Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-03-28 · 13 (28.3.1840) · p. 196

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
13 (28.3.1840)
Article
Aus Alcharisi's Tachkemoni
Date
1840-03-28
Page
196 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8555529-9891396-9891417-2362091--0242-2362119
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

197 198 Dr. Krafft's Proben aus Tachkemoni. Ueber zwei indische Sekten. und so groß war meine Freude, — wie über die reichste Beute; — mein Leid war verschwunden — und ich von Freud' überwunden. — Ich theilt' ihm von meinem Dorrath mit —■ und er aß von Allem mit Appetit. — Als ec sein Mal geendet — und zu Gott sein Gebet gesendet, — spendet' er mir einen Ohrenschmaus — und kramte mir seiner Lieder Schatze aus. — Ich ergriff Feder und Dinte, — um zu schreiben geschwinde, — was er erfinde. — Kaum hatt' ich mich zum Geschäft gewandt, — da bricht die Feder mir in der Hand; — eine zweite halt eben so wenig Stand, — und ich werfe sie gegen die Wand. — Da sprach C heb er: Warum hast du dich verführen lassen, — was Gott erwählet hat, zu hassen? — Was Er beschlossen zu segnen, — dem willst du also begegnen? — Kennst du nicht ihre witzigen Reden, — und ihre spitzigen Fehden? — Soll ich sie dir erzählen? — und dir nichts verhehlen? — Ich versetzte : Mein Ohr ist gebohrt an deines Mundes Pforte, — und mein Auge geschmückt mit der Schminke deiner Worte! — Er begann: Einst stritten des Königes Sekretäre — mit den Führern der Heere. — Wir sind, sagten jene, die Helden der Geisteskraft, — bei uns wohnet Rath und Wissenschaft; — unserm Mund' emsprühm Witze wie Blitze, — wir sind die Pfeiler dem Königs sitze, — und des Thrones Stütze. — In unfern Händen ist der Aauberstift, — der jeden Gegner trifft; — die Helden stürzt er, — die Thoren würzt er; — klein und hager, fein und mager, — schlagt er gewappnete Schaaren, -— und treibt Fürsten zu Paaren. — Wir sind der Großen Fundament und Ehre und unsre Feder ihres Thrones Wehre; und unsre Herrlichkeit und Majestät, sie überragt sogar des Himmels Heere, Die Krieger achten wir für unsre Knechte; in ihrem Herzen haften unsre Speere. Da antworteten die Gewappneten und sprachen: Wir sind die Leuen an Wuth, — und die Löwen an Muth. — Aus dem Schwert sprüh'n Funken, wenn wir's erheben, — wir füllen die Lande mit Angst und Beben, — bis alle Bewohner fliehn mit Zagen, — und Kinder und Ettern ihren Dienst versagen. — Unser Schwert spricht ohne Mund, — hat kern Aug' und ist chm Alles kund, — schwemmt weg, rpte ein Strom, bis auf den Grund, — und wandelt voran dem Vasallenbund. — Es ist der Könige Krone —7- und dje Stütze der Throne; -— es ist der Beschützer — seiner Besitzer, r— und haust Leichen an, — wie der Sand am Ocean. Wir schaffen erst der Großen Herrlichkeit; für unsern Feind ist unser Schwert bereit. Wenn auch die Helden feige sich verbergen, ist unser Arm entblöß zu Kampf und Srreit. Das Schwert ist gleich dem Weinstock, dem das Blut der Leichen seinen Rebenschmuck verleiht. Es zückt, gleichwie der Blitzstrahl, durch die Lüste, und Femdesköpfe fliegen weit und breit. * * * (Schluß folgt.) Literarische Analekten. I. Ahron Bei» - Elia, der Karäer, über zwei indische Sekten. Zu den interessantesten Partien des Nozer Emunim von Ahron Ben-Elia gehört die Schilderung der Philosophen^' der griechischen und muhammedanischen Secten. Sein Gesichtskreis dehnt sich sogar bis auf andere Religionsparteien des Orients aus, wie z. B. auf die Sekte des Mani und Bardesanes (n^l^)2), deren Gnosis, wie wir aus den Mittheilungen des gelehrten in Kahira schreibenden Karaers ersehen, noch im Anfänge des 14. Jahrh. ihre jüdischen Parteigänger hatte. Noch überraschender aber ist es, aus dem Munde eines Juden eine Mittheilung über Indien zu erhalten. Das 96. Cap. des genannten Werkes eröffnet den dritten Haupttheil desselben über die Prophetie, ihre Nothwendigkeit, ihr Wesen und ihren Inhalt mit einer Darstellung der divergirenden Meinungen über die göttliche Offenbarung. Die Lehrmeinungen, sagt Ahron Ben-Elia, welche von denen ausgehcn, die an das Dasein Gottes glauben, aber die Prophetie theils gerade zu bestreiten, theils gläubig anerkennen, zerfallen in drei Hauptrichtungen. Die erste Ansicht ist die der Philosoph en, welche die specielle Vorsehung Gottes über das Menschengeschlecht negiren. Mit der Negation der speciellen Vorsehung wird nothwendig auch die Prophetie negirt und zu einer reinen Absurdität; cs giebt keine Thora himmlischen Ursprungs und keine künftige belohnende und bestrafende Vergeltung. Die zweite Ansicht ist die der Weisen Indiens, Al-Brühma und Al-Daharije, welche an das Dasein Gottes, so wie an die specielle Vorsehung nebst Belohnung und Bestrafung glauben, aber an die Prophetie glauben sie nicht, sondern sie sagen: Gott ist ein unkörperliches Wesen, wie kann aber ein unkörperliches Wesen mit einem körperlichen reden! Gott kann nicht mit dem Menschen reden, so daß dieser lebe 1) Den Mani und die durch ihn begründete dualistische Gnosis erwähnt auch der Verf. des Schalschelt Ha-Kabb a l a 5. 9, h. 2) Deissanije, von Jbn-Deissan, s. Histor. An~ teisl. S. 158 ed. Fleisch. Der Dualismus, die Annahme zweier Urprincipien (iTPIi&H TU#1, N), heißt ara- Jydf, oder mit Einem Worte (ähnlich wir Lh-VN iÜlDX bei Saadja). 13 *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.