A., und Hr. Dr. Saalschütz, hat diese Schriften gewissenhaft benutzt. Wir werden nächstens eine ausführliche Besprechung dieses Buches geben»